Tschechiens Präsident Zeman keilt gern gegen Journalisten. Jetzt hat er es übertrieben.

Von einem Präsidenten-Interview träumen viele politische Journalisten. In Tschechien verursacht das eher Alpträume. Präsident Miloš Zeman hält Journalisten per se für „Dummköpfe", „Hyänen" oder eine „Schande". Kurzum für völlig überflüssig. Dementsprechend teilt er häufig gegen sie aus. Selbst bei der feierlichen Einführung in seine zwei Amtszeiten schoss er verbale Breitseiten gegen den von ihm gehassten Berufsstand. Die Tschechen haben sich daran gewöhnt. Für sie gehörte das schon zur üblichen „Folklore" von der Prager Burg.

Am vergangenen Wochenende hat es der 76-jährige Staatschef aber derart übertrieben, dass er dafür einen kollektiven Shitstorm erntete. Zeman nahm im Fernsehen nach einer ganzen Woche tiefen Schweigens erstmals zum aktuellen diplomatischen Zerwürfnis zwischen Prag und Moskau Stellung. Der Streit, begleitet von gegenseitigen Ausweisungen von Botschaftsangehörigen, entzündete sich an Belegen einheimischer Sicherheitsorgane für die Verwicklung russischer Militärspione in die Explosion eines tschechischen Munitionsdepots 2014.

Zeman ist zwar ein erklärter Putin-Freund. Im konkreten Fall, so hieß es über Tage, stehe er jedoch zu den Konsequenzen, die die Prager Regierung gezogen hatte. Dass er nun Russland mehr oder weniger verteidigte, kam denn für viele Zuschauer und für die Moderatorin schon überraschend.

Die renommierte TV-Interviewerin Terezie Tománková tat das einzig Richtige: Sie fragte detailliert nach, zum Leidwesen Zemans. Dafür musste sie eine Flut von Belehrungen und regelrechten Beleidigungen seitens des Präsidenten ertragen: „Sie haben mir schlecht zugehört!", „Sitzen Sie auf Ihren Ohren?", „Sie sind aber heute in schlechter Form!" oder „Jetzt erkläre ich es Ihnen zum fünften und letzten Mal". Der Gipfel war die üble sexistische Bemerkung: „Sie sind zwar hübsch, aber das verstehen Sie schlicht nicht". Tománková blieb davon unbeeindruckt, aus – wie sie später sagte – „Respekt gegenüber dem Präsidenten und seinen Wählern".

Jetzt ist für viele Tschechen das Maß voll. Erstmals in der Ära Zeman schreiben auch früher gutwillige Kommentatoren von einer „beispiellosen Schande". Prag erwartet in dieser Woche mehrere Anti-Zeman-Demos.