„Erinnern heißt Verantwortung übernehmen“
81 Jahre nach dem Aussiger Massaker gedenken Deutsche und Tschechen gemeinsam der Opfer.
81 Jahre nach dem Aussiger Massaker gedenken Deutsche und Tschechen gemeinsam der Opfer.
Mit einer Gedenkfeier haben Politiker, Zeitzeugen und zahlreiche Besucher am Wochenende an die Vernichtung des mittelböhmischen Dorfes Lidice durch die Nationalsozialisten erinnert. Die Tragödie gilt bis heute als eines der bekanntesten NS-Verbrechen auf tschechischem Boden.
Rund 500 Teilnehmer versammelten sich am Brünner Hauptbahnhof zum Gedenken an die Opfer des Holocaust. Begleitet wurde die Veranstaltung von Protesten gegen den Sudetendeutschen Tag.
Bei der Gedenkfeier in Theresienstadt (Terezín) zum 81. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs warnte der Präsident des tschechischen Verfassungsgerichts Josef Baxa in einer Rede vor autoritären Tendenzen. Rund 3000 Menschen gedachten dort der Opfer des Nationalsozialismus.
Auch in Tschechien wurde in den vergangenen Tagen an den Beginn des Ukraine-Kriegs vor vier Jahren erinnert. Premierminister Andrej Babiš kündigte für gestern an, die ukrainische Flagge am Regierungsgebäude aufhängen zu wollen. Bereits am Wochenende trafen sich tausende Menschen im Rahmen einer Kundgebung auf dem Altstädter Ring.
Im Prager Stadtteil Vinohrady erinnert seit letzter Woche ein Stolperstein an den Publizisten und Politiker Pavel Tigrid. Der einstige Exiljournalist floh 1939 vor den Nationalsozialisten, 1948 vor den Kommunisten, kehrte nach der Wende zurück und wurde zu einer prägenden Stimme der deutsch-tschechischen Verständigung.
Heute vor 57 Jahren fand der Prager Frühling durch den Einmarsch der Truppen des Warschauer Paktes ein gewaltsames Ende. In Prag und weiteren Städten des Landes erinnerte man heute an die Opfer der Invasion vom August 1968.
In Aussig an der Elbe (Ústí nad Labem) fand am 31. Juli die jährliche Gedenkfeier für die Opfer des Aussig-Massakers statt, das sich 2025 zum 80. Mal jährte. Vertreterinnen und Vertreter der deutschen Minderheit, der Lokalpolitik und Bayerischen Repräsentanz, der deutsche Botschafter sowie Zeitzeugen gedachten gemeinsam der Opfer.
Vor 75 Jahren wurde die Bürgerrechtlerin Milada Horáková vom kommunistischen Regime nach einem Schauprozess hingerichtet. Sie bleibt bis heute die einzige Frau in der Tschechoslowakei, die aus politischen Gründen zum Tode verurteilt und hingerichtet wurde.
80 Jahre nach der Vertreibung der Deutschen luden die Deutsche Botschaft Prag und die Landesversammlung zu einer Konferenz. Tschechische und deutsche Gäste aus Politik, Kultur und Zivilgesellschaft diskutierten offen über Erinnerung, Verantwortung – und darüber, wie Versöhnung heute gelingen kann.