Aufgebrachte Bürger stellen sich dem Einmarsch der deutschen Truppen in Prag am 15. März 1939 entgegen. Foto: Wikimedia Commos, Unknown author
Aufgebrachte Bürger stellen sich dem Einmarsch der deutschen Truppen in Prag am 15. März 1939 entgegen. Foto: Wikimedia Commos, Unknown author

Das „Münchner Abkommen“ 1938 und die Okkupation der Tschechoslowakei ein halbes Jahr später zwang die Deutschen im Exil, aber auch viele Einheimische, das Land zu verlassen.

Anfang März 1938 kommt die deutsche Schauspielerin Tilla Durieux aus ihrem jugoslawischen Exil ein letztes Mal für ein Gastspiel nach Prag. Sie hat eine Rolle in dem Stück „Die Mutter“ von Karel Čapek. „Nach der ersten Vorstellung umringten mich weinende Frauen und umarmten mich, so sehr gab das Stück die augenblickliche Stimmung wieder. Furcht vor einem drohenden Unheil befiel alle.“ Österreich ist von Deutschland annektiert worden und die Tschechoslowakei damit eingekreist. Kaum jemand zweifelt, dass sie das nächste Ziel von Hitlers Eroberungsplänen sein wird, und sie alle behalten recht. Ende September werden die deutsch-böhmischen Siedlungsgebiete, das „Sudetenland“, im „Münchner Abkommen“ dem Deutschen Reich zugesprochen. Daraufhin setzt eine Fluchtwelle tschechischer und deutscher Nazigegner ins Landesinnere ein, was die ohnehin prekäre Situation der deutschen Exilanten weiter erschwert. 

Zu denen, die ihre mühsam aufgebaute Existenz wieder verlieren, gehört Gertrud Rothgießer. Die promovierte Physikerin, geboren 1888 in Bielefeld, hatte zusätzlich ein Medizinstudium abgeschlossen und als Kinderärztin in Berlin gearbeitet. Weil sie nach dem Machtantritt der Nazis wegen ihrer jüdischen Wurzeln ihren Beruf nicht mehr ausüben durfte, ging sie im Oktober 1933 in die Tschechoslowakei. In Marienbad, in der Parkvilla Lucha, eröffnete sie das „Kinderheim Dr. Gertrud Rothgießer“. Als sie 1938 wieder in den Herrschaftsbereich der Nationalsozialisten gerät, geht sie nach Prag – ein heftiger sozialer Abstieg, denn hier verdient sie nur mehr das Nötigste, indem sie graphologische Gutachten erstellt. 

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