In der Reihe „Aktuelle Generation“ stellen sich Vertreter der Deutschen in Tschechien vor. Familie Kavan aus Klein-Hoschütz (Malé Hoštice) lässt ihre drei Kinder wieder Deutsch lernen.

Wer sich die Zeit nimmt und unterschiedliche Kindereinrichtungen besucht, findet heraus, dass es in jedem ländlichen Kindergarten sicher mindestens eine Hand voll Kinder gibt, die – oder deren Eltern – Interesse an Deutschunterricht haben. Natürlich müsste dieser jeweils an die verschiedenen Altersgruppen der Kinder angepasst werden.

So ein auch in einem Troppauer Vorort. In Klein-Hoschütz leben die Kavans. Sie haben drei Kinder im Alter von sieben, fünf und drei Jahren. Die zwei jüngeren besuchten bereits einen Deutschkurs im örtlichen Kindergarten. Umfang: eine Stunde pro Woche.

Mutter Lucie Kavanová (35) beendet bald ihren Elternurlaub und wird wieder als Handelsreferentin einer Firma arbeiten. Vater Lukáš Kavan (43) ist Jurist bei der Wohnbaugenossenschaft in Troppau. Wie im Mittelstand üblich, wohnt die Familie in einem eigenen Haus nah bei ihren Verwandten. Bis ins Stadtzentrum sind es etwa fünf Kilometer.

LE: Stammen Sie beide aus der Gegend?

Lucie Kavanová: Ja, mein Ehemann kommt direkt von hier und ich aus Chlebičov.

Lukáš Kavan: Meine Großeltern haben noch Deutsch gesprochen. Meine Mutter dann jedoch nur noch bis zu ihrem dritten Lebensjahr. Damals in den 50er Jahren war es unüblich und unerwünscht, die deutsche Sprache weiterzugeben. Wir beide sprechen nun nur noch kaum Deutsch. Ich kann mich aber noch erinnern, dass die Oma in den letzten drei Monaten ihres Lebens nur Deutsch gesprochen hat.  

LE: Sind Sie Deutsche?

Lukáš Kavan: Nein, wir haben auch keine deutschen Pässe, da das jetzt in der EU nicht mehr notwendig ist. Hätten wir sie beantragt, dann hätten wir sie bekommen.

Familie Kavan / Foto: Richard NeugebauerLE: Warum suchten Sie Deutschunterricht für ihre Kinder aus?

Lukáš Kavan: Im Jahr 2017/2018 wurde gar kein anderer Sprachkurs angeboten. Der Zweite Grund war, dass meine Schwester in München lebt. Und so könnten sich unsere Kinder mit denen meiner Schwester besser verstehen.

LE: Warum ist Ihre Schwester nach Deutschland gegangen?

Lukáš Kavan: Sie hat als AuPair-Mädchen angefangen und ist dortgeblieben.

LE: Was hat der Deutschunterricht den Kindern gebracht? Sind Sie mit dem Ergebnis zufrieden?

Lukáš Kavan: Wir sind zufrieden. Die Lehrerin hat den Kindern erste Grundkenntnisse beigebracht wie zum Beispiel die Farben, Begrüßungen und ein paar einfache Sätze.

LE: Hat es die Kinder nicht gelangweilt?

Lukáš Kavan: Nein, die Kinder schauen sich auch gelegentlich bei YouTube oder anderen Internetquellen ihre Lieblingssender an. Dort kommt man ohne ein bisschen Sprachkenntnisse nicht weiter. Sie haben gemerkt, dass es Vorteile hat, sich auf Deutsch verständigen zu können.

LE: Benutzen Sie persönlich auf der Arbeit die deutsche Sprache?

Lukáš Kavan: Nein.

Lucie Kavanová: Nein.

LE: Woher kommt dann Ihr Interesse an der deutschen Sprache? Schauen Sie auch deutsche Fernsehsender oder Youtube-Kanäle?

Der Fernseher spielt bei uns keine große Rolle. Dennoch verfolgen die Kinder gerne anderssprachige TV-Sendungen.

LE: Das älteste Kind ist schon in der Grundschule. Wie geht es mit dem Unterricht der fremden Sprachen weiter?

Lukáš Kavan: Die Grundschule bietet nur Englisch an.

Lucie Kavanová: Unsere Tochter ist erst in der Ersten Klasse. Darum kann ich das Niveau des Sprachunterrichts in der öffentlichen Grundschule noch nicht richtig beurteilen.

LE: Wären Sie bereit, für den außerschulischen Deutschunterricht, Schulgebühren zu bezahlen. Auch wenn das ein paar Hundert Kronen im Jahr kosten würde?

Beide Eltern: Ja.

LE: Wie sieht Ihr „deutsches Leben“ im Ort aus?

Lukáš Kavan: Allmählich verschwinden viele Bräuche. Natürlich halten wir hier „im Dorf“ zusammen. Aber das berühmte sonnabendliche Straßenkehren beispielsweise gibt es nicht mehr. Interessant ist es zu beobachten, ob und wie man sich begrüßt. Je weiter von der Stadt entfernt, desto stärker neigen die Leute dazu, insbesondere Kinder, überhaupt zu grüßen. Hier in Klein-Hoschütz nicht mehr, aber weiter draußen ist das noch stark ausgeprägt. Auch die Bräuche oder Lieder haben wir leider nicht behalten. Trotzdem: Obwohl wir uns sehr an das moderne städtische Leben angepasst haben, versuchen wir einige Traditionen und Tugenden weiterzugeben.


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