Der Eingangsbereich des Prager Hauptbahnhofs soll ab 2028 neugestalztet werden. Die größte Änderung wird eine hölzerne Dachkontruktion, welche die Eingangshalle aus den 1970er Jahren ersetzen wird. Foto: PR

In dem Entwurf von Henning Larsen Architects, der am Montagabend in Prag vorgestellt wurde, soll die in den 1970er Jahren gebaute Eingangshalle durch eine hölzerne Dachkonstruktion ersetzt und der Platz vor dem Hauptbahnhof revitalisiert werden. Geplant ist außerdem eine neue Straßenbahnhaltestelle direkt vor dem Bahnhof. 2028 sollen die Arbeiten beginnen.

Prag fährt mit der Neugestaltung vieler öffentlicher Plätze fort. Nach der Revitalisierung des Wenzelsplatzes, die in den kommenden Jahren abgeschlossen werden soll, wartet nicht weit entfernt bald das nächste Großprojekt: die Neugestaltung des Prager Hauptbahnhofs. Genauer gesagt der in den Jahren 1972-1979 im Stil des Brutalismus gebauten Eingangshalle inklusive des davor liegenden Parks Vrchlického sady, der im Volksmund wohl aufgrund der dortigen etwas raueren Atmosphäre auch “Sherwood” genannt wird, in Anlehnung an “Sherwood Forest” in “Robin Hood”. 

Zur Neugestaltung der Eingangshalle sowie des Platzes vor dem Prager Hauptbahnhof war ein Architekturwettbewerb ausgeschrieben worden. Am Montagabend wurde der Siegerentwurf des dänischen Architekturbüros Henning Larsen Architects von Vertretern der Stadt Prag und der Eisenbahnverwaltung (SŽ) im Prager Zentrum für Architektur und Stadtplanung (CAMP) vorgestellt. Die Umgestaltung des Bahnhofs und des angrenzenden Parks soll im Jahr 2028 beginnen und rund zwei Milliarden Tschechische Kronen (ca. 82 Millionen Euro) kosten.

Hölzerne Dachkonstruktion und neue Tram-Haltestelle

Hauptbestandteil des Siegerentwurfs ist die Errichtung einer hölzernen Dachkonstruktion, welche die in den 1970er Jahren gebaute Abfertigungshalle ersetzen soll und künftig das historische Gebäude des Hauptbahnhofs mit dem Park Vrchlického sady verbinden wird. Unter der neuen Halle wird eine breite Treppe den Bahnhofsvorplatz mit der Ebene der Stadtautobahn verbinden. Dort soll ein Fußgängerübergang über die stark befahrene Straße zum historischen Bahnhofsgebäude geschaffen werden. Des Weiteren wird der Bahnhofsvorplatz umgestaltet, wo eine neue Straßenbahnhaltestelle entstehen soll. Die geplante neue Straßenbahnlinie führt vom Nationalmuseum über die Straßen Wilsonova und Washingtonova zum Hauptbahnhof und von da über die Opletalova zur Bolzanova.

Der Entwurf des dänischen Architekturbüros mit dem Titel „Št’astný Hlavák“ (dt. etwa „glücklicher Hauptbahnhof“) habe sich unter den drei Finalisten aufgrund der harmonischen Kombination von Architektur, Stadt- und Landschaftsplanung mit der Verkehrsfunktion durchgesetzt. „Obwohl der Entwurf ziemlich radikal erscheint, ist er gut mit der Prager Denkmalschutzzone umgegangen. Er bewahrt die historischen architektonischen Elemente, die er weiterentwickelt, und sieht gleichzeitig die Restaurierung und Wiederbelebung des Bereichs vor dem Fanta-Gebäude vor“, so der Architekt Jaroslav Wertig, welcher der Auswahlkommission vorsaß. Das historische Gebäude des Prager Hauptbahnhofs (damals Kaiser-Franz-Josef-Bahnhof) war zwischen 1901 und 1909 nach einem Entwurf des Architekten Josef Fanta gebaut worden.

„Unser Ziel ist es, dass der neue Bahnhof nicht nur ein nachhaltiger und funktionaler Mobilitätsknotenpunkt ist, sondern auch ein Teil des täglichen Lebens der Menschen wird und ein Ort, an dem sie sich treffen und Zeit verbringen“, sagte Jacob Kurek, Direktor für den globalen Markt des Siegerstudios.

Laut Petr Hlaváček (STAN), dem stellvertretenden Prager Bürgermeister für territoriale Entwicklung, wird der Vorschlag den heute eher unbeliebten Park in einen viel freundlicheren Ort verwandeln. „Außerdem fügt der Vorschlag eine Reihe neuer und attraktiver Elemente für die Besucher hinzu, wie zum Beispiel Wasserspiele oder Cafés im Freien“, sagte er.

Die Wettbewerbsbeiträge können bis zum 17. Dezember 2023 in einer Ausstellung im Zentrum für Architektur und Stadtplanung (CAMP) besichtigt werden.

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