Im Gebäude der Philosophischen Fakultät an der Karls-Universität im Zentrum von Prag kam es am Donnerstagnachmittag zu einer Schießerei. Nach Angaben von Polizei und Rettungskräften gibt es 14 Todesopfer und mehrere Verletzte. Auch der Schütze soll tot sein.

+++ Aktualisiert um 21:30 +++

Bei einem Attentat im Gebäude der Philosophischen Fakultät der Prager Karls-Universität am Donnerstagnachmittag kamen 14 Menschen ums Leben, weitere 25 wurden schwer verletzt, wie Polizeipräsident Martin Vondráček am Abend vor der Presse mitteilte. Zuvor war von 15 Todesopfern die Rede.

Nach seiner Bluttat soll sich der Schütze selbst gerichtet haben, wie die Polizei mitteilte. Bei dem mutmaßlichen Täter handelt es sich um einen 24-Jährigen aus Hostau (Hostouň) im Kreis Kladno, der auch an der Philosophischen Fakultät der Karls-Universität studierte.

Der Jan-Palach-Platz wurde großräumig abgesperrt und der Verkehr um den Platz herum umgeleitet. Anwohner wurden gebeten, ihre Häuser nicht zu verlassen. Bis zum Abend lief der Großeinsatz von Polizei und Rettungskräften. Das Gebäude der Philosophischen Fakultät wurde evakuiert.

Täter soll Attentat angekündigt haben

Wie Polizeipräsident Martin Vondráček mitteilte, soll es sich bei dem mutmaßlichen Täter um einen 24-jährigen Studenten handeln, der am Morgen in Hostau auch seinen Vater getötet haben soll. Nach einem Bericht der Zeitung Hospodářské noviny soll der junge Mann seine Tat auf dem Kurznachrichtendienst Telegram angekündigt haben. Wie Vondráček sagte, erhielt die Polizei kurz nach Mittag entsprechende Informationen über die geplante Gewalttat. Da der Student und mutmaßliche Täter um 14 Uhr eine Vorlesung in einem Gebäude der Karls-Universität in der Celetná-Straße haben sollte, sei dieses Gebäude vorsorglich evakuiert worden. Zur Schießerei kam es dann schließlich in dem Gebäude am Jan-Palach-Platz.

Wie Hospodářské noviny weiter berichtete, soll der mutmaßliche Täter von ähnlichen Attentaten in Russland inspiriert worden sein, was auch Polizeipräsident Martin Vondrášek bestätigte. Er fügte hinzu, dass die Informationen aus einem sozialen Netzwerk stammen und weiter untersucht werden. Der Täter soll im Besitz mehrerer legaler Waffen gewesen sein.

Polizeipräsident: Täter soll auch für Morde vergangene Woche verantwortlich sein

In einem weiteren Auftritt vor der Presse am Donnerstagabend teilte Polizeipräsident Vondráček mit, dass man aktuell mit der Version arbeite, dass der Schütze auch für die Morde in der vergangenen Woche im Klanovický les im Osten von Prag verantwortlich sein soll. Nachdem eine Zeugin Schüsse gehört hatte, fand die Polizei vergangenen Freitag die Leichen eines 32-jährigen Mannes und seiner zwei Monate alten Tochter. Der Täter konnte bisher nicht gefasst werden. Unklar ist noch, in welcher Verbindung die Morde stehen. Laut Vondráček handle es sich bei den Toten im Klanovický les wahrscheinlich um Zufallsopfer.

Studenten und Lehrkräfte verbarrikadierten sich auf Anweisung der Polizei im Gebäude

Der mutmaßliche Schütze soll sich Zugang zum Hauptgebäude der Philosophischen Fakultät am Jan-Palach-Platz verschafft haben und bis zum Dach vorgedrungen sein. Augenzeugen berichteten von mehreren Schüssen und einer Explosion auf dem Dach der Fakultät.

„Ich sah einen jungen Mann auf der Galerie der Philosophischen Fakultät stehen, der ein Gewehr, eine Art Maschinengewehr, in der Hand hielt und auf die Mánes-Brücke schoss. Er schoss wiederholt und mit einiger Verzögerung. Dann sah ich, wie er schoss, die Hände hob und das Gewehr von der Galerie auf die Straße warf. Sie blieb auf dem Fußgängerüberweg liegen“, sagte Petr Nedoma, Direktor der Galerie Rudolfinum am Jan-Palach-Platz, gegenüber ČT24.

Studenten und Lehrkräfte sollen sich auf Anweisung der Polizei über Stunden hinweg in Hörsälen und Büros verbarrikadiert haben, manche kletterten aus dem Fenster oder flüchteten auf das Dach des Gebäudes, um sich zu verstecken. Einige teilten ihre Situation über „X“ oder andere Soziale Medien mit der Öffentlichkeit. So zum Beispiel Jakob Weizmann: „Wir haben die Tür verschlossen, bevor der Schütze versuchte, sie zu öffnen“, schrieb er auf X und postete dazu ein Foto von der verbarrikadierten Tür.

Wohl kein Akt des Terrorismus

Präsident Petr Pavel drückte den Familien und Angehörigen der Opfer sein tiefes Bedauern und aufrichtiges Beileid aus. Außerdem dankte er den Bürgern dafür, dass sie die Anweisungen der Sicherheitskräfte befolgt haben. Gleichzeitig teilte das Präsidialamt mit, dass Pavel bald von einer Dienstreise aus Frankreich zurückkehren werde. Sobald er in die Tschechische Republik zurückkehrt, werde er sich mit den staatlichen Sicherheitskräften treffen.

Tschechiens Premierminister Petr Fiala (ODS) sprach während einer Pressekonferenz am Donnerstagabend den Angehörigen und Freunden aller Opfer sein Beileid aus und wünschte den Verletzten eine rasche Genesung. „Viele Leben, vor allem von jungen Menschen, sind unnötig verloren gegangen und es gibt keine Rechtfertigung für diese schreckliche Tat“, sagte er.

„Zum jetzigen Zeitpunkt scheint es sich um die Tat eines einsamen Schützen zu handeln, der nun verstorben ist. Es handelt sich also nicht um einen Akt des internationalen Terrorismus oder einer organisierten Gruppe. Mir wurde versichert, dass die Sicherheitskräfte die Situation vollständig unter Kontrolle haben und keine weitere Gefahr für die Bürger der Tschechischen Republik besteht“, führte Fiala weiter aus.

Werden Sie noch heute LandesECHO-Leser.

Mit einem Abo des LandesECHO sind Sie immer auf dem Laufenden, was sich in den deutsch-tschechischen Beziehungen tut - in Politik, Gesellschaft, Wirtschaft oder Kultur. Sie unterstützen eine unabhängige, nichtkommerzielle und meinungsfreudige Zeitschrift. Außerdem erfahren Sie mehr über die deutsche Minderheit, ihre Geschichte und ihr Leben in der Tschechischen Republik. Für weitere Informationen klicken SIe hier.