LandesEcho-Kommentator Luboš Palata wagt einen schelmischen Blick ins neue Jahr 2019 in Tschechien.

Andrej Babiš verkauft den Konzern Agrofert. Mit dem Erlös in Höhe von 280 Milliarden Kronen begleicht er die Schulden des tschechischen Staates. Er reicht seinen Rücktritt ein und geht gemeinsam mit Ehefrau Monika, den Kindern und dem Schwager Herodes ins Gefängnis. Gemäß ihrem Urteil und der Abmachung mit den Behörden hatten sie alle fünf Jahre bekommen, in einem Erste-Klasse-Knast. Nach Antritt der Haftstrafe verkündet Babiš, dass er nach Ablauf der Gefängniszeit ins Kloster Břevnov eintreten wird.

Präsident Miloš Zeman bekennt sich öffentlich zu seiner Liebesbeziehung zu seinem Sprecher Jiř Ovčáček. Damit begründet er dann auch seine Unterschrift unter dem Gesetz für die „Ehe für alle“, auch für gleichgeschlechtliche Paare. Nach einem rauschenden Hochzeitsfest im Schloss Lány lässt sich Zeman ebenso öffentlichkeitswirksam scheiden und dankt ab. In die Flitterwochen reisen die beiden Eheleute in Begleitung des ehemaligen Agrofert-Chauffeurs Petr Protopopov auf die Krim. Dort verlieren sich ihre Spuren.

Die neue politische Realität beherrscht die Tschechische Rechte, die sich von ODS, STAN, KDU-ČSL und TOP 09 abspaltet und gemeinsam mit den Piraten die absolute Mehrheit in der Regierung stellen. Ministerpräsident wird Miroslav Kalousek. Präsident wird mit 90 Prozent der Stimmen Marek Hilšer. 

Skifahren bis Ende Juni

Die Regierung setzt ein Verbot der Kommunistischen Partei durch, dem die Partei, die bei den letzten Wahlen jedoch gerade einmal zwei Prozentpunkte erreichte, nur noch durch eine Selbstauflösung zuvorkam. Das Kabinett verkündet, dass bis Ende 2019 noch der Euro eingeführt, der UNO-Migrationspakt und der Israel-Vertrag unterzeichnet sowie keine Autos mit Dieselmotor mehr hergestellt werden. Das neue Regierungskonzept zur Energiepolitik verbietet die Kohleförderung. Nach einer kleinen Explosion im AKW Temelín verkündet die Regierung die Stilllegung sämtlicher tschechischer Kernkraftwerke bis 2021.

Feierlich wird der Bau des Elbe-Oder-Donau-Kanals mit Frist im Jahr 2022 sowie der Hochgeschwindigkeitsbahnstrecken Berlin-Prag-Bratislava-Budapest und Brünn-Warschau eröffnet. Allein im Laufe des Jahres 2019 werden 500 Autobahn-Kilometer neu gebaut, die nun Prag mit Linz und Breslau mit Wien verbinden.

Dank der umfangreichen Anti-Alkohol-Kampagne der neuen Regierung sinkt der Bierkonsum in Tschechien um 80 Prozent. Die Bierbrauer im Land spezialisieren sich neuerdings auf Apfelmost und Himbeerlimonade. Zum neuen Nationalgericht entwickelt sich marinierter Hering mit Kartoffel, was die tschechische Regierung gemeinsam mit Deutschland und einer norwegischen Fischerflottille forcierte.

Der andauernde Niederschlag durchnässt die Landschaft schon so sehr, dass die Regierung ein massives Abwasser-Programm startet, vor allem in Südmähren und Nordböhmen. Bald gibt es so viele Frösche, Schnecken und andere Weichtierarten in Tschechien, dass das Land den Spitzenplatz beim Export einnimmt. Eine fünf Meter hohe Schneedecke ermöglicht, dass die Ski-Saison im Erzgebirge bis in die zweite Junihälfte reicht. An einigen Orten im Riesengebirge kann gar das ganze Jahr über gerodelt und skigefahren werden.

Prag ist mittlerweile von Bruntál vom Spitzenplatz der Liste der meist besuchten Orte Tschechiens gestürzt worden. Denn dorthin reisten seit Ausstrahlung der Romantikserie „Bist am Ende der Welt“ 2019 schon 80 Millionen Touristen aus China, Korea und Indonesien. 

Trump liest Dostojewski

Russland zieht sich nach den ukrainischen Präsidentschaftswahlen - die Witalij Klitschko gewinnt! - von der Krim und aus dem Donbass zurück und sichert der Ukraine 200 Milliarden Dollar Reparationszahlungen zu. Wladimir Putin fährt im Urlaub in die Republik Tanu-Tuwa, wo es ihm so sehr gefällt, dass er sich weigert, in den Kreml zurückzukehren. Die Macht in Russland übernimmt Michail Chodorkowskij, der sich mit Russland um die Aufnahme in der NATO und der EU bewirbt. Nach speziell beschleunigten Verhandlungen wird Russland dann gemeinsam mit der Ukraine und Großbritannien noch am 31. Dezember 2019 EU-Mitglied. London hatte sich noch am 1. April gegen den Brexit entschieden, Ministerpräsidentin Theresa May überbrachte dies ihrem Volk mit dem Ausruf „April!“.

US-Präsident Trump löscht seinen Twitter-Account und liest ab jetzt Dostojewskis „Brüder Karamasow“. Nein, nicht in Comics-Form, sondern als ganz klassischen Roman.

Das polnische Politikerschwergewicht Jaroslaw Kaczynski von der PiS-Partei (Recht und Gerechtigkeit) heiratet die 18-jährige Moderatorin Agnieszka Latova, wird Vater und kehrt der Politik den Rücken. Bei seiner Abschiedsrede im polnischen Parlament Sejm sagt er: „Ja, Smolensk war nur ein Flugunfall!“

Viktor Orbán nimmt sich die alarmierenden jüngsten Statistiken zu Herzen, die besagen, dass die Einwohnerzahl Ungarns bereits die Marke von acht Millionen unterschreitet, und startet ein massives Immigrationsprogramm aus dem Nahen Osten und Afrika in sein Land.

In Syrien gewinnt nach der Friedensschließung die prowestliche Oppositionen die ersten freien Wahlen, Präsident Baschar al-Assad erkennt seine Niederlage an und übergibt sich selbst dem Gerichtshof für Menschenrechte in Den Haag. Millionen syrischer Flüchtlinge können endlich wieder in ihre Heimat zurückkehren, was in Deutschland, Österreich bis in die Türkei zu einem plötzlichen und schweren Mangel an Arbeitskräften führt. 

China enthebt die führende Elite der Kommunistischen Partei ihrer Ämter, ermöglicht freien Wettbewerb für Parteien sowie freie Medien. Tibet, Tajwan, Hongkong, Macaa und die Mandschurei dürfen ihre Unabhängigkeit von China ausrufen. Letztere kehren zum Kaisertum zurück. 

Nordkorea beendet sein Atomwaffenprogramm und steckt all seine Kraft nun in die Raumfahrt. Als erster nordkoreanischer Kosmonaut fliegt Kim Jong-Un auf den Mars, kommt jedoch unterwegs vom Weg ab und gilt seitdem als vermisst. Nach dem Verschwinden des ehemaligen Führers vereinigen sich Süd- und Nordkorea noch 2019 wieder. 

Angela Merkel wird nach ihrem Rücktritt als Kanzlerin europäische Präsidentin, Vorsitzender der Europäischen Kommission wird nach einem phänomenalen Erfolg mit seiner Fraktion bei den Europaparlaments-Wahlen im Frühling der tschechische Abgeordnete Jan Zahradil. Gemeinsam lassen sie dann die Transformation der EU in einen Föderalstaat mit Hauptstadt im zyprischen Nikósii verlauten.

Der Autor LUBOŠ PALATA ist Redakteur des tschechischen Nachrichtenportals Deník.


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