Am 24. Juni eröffnete in der Bayerischen Repräsentanz in Prag die Ausstellung „Böhmen liegt nicht am Meer“ der Seliger-Gemeinde. 

Seit 2021 tourt die Seliger Gemeinde mit ihrer Ausstellung „Böhmen liegt nicht am Meer“ durch Deutschland, Österreich und Tschechien. Zum ersten Mal ist sie nun auch in Prag in der Bayerischen Repräsentanz zu sehen. In der Ausstellung wird an die Geschichten und Schicksale von 24 sudetendeutschen Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten erinnert. Es sind Geschichten wie die von Albert Exler, der nach dem Anschluss der Sudetengebiete an das Dritte Reich vor den Nazis fliehen musste. Später, im Jahr 1944, kehrte er von England aus in geheimer Mission als Fallschirmspringer in seine alte Heimat zurück, um dort den Widerstand zu unterstützen. Oder von Volkmar Gabert, der 1929 für die Partei der Sudetendeutschen Sozialdemokraten (DSAP) ins tschechoslowakische Parlament einzog. Auch er floh nach dem Einmarsch der Nationalsozialisten auf abenteuerlichen Wegen, getarnt als Skitourist über Polen und Schweden nach London. Dort stellte er sich gegen die anbahnenden Vertreibungspläne von Exil-Präsident Edvard Beneš.

In ihrer Rede auf der Ausstellungseröffnung erinnerte Christ Naaß, Bundesvorsitzende der Seliger-Gemeinde daran, dass die Werte für die sich die Protagonisten der Ausstellung einsetzten und die sie bis zum Äußersten verteidigten auch heute nicht selbstverständlich sind. „Sie mahnen auch heute für Freiheit, Selbstbestimmung, Frieden und Demokratie in Europa zu streiten“, betonte Naaß weiter. 

Flucht übers Meer

Auch der ehemalige tschechische Premier und EU-Kommissar Vladimir Špidla erinnerte bei der Vernissage an das Schicksal der sudetendeutschen Sozialdemokraten. Wie Špidla in seiner Rede erklärte, lässt sich das Wirken der sudetendeutschen Sozialdemokraten bis heute überall wiederfinden, so auch in der deutsch-tschechischen Erklärung von 1997. „Es sind tausende Handlungen, die zum positiven Verhältnis zwischen Tschechien und Deutschland beigetragen haben“, so Špidla weiter.

Nach dem Einmarsch der Nationalsozialisten in die Tschechoslowakei sahen sich viele der sudetendeutschen Sozialdemokraten zur Flucht gezwungen, was dazu führte, dass sie sich überall auf der Welt neu ansiedelten. Teilweise flohen sie auch mit dem Schiff und das, obwohl Böhmen nicht am Meer liegt. Mit diesem Paradox spielt der Titel der Ausstellung, wie Mitkurator Dr. Thomas Oellermann bei der Eröffnung erklärte. Die Lebenswege der sudetendeutschen Sozialdemokraten endeten jedoch nicht mit der Flucht, sondern sie gehen weiter. Bis heute sei man mit einigen Familien der Ausstellungsprotagonisten in Kontakt, sagte Oellermann weiter.

Zu sehen ist die Ausstellung in der Bayerischen Repräsentanz noch bis zum 28. Juli. 

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