Petr Pavel ist zu einem privaten Urlaub ins Ausland aufgebrochen. Wie
die Prager Burg mitteilte, kann er zu seinem Bedauern somit nicht an den
Kommunalwahlen am bevorstehenden Wochenende in seiner Heimat teilnehmen. Politiker und Medien sprechen von einem „schweren Fehler“.
Tschernoutschek (Černouček) ist ein kleines Dorf in Mittelböhmen, unweit von Prag, linksseitig der Elbe und zählt gerade mal 304 Einwohner. Bis vor ein paar Jahren kannte kaum ein Tscheche vom Namen her den unscheinbaren Flecken unterhalb des Berges Říp. Das hat sich mit der letzten Wahl des tschechischen Präsidenten geändert. Der Ort hat zwei berühmte Einwohner – eben Präsident Petr Pavel und dessen Ehefrau Eva. Eva Pavlová ist sogar Mitglied des Gemeinderates. Sie dürfte nach Lage der Dinge am bevorstehenden Wochenende bei den tschechischen Kommunalwahlen wiedergewählt werden. Freilich sehr
wahrscheinlich mit einer Stimme weniger als bei den letzten Wahlen. Ihr Ehemann, der Präsident, kann nicht wieder für sie stimmen, wenn alles so läuft wie geplant.
Der Präsident nämlich muss den Wahlen fernbleiben, wie die Prager Burg zerknirscht mitteilte. Wegen eines „Planungsfehlers“, den das Staatsoberhaupt bedaure. Der Präsident schwänzt die Wahlen, weil er sich im Datum vertan hat? Wo er doch – entsprechend der Verfassung – den Wahltermin selbst festgelegt hatte? Und niemand in seinem großen
Beraterstab hat den „Planungsfehler“ bemerkt? Das mag man schwer glauben.
Pavel ist jedenfalls Ende vergangener Woche zu einem „privaten Urlaub ins Ausland“ abgereist. Dem Vernehmen nach mit dem Motorrad nach Marokko zu einer dort gerade stattfindenden Rallye, auf der er gern Fotos machen möchte. Jüngst hatte er sich diesem Hobby – unter weltweiter Beachtung – schon beim Formel-Eins-Rennen in Ungarn gewidmet. Die Fotos sollen für einen guten Zweck versteigert werden, für die
caritative Arbeit seiner Gattin. Und natürlich wird Pavel als leidenschaftlicher Motorradfahrer seine eigene Maschine im marokkanischen Wüstensand testen.
„Planungsfehler“ in der Prager Burg
Erst am 19. Oktober, so die Prager Burg, werde er seine Arbeit mit dem Empfang von Botschaftern fortsetzen. Die Wahlen finden am 9. und 10. Oktober statt. Niemand neidet dem Präsidenten seinen Urlaub. Niemand will ihm das Ausleben seiner Leidenschaften verwehren. Die Tschechen wissen mittlerweile, dass Pavel ein „bisschen anders“ als seine
Vorgänger ist. „Es ist großartig, einen Präsidenten zu haben, der sein Mandat erfüllt und dabei auch noch cool wirkt“, schrieb am Montag der Chefkommentator der angesehenen Hospodářské noviny, Petr Honzejk. „Wenn jedoch der Eindruck überwiegt, dass er vor allem cool wirken will und seine Pflichten als Präsident und Politiker, wie beispielsweise die Teilnahme an Wahlen, etwas vernachlässigt, kann die Sympathie schnell schwinden.“ Honzejk gehört zu den führenden tschechischen Journalisten, die den Präsidenten prinzipiell loben und vehement gegen unberechtigte Kritik verteidigen. Die aktuelle Kritik
hält allerdings auch er für berechtigt.
Ähnlich liegt der Fall bei Forum24. Dort schrieb eine Kommentatorin: „Der Präsident muss an den Wahlen teilnehmen und sich zum Zeitpunkt der Ergebnisbekanntgabe in Tschechien aufhalten. Man könnte denken, jedem unterläuft mal ein Fehler. Doch der Präsident bucht seinen Urlaub sicher nicht bei ein paar Bierchen auf einem Portal mit
Billigflügen, sondern plant ihn gemeinsam mit anderen unter Berücksichtigung des restlichen Programms und der Sicherheitsvorkehrungen. Ein solcher Fauxpas darf einfach nicht passieren.“
Kritik aus Regierung und Opposition
Für die Politiker namentlich aus dem Prager Regierungslager, die Pavel nicht sonderlich mögen, um es vorsichtig auszudrücken, ist der „Planungsfehler“ erwartungsgemäß ein gefundenes Fressen. Die Vorsitzende der größten Regierungsfraktion ANO, Taťána Malá,
bezeichnete die Haltung des Staatsoberhaupts in einer sonntäglichen TV-Debatte als „respektlos“. Es gab auch noch sehr viel deutlichere Worte. Freilich auch aus dem Oppositionslager, wo Petr Pavel gemeinhin als „einziges Bollwerk“ gegen die Regierung von Andrej Babiš angesehen wird. „Politische Führungskräfte sollten mit gutem Beispiel
vorangehen und selbstverständlich an den Wahlen teilnehmen“, hieß es da unisono. Die Vorsitzende der Fraktion der Bürgermeisterpartei STAN im Abgeordnetenhaus, Michaela Šebelová, äußerte zugleich die Sorge, „dass sich der Schritt des Präsidenten bei zukünftigen Wahlaufrufen rächen könnte“.
Die gerade einsetzende Kritik könnte in den kommenden Tagen leicht zu einem Shitstorm werden. Die Online-Plattform Aktuálně.cz fragte: „Können sie sich auf der Burg wirklich nicht vorstellen, wie viele Videos von Politikern kursieren werden, die einen Umschlag mit den Worten ‚Im Gegensatz zum Präsidenten habe ich mir Zeit für Sie genommen‘ in die Wahlurne werfen?“
Bleibt die Frage, ob sich die Kritik schon bis zum Präsidenten in Marokko herumgesprochen hat. Auf der Burg hieß es: „Der Präsident steht während der gesamten Reise in Kontakt mit dem Präsidialamt, um für alle Eventualitäten erreichbar zu sein.“ Vielleicht folgt der Staatschef am Ende dem dringenden Rat von Kommentator Honzejk: „Petr Pavel täte gut daran, seinen Urlaub zu verkürzen, am Freitag von Marrakesch oder Agadir nach Prag zu fliegen und am Samstag in Černouček an der Wahlurne zu stehen. Er könnte problemlos auch mit dem Motorrad dorthin gelangen. Tschechien ist schließlich auch ein schönes Land zum Motorradfahren.“
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