Die jährlich stattfindende Konferenz bietet die Möglichkeit zum kreativen Austausch zwischen den Teilnehmern. Foto: Čojč

Das grenzübergreifende bayerisch-böhmische Theaternetzwerk „Čojč” findet jährlich zu einer großen Konferenz zusammen. Sie dient der Vernetzung, dem Austausch und der Planung von zukünftigen Theaterprojekten. 

„Teátr nám prostě dělá Špáß.” Was sich für das ungeübte Ohr wie Kauderwelsch anhört, ist für die Teilnehmer des Theaternetzwerks „Čojč “ Ausdruck purer Kunst und ihre bevorzugte Art sich zu verständigen. Die Kunstsprache soll einen kreativen, spielerischen Umgang mit den Sprachen Tschechisch und Deutsch ermöglichen und legt auf Grammatik und Schrift zunächst wenig Wert.

„Čojč, das setzt sich zusammen aus český (Tschechisch) und Deutsch, also Čojč”, erklärt Kateřina Chramostová. Sie ist seit 2021 Mitglied im Netzwerk und nahm ebenfalls an der Konferenz teil. Gesprochen wurde dabei eine bunte Mischung aus Deutsch, Tschechisch und natürlich Čojč. „Man muss aber keine Angst haben, wenn man nicht beide Sprachen spricht. Es wird alles übersetzt und wir achten darauf, dass alle alles verstehen”, fügt Chramostová fröhlich hinzu. Bei dem Projekt geht es neben dem Theaterspielen vor allem darum, junge Menschen zu befähigen, sich kreativ und kritisch mit ihrer eigenen und der anderen Kultur auseinanderzusetzen und ihre interkulturelle Kompetenz zu stärken.

Čojčleudi-Treffen 2023

Das bereits seit 2003 bestehende Theaternetzwerk fand sich vom 20. bis 22.Oktober zur großen „Čojčlandská Konferenz” im bayerischen Furth im Wald zusammen. Da nicht bei jedem Projekt alle Teilnehmer des Netzwerkes zusammenkommen, dient das Čojčleudi-Treffen, wie die Konferenz von den Teilnehmern bezeichnet wird, vor allem zum Austausch und gegenseitigen Kennenlernen. Das Programm für das Wochenende ist voll, neben Darbietungen der selbst entwickelten Theaterstücke des vergangenen Jahres stand auch die Planung für das Jahr 2024 an. Die diesjährigen Themen waren unter anderem Zeit, Grenzen und Identität, das kommende Jahr soll es um Märchen, Musik und Sport gehen. „Die Konferenz bietet eine ideale Gelegenheit, die einzigartige Čojč-Atmosphäre kennenzulernen und neue Leute zu treffen”, erzählt Adéla Horáková, Organisatorin der diesjährigen Konferenz und selbst Mitglied seil 2019.

Auf besonderes Interesse stieß dieses Jahr ein selbst zusammengestelltes Video eines „Čojčlers” mit kurzen Szenen und Eindrücken aus den verschiedenen Projekten des Jahres. Neben den intensiven Planungsphasen bleibt jedoch auch noch genug Zeit, um miteinander zu sprechen und mehr über die jeweilige Kultur zu lernen. So werden am abendlichen Lagerfeuer abwechselnd deutsche und tschechische Lieder gesungen und intensiv darüber diskutiert, ob lieber Stockbrot oder „buřty” (eine geräucherte Wurst) über dem Feuer gebraten werden solle.

Ein Einblick in die jährliche Čojč-Mottoparty, das Thema des Jahres war „Fabelwesen”. Foto: Kateřina Chramostová

Ein Projekt von und für junge Menschen

Die Teilnahme am Netzwerk ist kostenlos und alle Projekte werden ehrenamtlich von den Mitgliedern organisiert. Dabei kann jeder individuell entscheiden, bei wie vielen Projekten er oder sie teilnehmen möchte und wie aufwändig die Planung dafür sein soll. „Wir wünschen uns natürlich, dass die Leute, die einmal dabei sind, wiederkommen“, so Horáková, „wenn man dann Lust hat, kann man auch mehr und mehr Aufgaben übernehmen und das Čojč-Leben aktiv mitgestalten.” So war es auch bei ihr, nach ihrer Teilnahme an der Konferenz 2019 hat sie direkt bei einem Projekt hospitiert. Dabei konnte sie einige kleinere Aufgaben übernehmen, zum Beispiel ein Spiel anleiten oder den Organisatoren, wenn nötig, etwas unter die Arme greifen. Die Theaterstücke und Projekte finden primär im deutsch-tschechischen Grenzland statt, stehen jedoch allen Interessierten offen.

Das darauffolgende Jahr machte sie direkt weiter als Assistenz. „Das ist dann wirklich die nächste Stufe. Bei einer Hospitation schaut man viel zu und gestaltet gelegentlich etwas mit, aber die Verantwortung für das Programm liegt bei der Organisation”, erinnert sich Adéla. Für sie war klar, dass sie mehr Verantwortung übernehmen und die Projekte aktiv mitgestalten möchte. Als Assistenz ist man ebenfalls bei der Vor- und Nachbereitungsphase involviert und kann sich so nebenbei im Projektmanagement üben. Besonders die Arbeit in internationalen Teams fand sie spannend, auch wenn es nicht immer ganz einfach ist. „Ich war einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Bei mir ging es sehr schnell, das muss natürlich nicht jeder so machen”, fügt Adéla lachend hinzu. Mittlerweile ist die 28-Jährige Geschäftsführerin des Vereins und kann sich ihr Leben ohne Čojč nicht mehr vorstellen. 

Mehr über aktuelle und vergangene Projekte des Theaternetzwerks auf www.cojc.eu

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