Unsere LandesBloggerin Eliška kommt ursprünglich aus der Nähe von Prag, hat sich jedoch für Passau als ihren Studienort entschieden. Wie ist es aus tschechischer Perspektive, in Deutschland zu studieren, welche kulturellen Events gibt es in Passau und ist die Drei-Flüsse-Stadt wirklich eine Traumstadt für Studenten? 

In wenigen Wochen feiert Tschechien das 20-jährige Jubiläum seiner Mitgliedschaft in der Europäischen Union. Der EU-Beitritt war ein Meilenstein, der viele Vorteile mit sich brachte. Einer davon war, dass es dank Programmen wie Erasmus+ einfacher  wurde, im Ausland zu studieren. Mit dem Erasmus-Programm fördert die EU das Lernen und Studieren im Ausland innerhalb ihrer Mitgliedstaaten. Ein Auslandsstudium, was früher fast unvorstellbar war, ist heutzutage zur Normalität geworden und kann beispielsweise dazu beitragen, die eigenen Horizonte zu erweitern und berufsbezogene Erfahrungen zu sammeln. 

Wie alle anderen Abiturienten im letzten Jahr des Gymnasiums stand ich ebenfalls vor der wichtigen Entscheidung: Wohin geht es jetzt weiter? Wegen meiner tschechischen Herkunft dachte ich zunächst daran, mein Studium in Prag zu beginnen. Doch nachdem ich während meiner Schulzeit ein Jahr an einem Wiener Gymnasium verbracht hatte, war mir der Gedanke, in einem der deutschsprachigen Länder mein Studium fortzusetzen, nicht mehr so fremd. Auf einer Messe der bayerischen Universitäten, die jährlich an der Deutschen Schule in Prag stattfindet, erfuhr ich von der Universität Passau. Zuvor hatte ich nicht viel von der Stadt gehört, aber der Studiengang Journalistik und Strategische Kommunikation weckte sofort mein Interesse. Aufgrund der anhaltenden Corona-Pandemie hatte ich vor dem Studienbeginn nicht die Gelegenheit, die Drei-Flüsse-Stadt Passau zu besuchen. Doch die Tatsache, dass Passau eine wunderschöne Stadt ist, verstärkte meine Entscheidung, mich für diese Universität in Bayern zu entscheiden. 

Studentenleben anders

Als ich im Herbst 2020 mein Studium begann, war die weltweite Corona-Situation leider noch immer präsent. Die ersten drei Semester fanden größtenteils online statt, was zwar einige Erlebnisse einschränkte, aber dennoch ermöglichte, neue Freundschaften zu knüpfen. Den Großteil unserer Zeit verbrachten wir jedoch zu Hause vor dem Bildschirm, da wir uns die Vorlesungen als Video ansahen. Oft stellten wir uns die Frage, wann wir endlich die Universität persönlich erkunden und unsere Professoren auch außerhalb des virtuellen Raums kennenlernen könnten. Der Studienstart verlief daher leider anders als erwartet. Nach anderthalb Jahren war es aber soweit und als sich die Corona-Situation im Frühling 2022 allmählich verbesserte, genossen wir mehr auch das Passauer Studentenleben. 

Zu dieser Zeit waren meine tschechische Mitbewohnerin und ich auf der Suche nach anderen tschechischsprachigen Studierenden. Deshalb gründeten wir an der Universität Passau eine deutsch-slowakisch-tschechische Hochschulgruppe namens Communitas Bohemica, um den deutschen und internationalen Studierenden die tschechische bzw. slowakische Geschichte und Kultur näherzubringen. Zu unseren bisher gelungensten Veranstaltungen der Hochschulgruppe gehören unter anderem “MasterCzech”, wo man in der Gruppe einen eigenen “chlebíček” basteln konnte, oder “Czech it out”, eine Schnitzeljagd auf dem Uni-Campus mit Aufgaben und Rätseln zur tschechischen Kultur, Geschichte, Essgewohnheiten oder Sport. 

Teilnehmer der Schnitzeljagd zu tschechischen Themen auf dem Campus der Universität Passau, veranstaltet von Communitas Bohemica im Sommersemester 2023. Foto: privat
Teilnehmer der Schnitzeljagd zu tschechischen Themen auf dem Campus der Universität Passau, veranstaltet von Communitas Bohemica im Sommersemester 2023. Foto: privat

Zu guter Letzt gab es eine Veranstaltung namens “Die Samtene Revolution – was war das nochmal?”, bei der meine Freunde und ich die wichtigsten Ereignisse und Persönlichkeiten aus dem Revolutionsjahr 1989 besprochen haben. Meine tschechischen Freunde waren ein unverzichtbarer Teil in Passau und ich bin froh, dass ich stets ein Stück Heimat bei mir haben konnte. 

Im Rahmen der Veranstaltung von Communitas Bohemica diskutierten die Studenten über die Samtene Revolution. Foto: Johanna Pesendorfer
Im Rahmen der Veranstaltung von Communitas Bohemica diskutierten die Studenten über die Samtene Revolution. Foto: Johanna Pesendorfer

Passau im Sommersemester: Studium oder Urlaub?

Das Sommersemester fühlte sich tatsächlich oft wie ein Urlaub an. An der Universität Passau beginnt das Sommersemester in der Regel Mitte April und läuft Ende Juli aus, gefolgt von der Prüfungsphase. Das bedeutet, dass man viel von dem schönen Wetter, das in Passau zu dieser Zeit herrscht, nur aus Hörsälen, Seminarräumen oder aus der Bibliothek mitbekommt. Doch am Nachmittag oder am Wochenende, wenn gerade keine Klausur oder wichtige Aufgaben anstehen, kann der Urlaub in Passau beginnen. 

Ich verbrachte die meiste Zeit mit meinen Freunden auf der Innwiese, auf einer Grünanlage auf dem Campus der Universität, wo man vom Redenhalten über Bier-Pong-Spielen bis hin zum Grillen alles Mögliche treiben kann. In Passau fließen drei Flüsse zusammen – die Donau, der Inn und die Ilz. Besonders am Letztgenannten ist der Zugang zum Wasser am besten, sodass man dort im Sommer gut baden kann. Der schöne Stausee Oberilzmühle ist außerdem sowohl mit dem Auto als auch mit dem Fahrrad oder bei einem längeren Spaziergang erreichbar. Nach einem langen Unitag baden zu gehen, war nie eine falsche Entscheidung. 

Die Innwiese – eine Grünfläche auf dem Campus der Universität Passau, die bei schönem Wetter von Studenten gerne genutzt wird, um sich zu treffen, zu grillen oder verschiedene Spiele zu spielen. Foto: Eliška Kordová
Die Innwiese – eine Grünfläche auf dem Campus der Universität Passau, die bei schönem Wetter von Studenten gerne genutzt wird, um sich zu treffen, zu grillen oder verschiedene Spiele zu spielen. Foto: Eliška Kordová

An kulturellen Veranstaltungen mangelt es in Passau nicht. Maidult und Herbstdult, die Volksfeste Ostbayerns, gehören zu den Klassikern, wo ich selbst zum ersten Mal die bayerische Kultur richtig kennenlernen durfte und mir sogar ein Dirndl besorgte. Bei der Kunstnacht im Juli läuft man durch die ganze Stadt, lauscht der Musik und beobachtet verschiedenste Künstler in Aktion. Bootspartys sind ebenfalls bei den Studenten sehr beliebt, und bei einigen legen sogar die Dozenten auf.  Ein besonderes Erlebnis bietet auch das Brückenfest. Während dieses zweitägigen Festivals wird die Luitpold-Brücke über die Donau, von wo man einen schönen Ausblick auf die Veste Oberhaus einerseits und die Altstadt mit dem Stephansdom andererseits hat, für den Verkehr geschlossen. Man genießt dann die Musik, kann tanzen oder sich mit anderen Besuchern unterhalten. Wenn ihr mal nach Passau kommt, empfehle ich euch, zumindest an einem dieser Events teilzunehmen und die lebendige Atmosphäre in Passau zu erleben. 

Passau ist eine Studentenstadt, da von den 50.000 Einwohnern etwa 11.000 Studenten sind. Auf dem Campus oder in seiner Nähe trifft man ständig auf Studenten, und je länger man in Passau studiert, desto öfter grüßt man überall seine Freunde. Es gibt immer jemanden, der jemanden kennt und dieser wiederum kennt jemanden, der mich kennt oder ich ihn (gefühlt kennt sich jeder). Man steht immer im Mittelpunkt des Geschehens und es entgeht einem kaum etwas. Das Studium in Passau eröffnete mir aber neue Perspektiven und Möglichkeiten. Obwohl ich mit der deutschen Sprache manchmal Schwierigkeiten hatte, war jeder Aufwand es wert. Passau ist eine empfehlenswerte Stadt und auch wenn ihr gerade nicht vorhabt, in Passau zu studieren, lohnt es sich zumindest, einen Tagesausflug in die Drei-Flüsse-Stadt Passau zu unternehmen. Ich kann euch versprechen, ihr werdet es nicht bereuen. 

Über andere wiederkehrende Kulturveranstaltungen, die in Passau stattfinden, könnt ihr hier mehr erfahren. 


Liebe Leserinnen und Leser,
mein Name ist Eliška Kordová, und seit April absolviere ich ein dreimonatiges Vollzeitpraktikum beim LandesEcho in Prag. Vor kurzem habe ich mein Journalistik-Studium an der Universität Passau abgeschlossen und bevor es mit dem Masterstudium weitergeht, wollte ich zusätzlich Praxiserfahrungen sammeln. Da ich ursprünglich aus Tschechien komme und in Deutschland studiert habe, finde ich es sehr interessant, diese zwei Perspektiven hier in der deutschen Redaktion zu verbinden. Meine Interessen liegen im Bereich Sport, Kultur, Politik, gesellschaftliche Themen sowie in der Verbindung tschechischer und deutscher Kultur. Deshalb habe ich während meines Studiums mit meinen Kommilitonen eine Hochschulgruppe gegründet, die sich zum Ziel setzt, nicht nur den deutschen Studierenden der Universität Passau, die tschechische und auch slowakische Kultur näherzubringen. Ich freue mich darauf, interessante und spannende Themen zu besprechen.

Werden Sie noch heute LandesECHO-Leser.

Mit einem Abo des LandesECHO sind Sie immer auf dem Laufenden, was sich in den deutsch-tschechischen Beziehungen tut - in Politik, Gesellschaft, Wirtschaft oder Kultur. Sie unterstützen eine unabhängige, nichtkommerzielle und meinungsfreudige Zeitschrift. Außerdem erfahren Sie mehr über die deutsche Minderheit, ihre Geschichte und ihr Leben in der Tschechischen Republik. Für weitere Informationen klicken Sie hier.