Die Städte Friedland (Frýdlant) und Gablonz (Jablonec nad Nisou) erwarben vor Kurzem eine Vielzahl von alten deutschen Grabstätten. Mit dem Kauf können nun auch die Sanierungsarbeiten beginnen. 

Noch in diesem Jahr will Friedland in die Reparaturen der Grabstellen rund eine Million Kronen investieren. „In der ersten Etappe werden wir fünf von ihnen für fast 300.000 Kronen erneuern“, ergänzt der Bürgermeister von Frýdlant Dan Ramzer (ODS). 

Revitalisierung des Friedhofs in Friedland

„Die Stadt Friedland arbeitet seit 2021 an einem digitalen Friedhofskatalog. Nach und nach werden Nachweise über den tatsächlichen Zustand der einzelnen Gräber erstellt, einschließlich der Bezifferung der Reparaturkosten“, sagt Jan Mráz von der Abteilung für Immobilienverwaltung der Gemeinde. Die historischen deutschen Gräber sind hauptsächlich entlang der Friedhofsmauer und im zentralen Bereich des Friedhofs zu finden. „Derzeit haben wir bereits vier Teile der Datenerfassung abgeschlossen, zwei weitere werden in diesem Jahr durchgeführt, und die verbleibenden zwei werden bis 2025 bearbeitet“, fügt Mráz hinzu.

In den letzten zehn Jahren hat der Stadtfriedhof von Friedland eine bedeutende Revitalisierung erfahren.  „Das Letzte, was jetzt noch verschönert werden muss, sind die verlassenen deutschen Gräber, mit deren Pflege wir erst dieses Jahr endlich anfangen können“, sagte Bürgermeister Ramzer. Während der Übernahme der deutschen Gräber durch die Stadt meldeten sich nur zwei rechtmäßige Erben, die mit der Stadt nun einen Pachtvertrag abgeschlossen haben.

Größere Aufgabe für Gablonz

Gablonz übernahm zum Neujahr 800 Gräber der ursprünglichen deutschen Stadtbewohner, die dank des Vertrags der Freundschaft und gegenseitigen Zusammenarbeit zwischen der Tschechischen Republik und Deutschland rechtlich geschützt waren. „Diese Anzahl ist einzigartig in der ganzen Tschechischen Republik“, bestätigte die Sprecherin des Stadtamtes Jana Fričová.

Insgesamt befinden sich in Gablonz sieben Friedhöfe. Einige davon, zum Beispiel in Lukášov (Luxdorf) oder Mšeno (Grünwald), wurden bereits aufgelöst. Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs ist die Situation auf den Friedhöfen in Gablonz ungeordnet. Hunderte von Gräbern haben keinen Besitzer. Bislang wurden die Friedhöfe von einem privaten Bestattungsunternehmen verwaltet. Nun nahm sich die Stadt der Aufgabe an.  „Es war eine große Herausforderung, alle Dokumente für die Übernahme zusammenzustellen“, bestätigt Milan Bajer, der mit der Aufgabe beauftragt wurde. „Wir werden nun mit der Sanierung der wichtigsten oder am stärksten zerstörten Gräber beginnen“, sagte Bajer weiter.

Ein Ende der Sanierungsarbeiten ist nicht in Sicht

Viele der Gräber, die an die Geschichte der Stadt und ihre wichtigen Einwohner erinnern, befinden sich auch hier oft bei den Friedhofsmauern und können nicht leicht verlegt werden. „Die Stadt hat in der Vergangenheit in einige dieser Gräber oder Gruften investiert, wie zum Beispiel in das Grab von Bürgermeister Karl Fischer oder das Grab der Familie Pfeiffer-Kral“, bemerkt Bajer. 

Im Jahr 2021 richtete die Stadt auf ihrer Website eine Friedhofsplan-App (Mapa hřbitovů) ein, die beispielsweise eine Suche nach Vorfahren erleichtert. Die Lage der Gablonzer Friedhöfe wird auch in einer Ausstellung gezeigt, die das Haus der deutsch-tschechischen Verständigung gemeinsam mit der Stadt für den Herbst vorbereitet.  „Wenn Gablonz alle verlassenen Gräber sanieren wollte, könnte das bis zu 200 Jahre dauern“, schätzt Bajer. Hätte die Stadt die Gräber nicht rechtzeitig übernommen, würden sie nach dem neuen Bestattungsgesetz, das im Januar in Kraft trat, als vernachlässigtes Eigentum an den Staat übergehen. Der Staat könnte dann mit ihnen wirtschaften oder sie auch an neue Interessenten verkaufen. „Und das passiert auch oft“, bemerkte Bajer. 

Dieser beitrag erschien zuerst in der landesecho-ausgabe 2/2024

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