Lange gab es keine direkte Fußgängerverbindung zwischen dem Prager Hauptbahnhof und dem Stadtteil Žižkov. Viele Menschen suchten sich oberirdisch teils gefährliche Wege über Gleise. Das ist nun vorbei, vor Kurzem wurde ein neuer Fußgängertunnel eröffnet, der außerdem mit neonleuchtenden Buchstaben auf sich aufmerksam macht.

Geschäftig huschen Reisende an der neuen Lichtinstallation im Prager Hauptbahnhof vorbei. „HURÁÁÁ ŽIŽKOV“, freuen sich die lebensgroßen leuchtenden Buchstaben des Schriftzugs. Den neonroten Worten schenken in der Eile nur noch die wenigsten Passanten Beachtung. Aber erst vor wenigen Wochen, nämlich am 24. September 2021, konnte der um knapp 40 Meter verlängerte Fußgängertunnel unter den Gleisen des Hauptbahnhofs erstmals betreten werden. Jahrelang gab es keine direkte Verbindung zwischen dem Stadtteil Žižkov (Prag 3) und dem Bahnhof. Der Tunnel endete an Gleis 7 und die wenigen Meter in das andere Stadtviertel waren oberirdisch durch Gleise versperrt. Pavel Dobeš, der stellvertretende Bürgermeister von Prag 3, erklärte dem Online-Magazin novinky.cz, dass nun insbesondere für die Einwohner Žižkovs ein „komfortabler, sogar barrierefreier“ Zugang zum Hauptbahnhof und der Metro ermöglicht worden sei. Bisher hatten sich nämlich viele Bewohner den Weg verkürzt und sind über die Gleise gelaufen. „Es sah hier wirklich völlig unzivilisiert aus“, fährt Dobeš fort. Nicht nur war die Abkürzung „verboten“, sondern auch noch „sehr gefährlich“.

Im April 2020 wurde mit dem Ausbau des Tunnels begonnen. Neben einigen Kanalumbauten und Gleisverlegungen, ist oberhalb der Unterführung die Generalinstandsetzung von drei weiteren Gleisen ermöglicht worden. Die Eröffnung des verlängerten Fußgängertunnels folgte schließlich nach 16 Monaten. Die Arbeiten an einem potentiellen weiteren Inselbahnsteig und den zusätzlichen Gleisen sollen erst 2024 beginnen.

In der Unterführung selbst hat man nun auch die Möglichkeit, mehr über den Bau des Hauptbahnhofes und eine mögliche Modernisierung des Fußgängertunnels bezüglich der weiteren drei Gleise durch kürzere Filme, Tafeln und Infotexte zu erfahren. Ausgestattet ist der modern gestaltete und barrierefreie Aufgang zur Seifertova-Straße mit einer Treppe, Rolltreppe und einem Personenaufzug. Die Kosten für den Bau beliefen sich auf knapp 220 Mio. Kronen (umgerechnet ca. 8,6 Mio. Euro).

Foto: Anna Treutlein