Der deutsch-tschechische Politiker und Menschenrechtsaktivist Milan Horáček ist Ende April in Prag mit der Goldenen Verdienstmedaille der Landesgruppe Bayern in der Sudetendeutschen Landsmannschaft ausgezeichnet worden. Die Ehrung würdigt sein langjähriges Engagement für Menschenrechte sowie für die Verständigung zwischen Sudetendeutschen und Tschechen.

Die Auszeichnung wurde am Montag, den 27. April, im Rahmen einer Veranstaltung im Prager Café Slavia überreicht, an der nach Angaben der Organisatoren mehr als vierzig Persönlichkeiten aus Politik und Gesellschaft teilnahmen. Unter den Gästen befand sich unter anderem Peter Reuss, der deutsche Botschafter in Prag.

Steffen Hörtler, Landesobmann der Sudetendeutschen Landsmannschaft Bayern, betonte, Horáček sei „ein unermüdlicher Kämpfer für die Menschenrechte“, der sich seit vielen Jahren für die Verständigung zwischen Sudetendeutschen und Tschechen eingesetzt habe. Sein Einsatz für Dialog, Versöhnung und gegenseitiges Vertrauen habe maßgeblich dazu beigetragen, Brücken zu bauen und eine gemeinsame Zukunft in Respekt und Partnerschaft zu stärken.

Gründungsmitglied der Grünen

Milan Horáček, 1946 im nordmährischen Groß Ullersdorf (Velké Losiny) geboren, gehört zu den prägenden Persönlichkeiten des deutsch-tschechischen Dialogs nach 1989. Zwischen 1965 und 1967 wurde der gelernte Elektromonteur vom kommunistischen Regime als „politisch unzuverlässig“ eingestuft und war zeitweise inhaftiert. Nach der Niederschlagung des Prager Frühlings emigrierte er 1968 nach Westdeutschland. Dort engagierte er sich zunächst in der Bürgerrechtsbewegung und war später Mitbegründer der deutschen Grünen. Von 1983 bis 1985 gehörte er dem Deutschen Bundestag an.

Von Deutschland aus organisierte Horáček zahlreiche politische Aktionen zur Unterstützung von Dissidentinnen und Dissidenten und war Herausgeber von Exilzeitschriften und Samisdat.

Nach der Wende kehrte Horáček nach Prag zurück und leitete dort bis 2004 die Heinrich-Böll-Stiftung. Von 2004 bis 2009 saß er für Bündnis 90/Die Grünen im Europäischen Parlament, wo er sich insbesondere mit Fragen der Außenpolitik, der Menschenrechte und der europäischen Integration befasste.

Vermittler zwischen Deutschen und Tschechen

Auch nach seinem Ausscheiden aus der aktiven Politik blieb Horáček im zivilgesellschaftlichen Bereich engagiert. Immer wieder tritt er als Vermittler zwischen deutschen und tschechischen Akteuren auf und setzt sich für eine kritische, zugleich aber versöhnungsorientierte Auseinandersetzung mit der gemeinsamen Geschichte ein. Seit 2014 gehört Horaček dem Präsidium des Bunds der Vertriebenen an.

Mit der Verleihung der Goldenen Verdienstmedaille würdigt die Sudetendeutsche Landsmannschaft Bayern sein jahrzehntelanges Engagement. Die Ehrung reiht sich ein in eine Vielzahl von Auszeichnungen, die Horáček für seinen Einsatz im Bereich der Menschenrechte und der internationalen Verständigung erhalten hat.

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