Ein kürzlich in der Staatsbibliothek zu Berlin entdecktes 500 Jahre altes Buch könnte die Herkunft manch eines Ortes im Riesengebirge klären.

Die Entdeckung der „Kniha Vlachů“ (etwa: Buch der Romanen), hat unter Historikern für Aufsehen gesorgt. Bis zum Fund des Buches stammten die ältesten Quellen mit Beschreibungen des Riesengebirges (Krkonoše) und ihrer Einwohner aus der Mitte des 16. Jahrhunderts. Dank des Funds kann nun nachgewiesen werden, dass sich schon im 15. Jahrhundert Menschen aus dem romanischsprachigen Raum in das Riesengebirge (Krkonoše) begaben, um nach kostbaren Edelmetallen und Mineralien zu suchen. Es handelt sich um eine ganz wesentliche Entdeckung, über die ich auch persönlich höchst erfreut bin, äußerte sich Pavel Zahradník, Archivar des Staatsbezirksarchivs Trautenau (Státní okresní archiv v Trutnově) gegenüber dem Tschechischen Fernsehen. Dem Archiv ist es gelungen, eine Kopie des Buches zu beschaffen, damit es Historiker untersuchen können.

Von unbekannten Orten zu magischen Formeln

Die „Kniha Vlachů“ ist in zwei Teile unterteilt. Der erste Abschnitt ist in deutscher Sprache verfasst und enthält Beschreibungen des Riesengebirges, vor allem dessen schlesischen Teils. Das Buch enthält außerdem die bislang ältesten bekannten Bezeichnungen der Umgebung, wodurch sich die Herkunft einiger Ortsnamen nachvollziehen lässt. Des Weiteren sind auch historische Karten der Gegend enthalten, die einen Vergleich zwischen der damaligen und heutigen Landschaft zulassen. Manche der im Buch genannten Orte lassen sich heute noch besuchen. Auch eine Reise, die in dem Buch beschrieben wird, kann fast genauso nachvollzogen werden. Sie beginnt im polnischen Hirschberg (Jelenia Góra) und endet im polnischen Schreiberhau (Szklarska Poręba).

Der zweite Teil des Buches ist in Latein verfasst. Es ist noch nicht ganz klar, was genau dessen Inhalt ist. Forscher sind sich jedoch nach ersten Begutachtungen sicher, dass dieser Teil alchimistische und magische Texte enthält.

Als Urheber des Buches wird Antonio Vale angenommen, da er sich zu Beginn als Autor angibt. Laut Zahradník vom Staatsbezirksarchiv Trautenau sei dieser Bürger von Preßburg (Bratislava) gewesen und habe eine ganze Reihe alchemistischer Texte verfasst. Aufgrund der Zweisprachigkeit des Buches ist es jedoch nicht ausgeschlossen, dass mehrere Autoren an dem Buch arbeiteten.

Das Staatsbezirksarchiv Trautenau plant, die „Kniha Vlachů“ ins Tschechische zu übersetzen und einen Auszug aus den alchemistischen Texten herauszugeben. Eine solche Ausgabe könnte schon im nächsten Jahr erscheinen.