Mit dem Drama „Gentle Monster“ der österreichischen Regisseurin Marie Kreutzer ist am Donnerstagabend im Prager Kino Lucerna die 20. Ausgabe von DAS FILMFEST eröffnet worden. Neben dem Film stand auch die langjährige Zusammenarbeit der deutschsprachigen Kulturinstitutionen in Tschechien im Mittelpunkt des Abends.
Zum 20. Mal bringt DAS FILMFEST in diesem Herbst deutschsprachiges Kino auf die tschechischen Leinwände. Am Donnerstagabend fiel im traditionsreichen Prager Kino Lucerna der Startschuss für die Jubiläumsausgabe. Vertreter der beteiligten Kulturinstitutionen, Diplomaten und zahlreiche Filmschaffende waren zur feierlichen Eröffnung gekommen. Anschließend wurde das österreichisch-deutsch-französische Drama Gentle Monster gezeigt, das im Mai bereits im Hauptwettbewerb der Filmfestspiele von Cannes zu sehen war.
20 Jahre grenzüberschreitende Zusammenarbeit
Bei der Eröffnung wurde insbesondere die langjährige Zusammenarbeit zwischen dem Goethe-Institut Tschechien, dem Österreichischen Kulturforum Prag und der Schweizerischen Botschaft gewürdigt. Seit zwei Jahrzehnten organisieren die drei Institutionen gemeinsam das Festival, das sich zu einer festen Größe im deutsch-tschechischen Kulturkalender entwickelt hat. Zu den langjährigen Unterstützern gehört auch der Deutsch-Tschechische Zukunftsfonds, der das Festival von Anfang an fördert.
Zu den Ehrengästen des Abends zählten unter anderem der Schweizer Botschafter Urs Bucher, der österreichische Gesandte Stephan Rutkowski sowie die Erste Gesandte der Deutschen Botschaft in Prag, Maike Freytag-Pitrocha. Auch Vertreter der luxemburgischen Botschaft nahmen an der Eröffnung teil.
„Wir wünschen dem Festival, dass es weiterhin den kulturellen Dialog stärken kann, dass es Menschen zusammenbringt, dass es weiterhin mit einem begeisterten Kinopublikum rechnen kann und Ihnen wünschen wir weiterhin ein begeisterndes Kinoprogramm“, so der Botschaftsrat der Schweizer Botschaft in Prag Marius Stucki. Auch Denise Quistorp, Direktorin des Österreichischen Kulturforums Prag, und Anaïs Boelicke, die Leiterin des Goethe-Instituts Prag, überbrachten auf der Bühne ihre Glückwünsche und würdigten die langjährige Zusammenarbeit zwischen den Organisatoren des Filmfestivals.
Ein Familiendrama als Eröffnungsfilm
Im Mittelpunkt des Abends stand der Film Gentle Monster von Marie Kreutzer, die unter anderem durch ihr Historiendrama Corsage bekannt wurde. Die österreichisch-deutsch-französische Koproduktion erzählt die Geschichte der Pianistin Lucy, gespielt von Léa Seydoux. Gemeinsam mit ihrem Mann Philip und ihrem kleinen Sohn Johnny zieht sie in ein Haus auf dem Land, um einen Neuanfang zu wagen. Doch die vermeintliche Idylle zerbricht, als die Polizei eines Morgens vor der Tür steht und schwerwiegende Vorwürfe gegen ihren Ehemann erhebt. Lucy muss sich fragen, wie gut sie den Menschen kennt, mit dem sie ihr Leben teilt, und wie sie ihren Sohn schützen kann.
Der Film behandelt schwierige Themen wie Vertrauen, Täuschung und die Folgen sexualisierter Gewalt gegen Kinder. Neben Léa Seydoux sind unter anderem Laurence Rupp, Jella Haase und Catherine Deneuve zu sehen.

Zur Vorstellung war auch die österreichische Filmeditorin Ulrike Kofler nach Prag gekommen, die für den Schnitt des Films verantwortlich zeichnete. Im Gespräch auf der Bühne berichtete sie von den besonderen Herausforderungen bei der Arbeit an dem Drama. Zwölf Wochen lang habe sie zunächst allein an einem ersten Rohschnitt gearbeitet. Die nicht chronologisch gedrehten Szenen zusammenzufügen, sei eine spannende Aufgabe gewesen. Besonders schwierig sei es gewesen, im Schneideraum einen emotional nachvollziehbaren Zugang zur Hauptfigur zu finden. Gerade die feinen zwischenmenschlichen Zwischentöne in Kreutzers Drehbüchern machten für sie jedoch den besonderen Reiz der Zusammenarbeit aus.
Filmklassiker und internationale Gäste
Auch abseits des Eröffnungsfilms bietet die Jubiläumsausgabe zahlreiche Begegnungen mit Filmschaffenden. Bei der Eröffnung wurden unter anderem der Regisseur Florian Gaag sowie die Schauspieler Mike Adler und Florian Renner vorgestellt, die mit dem Graffiti-Drama Wholetrain aus dem Jahr 2006 verbunden sind. Auch die Schauspieler Enzo Brumm aus dem Film Silent Friend und Mwita Mataro aus dem Dokumentarfilm Austroschwarz gehören zu den diesjährigen Festivalgästen.
Zum 20-jährigen Jubiläum blickt DAS FILMFEST zudem auf seine Anfänge zurück. Am 18. Oktober wird im Kino Světozor das Oscar-prämierte Drama Das Leben der Anderen gezeigt, das bereits bei der ersten Festivalausgabe 2006 auf dem Programm stand. Einen Tag später folgt in der Prager Salvatorkirche der Stummfilmklassiker Der Golem, wie er in die Welt kam aus dem Jahr 1920, begleitet von einem Hamburger Chor.
Insgesamt stehen rund 30 Filme aus Deutschland, Österreich und der Schweiz auf dem Programm, darunter etwa 20 Neuerscheinungen. Neben Spielfilmen werden auch Dokumentationen und Produktionen für ein junges Publikum gezeigt.
In Prag läuft DAS FILMFEST noch bis zum 20. Oktober. Anschließend macht das Festival vom 26. bis 30. Oktober in Brünn (Brno), vom 3. bis 5. November in Olmütz (Olomouc) und vom 7. bis 12. November in Aussig (Ústí nad Labem) Station.
Das vollständige Programm und Informationen zum Ticketverkauf gibt es unter www.dasfilmfest.cz.
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