Das Goethe-Institut in Prag zeigt aktuell eine Ausstellung über die Widerstandsgruppe Weiße Rose. Mit dem LandesEcho sprach Hildegard Kronawitter, die erste Vorsitzende und ehrenamtliche Geschäftsführerin der Weiße Rose Stiftung, über die Bedeutung von historischer Aufarbeitung in der heutigen Zeit.

Das Goethe-Institut in Prag präsentiert seit dem 11. Mai 2026 in Zusammenarbeit mit der Weiße Rose Stiftung und der Organisation Antikomplex eine Ausstellung zur Widerstandsgruppe Weiße Rose. Diese agierte während des NS-Regimes von München aus und wurde hauptsächlich von Studierenden getragen, die über die Verteilung von Flugblättern Hitler kritisierten und zur Verteidigung von Freiheit und Menschenwürde aufriefen. Zu den bekanntesten Mitgliedern der Widerstandsbewegung gehörten Alexander Schmorell sowie die Geschwister Hans und Sophie Scholl. Sechs Mitglieder der Weißen Rose wurden 1943 zum Tode verurteilt und hingerichtet.

Bis Ende Juni erhalten Besucherinnen und Besucher einen Einblick in die einzelnen Geschichten der Mitglieder der Gruppierung. Der Eintritt ist frei.

Die Weiße Rose Stiftung wurde im Jahr 1987 von ehemaligen Verbündeten und Familienmitgliedern der Widerstandsgruppe gegründet und erinnert mit Ausstellungen, Veranstaltungen und pädagogischen Projekten an die Zeit während der nationalsozialistischen Diktatur. Seit 2009 ist Hildegard Kronawitter erste Vorsitzende und ehrenamtliche Geschäftsführerin der Stiftung. Mit dem LandesEcho sprach sie über die Aufklärungsarbeit der Weißen Rose Stiftung und die Ausstellung im Goethe-Institut in Prag.

In der Ausstellungen werden die historischen Ereignisse der Weißen Rose aufarbeitet.
In der Ausstellung werden die historischen Ereignisse der Weißen Rose aufarbeitet. Credit: Pavlína Jáchimová / Goethe-Institut

LE: Was hat Sie persönlich dazu bewegt, in der Weiße Rose Stiftung aktiv zu werden?

Ich interessiere mich seit meiner frühen Jugend sehr für Zeitgeschichte. Das bedeutete auch, den Blick auf die nationalsozialistische Diktatur zu richten und zu sehen, wie diese Diktatur funktioniert hat und was mit den Menschen passiert ist, die sich dagegen erhoben haben in Deutschland. Das ist in Verbindung mit der Stiftung eine interessengeleitete Aufgabe und motiviert mich immer wieder aufs Neue, weil wir feststellen können, dass die Erinnerung an die Weiße Rose gerade in unserer heutigen Zeit relevant ist. Vor allem ist es auch wichtig, jungen Menschen eine Zeit der Diktatur, Unterdrückung und einer schrecklichen, mörderischen Krise zu erklären, um aus der Vergangenheit zu lernen. Das finde ich heute sehr motivierend und wir freuen uns immer wieder, insbesondere jungen Menschen zu zeigen, dass man für Demokratie, für Freiheit und ein Miteinander einstehen muss.

LE: Welche Ziele verfolgt die Weiße Rose Stiftung heutzutage mit ihrer Arbeit?

Wir sind eine Nichtregierungsorganisation und wollen die Erinnerung an die Weiße Rose weitertragen. Die Botschaft, die wir vermitteln, besagt, sich für die Freiheit und die demokratische Verantwortung einzusetzen sowie Andersdenkende zu akzeptieren. Wir leisten diese Aufklärung zum einen mit Wanderausstellungen. In der Universität in München haben wir außerdem ein kleines Museum, welches die zentrale Anlaufstelle für Informationen über die Weiße Rose ist. Ausstellungen sind eben eine Möglichkeit, die Erzählungen und historischen Informationen nachzubereiten und den Diskurs auf heute zu beziehen.

LE: Was möchte die Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut mit dieser Ausstellung bewirken?

Wir arbeiten zusammen mit dem Goethe-Institut, um Schülerinnen und Schülern das Thema nahezubringen und mit ihnen über die Weiße Rose und die Situation einer Diktatur im eigenen Land zu diskutieren. Zugleich wollen wir zeigen, dass es eine moralische Haltung geben kann, die jungen Menschen in diesem Fall geboten wird, es mit der Unterdrückung aufzunehmen. Wir erleben, dass die Weiße Rose mit ihrem Handeln eine persönliche moralische Verantwortung zeigt, dass Menschen in einer extremen Unterdrückungssituation ihrer moralischen Verpflichtung trotzdem folgen und Widerstand leisten.

LE: Warum hat man sich dazu entschieden, die Ausstellung vor allem über persönliche Geschichten zu erzählen?

Ich denke, dass es im Ausland interessant zu erfahren ist, dass es in Deutschland selbst während der Diktatur kleine Gruppen gab, die sich zwar nicht untereinander vernetzen konnten, aber trotzdem Aufklärungsarbeit geleistet haben, obwohl sie wussten, dass sie mit dem Tode bezahlen müssten. Die großen Unterschiede zu heute sind, dass es heutzutage andere Medien gibt, die eine Gegenmeinung formulieren können. In dieser Diktatur ist das Flugblatt die einzige Möglichkeit, um in der Öffentlichkeit Menschen zu informieren. Über die Flugblätter wurden Menschen aufgeklärt, dass Hitlers Versprechen und Ankündigungen Lügen waren und der Krieg nicht gewonnen werden konnte. Außerdem stand auf den Flugblättern, dass die Ermordung jüdischer Menschen eine Menschheitsverletzung war. Dabei ist es interessant, diese Informationen mit historischen Beispielen zu verbinden und zusätzlich im Kontext der Geschichte einzuordnen.

Die Bilder der Mitglieder der Weißen Rose werden mit einer Erklärung der historischen Ereignisse unterstützt.
Die Bilder der Mitglieder der Weißen Rose werden mit einer Erklärung der historischen Ereignisse unterstützt. Credit: Pavlína Jáchimová / Goethe-Institut

LE: Welche Rolle kann eine solche Ausstellung zum politischen Widerstand im heutigen Kontext des immer stärker wachsenden Rechtsextremismus spielen?

Die Weiße Rose kann erklären, dass Menschen sich gegen Unterdrückung, Unfreiheit und Lügen äußern müssen. Von den Mitgliedern der Weißen Rose wurde gesagt, dass, wenn wir nicht handeln, wir uns selbst schuldig machen, weil wir zusehen. Heute muss man Informationen, die von der rechtsextremistischen Seite veröffentlicht werden, hinterfragen. Insbesondere jüngere Menschen müssen sich vergewissern, ob behauptete Tatsachen stimmen. Wir haben die Hoffnung, dass wir ihnen nicht nur Geschichte beibringen, sondern dass über die Vermittlung historischer Fakten Einsichten gewonnen werden, die auch die heutige Zeit betreffen.

LE: Worauf möchten Sie mit der Arbeit der Stiftung in den nächsten Jahren besonders hinwirken?

Wir sind alle nicht mit dem geschichtlichen Wissen geboren. Das muss man sich mit der Zeit aneignen und diese Informationen muss man bewerten können. Das weiterhin aufzuarbeiten, vor allem für junge Menschen, ist eine große Motivation unserer Stiftung.

Das Gespräch führte Lena Hänke

Mehr Informationen über die Ausstellung finden Sie hier.

Vom 11. Mai bis zum 30. Juni 2026 öffnet die Ausstellung zur Weißen Rose im Goethe Institut in Prag.
Vom 11. Mai bis zum 30. Juni 2026 öffnet die Ausstellung zur Weißen Rose im Goethe Institut in Prag. Credit: Goethe-Institut

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