Der Brünner Stadtrat hat sich am Dienstag mit dem bevorstehenden Sudetendeutschen Tag befasst, ohne jedoch eine klare politische Unterstützung auszusprechen: Weder soll die Veranstaltung aktiv unterstützt noch verhindert werden.
Ein Antrag der oppositionellen SPD (Freiheit und direkte Demokratie), das Treffen abzusagen und städtische Fördermittel für das Festival Meeting Brno zu streichen, fand keine Mehrheit. Ebenso scheiterte ein Vorstoß, dem Sudetendeutschen Tag ausdrücklich die Unterstützung der Stadt auszusprechen. Stattdessen bekräftigte die Ratsmehrheit die Fortsetzung des eingeschlagenen Versöhnungskurses, der auf der Erklärung von 2015 basiert.
Die Sitzung wurde von Protesten begleitet. Vor dem Rathaus versammelten sich sowohl Gegner als auch Befürworter der Veranstaltung. Während Kritiker vor einer Relativierung der Nachkriegsgeschichte warnten, plädierten Unterstützer für Dialog und Versöhnung. Auch im Sitzungssaal kam es zeitweise zu lautstarken Zwischenrufen.
Zu Beginn ergriff der Dramatiker und ehemalige tschechische Parlamentspräsident Milan Uhde das Wort, der zu den Unterstützern der Veranstaltung zählt und von den Abgeordneten zur Sitzung eingeladen worden war. Obwohl Uhde die Besatzungszeit miterlebt hatte und zu den „Kandidaten“ für die Deportation in ein Konzentrationslager gehörte, habe er nach eigenen Worten verstanden, dass das Böse, das über die böhmischen Länder hereingebrochen war, nicht vererbbar ist.
Zusammentreffen von Kritikern und Befürwortern
Befürworter des Treffens stellten vor allem den Dialoggedanken in den Mittelpunkt. In einer ergänzenden Resolution hoben Teile des Stadtrats hervor, dass eine offene Auseinandersetzung mit der gemeinsamen Geschichte sowie Versöhnungsbemühungen unterstützt werden sollten. Dabei verwiesen sie auch auf eine Erklärung der Sudetendeutschen Landsmannschaft, in der diese die Unverletzlichkeit der Beneš-Dekrete anerkennt, ihr Bedauern über NS-Verbrechen ausdrückt und Gesprächsbereitschaft signalisiert.
Kritische Stimmen begründeten ihre Anträge hingegen mit grundsätzlichen Vorbehalten gegenüber dem Treffen. Sie äußerten Zweifel an den Absichten der Veranstalter und warnten vor möglichen politischen Bestrebungen im Zusammenhang mit der Nachkriegsgeschichte. Entsprechend forderten sie sowohl eine Absage der Veranstaltung als auch die Streichung von Fördermitteln für das begleitende Festival. Die Stadt betonte jedoch, dass die bereits bewilligten Fördermittel für Meeting Brno nicht in direktem Zusammenhang mit dem Sudetendeutschen Tag stünden. Für die eigentliche Veranstaltung sind keine finanziellen Mittel aus dem Brünner Haushalt vorgesehen.
Appelle für Dialog und Verständigung
Oberbürgermeisterin Markéta Vaňková (ODS) sprach sich in einer persönlichen Stellungnahme abschließend für mehr gegenseitiges Verständnis aus und sicherte dem Sudetendeutschen Tag sowie Meeting Brno ihre volle Unterstützung zu. Historische Ereignisse ließen sich nicht als schwarz oder weiß einordnen. Entscheidend sei der Blick auf individuelle Verantwortung und die Suche nach Gemeinsamkeiten.
Auch David Macek, Mitbegründer des Festivals Meeting Brno, stellte in der Sitzung den Begegnungscharakter der Veranstaltung in den Vordergrund. Das Festival knüpfe an einen Prozess an, der vor mehr als einem Jahrzehnt mit der Brünner Versöhnungserklärung angestoßen worden sei, und solle Raum für persönlichen Austausch schaffen. Der Sudetendeutsche Tag findet vom 22. bis 25. Mai auf dem Brünner Messegelände statt und wird erstmals in Tschechien ausgerichtet.
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