Mit einer gläsernen Kapsel voller Quellwasser wandert die Moldau-Stafette seit Juli von der Quelle im Böhmerwald bis nach Prag. Am 4. September erreicht sie ihr Ziel: die Eröffnungfeier der großen Ausstellung „VLTAVA – Famed & Flowing“ in der Reithalle der Prager Burg.
Hoch über den Dächern von Böhmisch Krumau (Český Krumlov) balanciert ein Akrobat im weißen Engelsgewand über die Moldau (Vltava). Das 250 Meter lange Seil ist in 70 Metern Höhe gespannt und verbindet den Kirchturm der St.-Veits-Kirche mit dem Burgturm der Schlossanlage. Die eindrucksvolle Performance ist Teil der „Moldau-Stafette“ (Vltavská štafeta), die derzeit entlang des längsten Flusses Tschechiens für Aufsehen sorgt. Die Moldau-Stafette bildet den Auftakt zum groß angelegten Projekt „The VLTAVA slavná & splavná“ (engl. VLTAVA – Famed & Flowing), das vom Nationalen Denkmalinstitut organisiert wird. Anlass ist der 150. Jahrestag der Uraufführung von Bedřich Smetanas sinfonischer Dichtung „Die Moldau“. Das Projekt würdigt die kulturelle und nationale Bedeutung des Flusses für Tschechien mit einer großen Ausstellung ab dem 4. September in Prag.

Moldau-Route im Fokus
Wenn die Kapsel am 4. September ihr Ziel, die Reithalle der Prager Burg erreicht, wird Eva Pavlová, die Ehefrau des tschechischen Staatspräsidenten, das Wasser in ein gläsernes „Herz der Moldau“ gießen und die Ausstellung „VLTAVA – Famed & Flowing“ feierlich eröffnen. Die Ausstellung vereint erstmals in diesem Umfang und dieser Vielfalt Kunstwerke, historische Dokumente und Denkmäler, die mit dem Fluss verbunden sind. Zu sehen ist sie bis zum 4. Januar 2026. Ziel der Moldau-Stafette ist es nicht nur, auf die Ausstellung hinzuweisen, sondern auch die sogenannte „Moldau-Route“ als kulturellen Pfad entlang bedeutender Natur- und Kulturerbestätten zu etablieren. Viele davon werden direkt vom Nationalen Denkmalinstitut betreut, etwa die Burgen Rosenberg (Rožmberk) und Klingenburg (Zvíkov), das Schloss Krumau oder das Kloster Goldenkron (Zlatá Koruna). Die Moldau soll als europäische Kulturroute etabliert werden und so auch den Kulturtourismus in der Region stärken.
Von der Moldau-Quelle bis zur Prager Burg
Gestartet ist die Stafette am 1. Juli an der Quelle der Moldau im Biosphärenreservat Böhmerwald (Šumava). Seitdem wird eine gläserne Kapsel, gefüllt mit Wasser aus der Quelle, wie eine olympische Fackel von Hand zu Hand weitergereicht. Dabei spielt es keine Rolle, ob dies zu Fuß, per Fahrrad, Bahn oder Boot geschieht. Mehr als 100 Menschen nehmen an der „Quellwasserübergabe“ teil, darunter Schlossverwalter, Pfadfinder, Olympioniken oder Feuerwehrleute. Die Route führt durch rund 40 symbolträchtige Orte entlang des Flusses, darunter auch Böhmisch Krumau, wo die artistische Einlage des Engels stattfand. Jeder Halt steht in Verbindung mit einem bestimmten Symbol in der geplanten Ausstellung – durch Gemälde, Skulpturen, Fotografien oder archäologische Funde. In allen Stationen der Stafette finden zudem begleitende Veranstaltungen statt. Konzerte, Theateraufführungen, Ausstellungen oder Führungen werden in Zusammenarbeit mit Städten, Gemeinden und lokalen Vereinen angeboten.