Im März wurde Patrik Lompart an die Spitze des Karpatendeutschen Vereins gewählt.
Im Interview mit Katrin Litschko, der Chefredakteurin des Karpatenblatts, dem Magazin der Deutschen in der Slowakei, gab der neue Vorsitzende Einblicke in seine Pläne und Visionen für die Zukunft.
KB: Neben Ihrem Engagement für den Karpatendeutschen Verein sind Sie beruflich als Grundschullehrer tätig. Welche Bedeutung hat für Sie die Arbeit mit dem Nachwuchs?
Seit 2020 arbeite ich als Lehrer an der Grundschule der deutschen Minderheit in Kesmark (Kežmarok). Die Arbeit mit dem Nachwuchs ist für mich von großer Bedeutung, da ich täglich miterleben kann, wie Kinder nicht nur ihre sprachlichen Fähigkeiten verbessern, sondern auch Selbstvertrauen, Neugier und Teamgeist entwickeln. Es bereitet mir große Freude, sie auf ihrem Weg zu begleiten, ihre Talente zu fördern und sie für die deutsche Sprache und Kultur zu begeistern. Diese Arbeit ist für mich besonders bereichernd, weil sie unmittelbaren Einfluss auf die Zukunft der Gemeinschaft hat und mir zugleich die Möglichkeit gibt, Wissen und Werte nachhaltig weiterzugeben.
KB: Sie waren Jugendkoordinator der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Minderheiten und zwölf Jahre lang Vorsitzender der Karpatendeutschen Jugend. Wie geht es mit der Nachwuchsarbeit nun weiter?
Als neue Vorsitzende der Karpatendeutschen Jugend wurde Miroslava Quallichová aus Metzenseifen (Medzev) gewählt. Für die Zukunft bin ich zuversichtlich, dass die Nachwuchsarbeit weiterhin eine zentrale Rolle spielen wird. Die Strukturen und Kontakte, die in den letzten Jahren aufgebaut wurden, bieten eine Grundlage, auf der kommende Generationen aufbauen können. Wichtig wird sein, junge Menschen weiterhin aktiv einzubinden, ihnen Mitgestaltung zu ermöglichen und neue Formate zu entwickeln, die ihre Interessen und Lebensrealitäten widerspiegeln.
KB: Welche Schwerpunkte möchten Sie sonst im Karpatendeutschen Verein legen?
Ich möchte an die bereits geleistete Arbeit im Karpatendeutschen Verein anknüpfen und die vielen guten Projekte und Traditionen fortführen. Gleichzeitig ist es mir wichtig, neue Impulse zu setzen und den Verein auch für zukünftige Herausforderungen gut aufzustellen. Ein besonderer Schwerpunkt soll dabei auf der Förderung der Jugend und der Zusammenarbeit zwischen den Generationen liegen. Junge Menschen sollen die Möglichkeit bekommen, sich einzubringen, Verantwortung zu übernehmen und eigene Ideen umzusetzen. Gleichzeitig ist die Erfahrung der älteren Generation für unseren Verein sehr wertvoll.
Die Förderung der deutschen Sprache und eine solide Bildung sind für mich zentrale Aufgaben, um kulturelle Kontinuität zu sichern. Außerdem ist mir die Pflege von Kontakten und Kooperationen mit Partnerorganisationen im In- und Ausland wichtig, um unsere Perspektiven zu erweitern. Ich möchte, dass der Karpatendeutsche Verein ein moderner und offener Verein ist und ich will dazu beitragen, dass der KDV transparent und zukunftsorientiert arbeitet.
KB: Was wünschen Sie sich für den Karpatendeutschen Verein?
Für den Karpatendeutschen Verein wünsche ich mir vor allem, dass er auch in Zukunft ein lebendiger Ort der Begegnung bleibt – für ältere Generationen genauso wie für junge Menschen. Mir ist wichtig, dass unsere Geschichte, unsere Kultur und unsere Sprache weiterhin gepflegt und an die nächste Generation weitergegeben werden. Gleichzeitig hoffe ich, dass sich immer wieder engagierte Menschen finden, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen und neue Ideen einzubringen. Besonders wünsche ich mir, dass auch junge Menschen ihren Platz im Verein finden und die Gemeinschaft aktiv mitgestalten. Denn nur wenn es gelingt, Tradition mit neuen Impulsen zu verbinden, hat der Karpatendeutsche Verein auch langfristig eine starke Zukunft.
Das Gespräch führte Katrin Litschko
Patrik Lompart stammt aus der karpatendeutschen Gemeinde Hopgarten (Chmeľnica) in der Oberzips. Sein Studium absolvierte er an der Katholischen Universität in Rosenberg (Ružomberok) sowie an der Universität der Heiligen Kyrill und Method in Tyrnau (Trnava), wo er 2014 seinen Masterabschluss erlangte. In seiner Masterarbeit widmete er sich der Erforschung seiner Heimatgemeinde und ihres Dialekts, dem Hopgärtnerischen. Nach einer Tätigkeit als Dozent promovierte er im Fach Soziale Arbeit und beschäftigte sich in seiner Dissertation mit einem Vergleich der Ersatzfamilienbetreuung in der Slowakei und in Deutschland.
das könnte sie auch interessieren
„Brückenbauer“ der Karpatendeutschen: Ondrej Pöss verstorben
Die deutsche Minderheit in der Slowakei und darüber hinaus trauert um eine ihrer prägendsten Persönlichkeiten: Dr. Ondrej Pöss ist am 20. April 2026 im Alter von 75 Jahren gestorben. Über Jahrzehnte hinweg gestaltete er als Vorsitzender des Karpatendeutschen Vereins maßgeblich das kulturelle und gesellschaftliche Leben der deutschen Minderheit in der Slowakei.
Mehr…



