Der tschechische Finanz- und Mischkonzern PPF will seinen Anteil am deutschen Medienunternehmen ProSiebenSat.1 deutlich ausbauen. Im Bieterwettstreit mit den Erben von Silvio Berlusconi zielt PPF auf eine Sperrminorität. Doch die Italiener haben ein neues Angebot abgegeben.
Die tschechische PPF-Gruppe möchte ihre Beteiligung an der zweitgrößten privaten Fernsehsender-Gruppe Deutschlands erheblich erhöhen. Aktuell hält PPF 14,94 Prozent an ProSiebenSat.1. Mit einem Angebot von sieben Euro pro Aktie will das Prager Unternehmen seinen Anteil auf knapp 30 Prozent steigern – genau unterhalb der Schwelle, ab der ein Pflichtangebot fällig wäre.
Die international tätige Investmentgruppe mit Beteiligungen in Telekommunikation, Medien und Finanzdienstleistungen gilt als finanzstark und strategisch langfristig orientiert. PPF ist in 25 Ländern aktiv und verwaltet ein Vermögen von über 41 Milliarden Euro.
Konkurrenz aus Italien
Mitbewerber im Übernahmekampf ist die italienische Mediengruppe MediaForEurope (MFE), die bereits einen Anteil von 30,14 Prozent an ProSiebenSat.1 hält. Beide Unternehmen hatten in diesem Jahr bereits ein Angebot zur Erhöhung ihrer Beteiligung abgegeben. Nach einem ersten Gebot der MediaForEurope (MFE) im März legte die PPF im Juni ein Gegenangebot vor. MFE hat ihr Übernahmeangebot für den deutschen Mediengiganten daraufhin erneut verbessert. Statt bisher 0,4 eigene Aktien pro Aktie von ProSiebenSat.1 bietet MFE nun 1,3 eigene Aktien. Zudem wird das Barangebot auf 8,62 Euro angehoben. Die Frist für die Annahme des verbesserten Angebots läuft bis zum 13. August.
Während der Vorstand von ProSiebenSat.1 das verbesserte Angebot von MFE begrüßte, aber noch keine offizielle Stellungnahme abgeben hat, zeigt sich die deutsche Regierung besorgt. Kultur- und Medienstaatsminister Wolfram Weimer warnte, dass die Medienfreiheit in Deutschland durch solche Übernahmen gefährdet werden könnte. „Eine Veränderung der Eigentümerstruktur darf nicht zu einer Einschränkung der journalistischen Unabhängigkeit führen“, erklärte er in einem Interview mit dem Spiegel.
MFE begründet ihre Expansionspläne mit dem Ziel, eine europäische Medienallianz zu schafffen, die es mit globalen Streaming-Giganten wie Netflix aufnehmen kann. Die Gruppe betreibt bereits kommerzielle Fernsehsender in Italien und Spanien.
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