An der Prager Grundschule der deutsch-tschechischen Verständigung trafen sich Kinder und Senioren zum generationsübergreifenden Austausch – mit Liedern, Kuchen und Geschichten von früher.
Am Mittwochmorgen, den 2. April, begrüßten die Viertklässler der Grundschule der deutsch-tschechischen Verständigung in Prag, Senioren aus dem Seniorenheim Ďáblice bei sich in der Schule. Bei harmonischer Klaviermusik und selbstgebackenem Kuchen, der sowohl der jungen als auch der alten Generation sehr gut schmeckte, kamen die Schüler mit ihren „Großeltern“ ins Gespräch. Dabei kümmerte sich jeweils eine Gruppe von vier bis fünf Kindern um einen Senioren. Bereits vor der Abschlussveranstaltung des Projekts „Reminiszenz“ trafen sich die beiden Generationen schon zweimal. Beim ersten Treffen vor einigen Wochen hatten sich die Schüler und die Senioren erst einmal kennengelernt. Die Schüler stellten den Senioren Fragen über ihr Leben und recherchierten selbstständig nach Informationen und Bildern, die sich über die Senioren und über frühere Zeiten im Internet finden ließen. Beim zweiten Treffen bastelten die Kinder gemeinsam mit den Senioren bunte Plakate, auf denen sich die Kinder mit dem Leben der Senioren auseinander setzen. „Es ist wichtig, dass die Senioren mit-helfen beim Schneiden, Kleben und Schreiben. Es geht darum, sie zu motivieren, ihnen zuzuhören und eine Rolle zu geben, in der sie wichtig sind“, so Schulleiterin Hana Nápravníková.
Präsentation der Plakate und emotionale Momente
Die dritte „Reminiszenz“-Veranstaltung vergangenen Mittwoch, bei der die Schüler den Senioren ihre fertigen Plakate präsentierten, bildete den Abschluss. Ziel des Projekts war es zum einen, die Senioren mit positiven Kindheitserinnerungen zu erfüllen. Zum anderen sollte das Projekt die Kommunikationsfähigkeit der älteren Menschen verbessern. Auch die Schüler lernten viel. „Alles, was damals war, ist für die Kinder total interessant. Und dann kam diese Idee zustande, das Ganze zu verbinden und diese Gespräche zwischen den Generationen weiterzuführen“, verriet die Schulleiterin.

Seit zwölf Jahren gibt es das generationsübergreifende Projekt bereits. Eine von den fünf teilnehmenden Senioren war Milena Šimončíková. Sie wird dieses Jahr 90 Jahre alt und musste den Verlust ihrer beiden Kinder erleben. Deshalb ist ihr die Beziehung zu den Schülern besonders wertvoll: „Es hat mir sehr gefallen, wie schön die Kinder hier alles vorbereitet haben. Aber auch die anderen beiden Treffen, bei denen ich die Kinder zum ersten Mal kennenlernen durfte, und wir zusammen Plakate gestaltet haben, waren sehr schön.“ Die Lieder, wie beispielsweise „Tam u nebeských bran“ von Michal Tučný, die zum Abschluss der Veranstaltung von den Schülern für die Senioren gesungen wurden, rührten sie zu Tränen. Andere Senioren klatschten bei den Liedern eifrig mit. „Genau das ist für mich das Schönste und Wichtigste, wenn die Senioren bei dem Treffen klatschen und ihre Augen strahlen“, sagte Schulleiterin Nápravníková. Viele Schülergruppen zeigten anschließend ihrer „Oma“ oder ihrem „Opa“ noch ihr Klassenzimmer, bevor es an der Zeit war, Abschied zu nehmen.