E-Scooter von Lime in der Nähe des Parks Čelakovského sady beim Nationalmuseum (Národní muzeum). Foto: Lucia Vovk

E-Scooter gehören jetzt schon seit fast drei Jahren zu Prag dazu und erfreuen sich einer immer größeren Beliebtheit. Das liegt an der schnellen und einfachen Nutzung. Vor, während und nach einer Fahrt sind jedoch einige Dinge zu beachten. Wo, bei wem und wie man in Prag E-Scooter fahren kann, erfahren Sie hier.

Wo kann ich in Prag E-Scooter fahren?

In Prag gibt es eine vielfältige Auswahl an E-Scootern. Die beliebtesten Anbieter sind Lime und Bolt. Bei diesen lassen sich per App E-Scooter in der ganzen Stadt einfach freischalten und sofort benutzen.

Dabei ist man in gewissen Zonen wie der Prager Kleinseite (Malá Strana) als Scooter-Fahrer eingeschränkt. Diese ist beispielsweise eine Niedriggeschwindigkeitszone. Andere Gebiete mit Beschränkungen sind in den Apps der E-Scooter-Anbieter sichtbar.

Welche Anbieter gibt es?

In den letzten Monaten haben sich in Prag viele Anbieter für E-Scooter angesammelt. Der bekannteste ist Lime, eine amerikanische Firma, die im Herbst 2018 als erste die E-Scooter in Prag einführte. Über die Lime App meldet man sich per E-Mail, Handynummer oder soziale Medien an, gibt die Daten seiner Kreditkarte oder Apple Pay ein oder lädt Guthaben über das eigene Angebot Lime Cash hoch. Sobald man diese Schritte hinter sich hat, findet man auf einer Karte in der App seinen Standort und verfügbare E-Scooter in der Nähe. Diese kann man für zehn Minuten kostenlos reservieren. Außerdem erfährt man über die App auch die Reichweite des Scooters, die Entfernung vom aktuellen Standort zum Stellplatz des E-Scooters und den Preis. Das Starten eines E-Scooters kostet demnach 25 Kronen (ca. 1,00 €) und anschließend vier Kronen (0,16 €) pro Minute. E-Scooter von Lime sind auch über die Uber App buchbar.

Ein weiterer beliebter Dienstleister ist Bolt. Hier meldet man sich zuerst über die Handynummer an und bekommt dann eine SMS mit einem Freischaltcode zugesendet. Anschließend gibt man wieder seine persönlichen Angaben sowie die Daten der Kreditkarte ein. Nachfolgend öffnet sich genauso wie bei Lime eine Karte, auf der die E-Scooter in unmittelbarer Nähe sichtbar sind. Das Entsperren des E-Scooters kostet aber im Gegensatz zu Lime nichts. Man zahlt 2,50 Kronen (0,098 €) pro Minute und ab 625 Kronen (24,52 €) ist die Fahrt für den Rest des Tages kostenlos. Alle genannten Preise können je nach Ort und Zeit variieren.

Wie funktioniert die Fahrt mit einem E-Scooter?

Hat man beim Anbieter Lime erst einmal den E-Scooter seiner Wahl via App gefunden, tippt man in der App auf „Scannen“ und scannt den QR-Code am Scooter. Dann geht es auch schon los. Dazu stellt man sich mit einem Fuß auf die Fußleiste und stößt sich ein paar Mal mit dem anderen Fuß gegen den Boden ab. Sobald man etwas Geschwindigkeit gewonnen hat, drückt man den Hebel in der Nähe des rechten Daumens herunter und beschleunigt. Die erreichte Geschwindigkeit kann man dabei auf der Anzeige des Lenkers ablesen. Die gefahrene Strecke zeichnet die App automatisch auf. Wenn man sein Ziel erreicht hat, parkt man bei Lime seinen E-Scooter auf einem bevorzugten Parkplatz, der in der Karte sichtbar ist, oder stellt das Gefährt irgendwo ab, wo es keine anderen Verkehrsteilnehmer behindert. Bei Bolt gibt es extra Parkplätze, auf denen die Scooter abgestellt werden müssen. Dann tippt man in der App auf „Sperren“ und beendet somit die Fahrt. Zum Schluss macht man noch ein Foto von dem Scooter und bekommt die Nutzungsdauer und den Preis angezeigt.

Der Lenker eines Lime E-Scooters, mit scanbarem QR-Code in der Mitte, dem Hebel zum Beschleunigen rechts und Handbremsen. Foto: Lucia Vovk

Der Lenker eines Lime E-Scooters, mit scanbarem QR-Code in der Mitte, dem Hebel zum Beschleunigen rechts und Handbremsen. Foto: Lucia Vovk

Was muss ich beachten?

Die Voraussetzung für die Nutzung eines E-Scooters ist ein Smartphone mit einer Internetverbindung, da sonst der QR-Code auf dem Scooter nicht mit der App gescannt werden kann. Außerdem sollte man auch bereit sein, seine persönlichen Daten sowie Kreditkarteninformationen an die Anbieter weiterzugeben.

Anfänger sollten bei ihrer ersten Fahrt vorsichtig an die Sache herangehen. Vor allem an das Anhalten muss man sich gewöhnen, denn die Scooter bremsen zum Teil sehr ruckartig. Auch etwas Übung zum Abbiegen ist nötig.

Während der Fahrt empfiehlt es sich, einen Helm zu tragen. Dieser ist zwar keine Pflicht, aber definitiv ratsam, weil man mit dem E-Scooter bis zu 25 km/h erreicht. Somit kommt ein Unfall mit dem E-Scooter gerade bei einer hohen Geschwindigkeit einem Verkehrsunfall nahe. Demnach behandelten Rettungskräfte im vergangenen Jahr 130 Menschen, die mit einem Scooter verunglückt waren. Am häufigsten traten Kopfverletzungen, Prellungen und Frakturen auf.

Um Unfälle zu vermeiden, sollte man deswegen auch auf den Straßenverkehr achten. Dabei gilt die Straßenverkehrsordnung, insbesondere das Gebot der ständigen Vorsicht und gegenseitigen Rücksichtnahme. Dazu gehört beispielsweise das Anzeigen des Richtungswechsels. Hierzu eignet sich das rechte oder linke Bein. Das Fahren auf Fußgängerwegen ist zudem verboten. Stattdessen nutzt man als Scooter-Fahrer Fahrradwege und die Straße.


Zuletzt ist das Fahren unter Alkoholeinfluss verboten, denn im tschechischen Straßenverkehr gilt eine Null-Komma-Null-Promillegrenze. Diese gilt für alle Verkehrsteilnehmer und somit auch für E-Scooter-Fahrer.

Fahrthinweise sind auch auf dem Rahmen der E-Scooter zu finden. Foto: Lucia Vovk

Fahrthinweise sind auch auf dem Rahmen der E-Scooter zu finden. Foto: Lucia Vovk

Ist die Benutzung eines E-Scooters in Prag sinnvoll?

Prag gilt als Stadt des Kopfsteinpflasters. Vor allem die beliebte Altstadt ist fast ausschließlich mit diesen Steinen geschmückt. Die E-Scooter haben oft eher kleinere Reifen, was bei Kopfsteinpflaster, Spurrillen und Bordsteinkanten gefährlich werden kann, weswegen besondere Vorsicht geboten ist.

Doch nicht nur die Beschaffenheit des Untergrunds kann für E-Scooter-Fahrer gefährlich werden, sondern auch Steigungen und geneigten Fahrbahnen. Denn Prag ist eine hügelige Stadt, was bedeutet, dass die E-Scooter sich bei manch einem Anstieg schwertun und wenn es bergab geht, schon mal auf gefährliche 50 km/h kommen können. Außerdem gibt es in der Innenstadt keine getrennten Fahrspuren für Fußgänger, Radfahrer und Autos, weswegen dort Unfälle häufiger vorkommen können.

Wer aber mit Vorsicht an die Sache herangeht, hat nichts zu befürchten. Die E-Scooter sind zum einen gut geeignet für eine längere Strecke, die man nicht zu Fuß gehen möchte, und zum anderen, wenn man einen Ort besuchen will, der nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln zugänglich ist. Denn falls man schließlich die Möglichkeit hat, die Tram zu nehmen, ist diese Alternative eine Überlegung wert. Zumal man für eine halbe Stunde mit dem E-Scooter bei Lime 145 Kronen (5,70 €) zahlt, während eine Fahrkarte für den ÖPNV in Prag für denselben Zeitraum 30 Kronen (1,18 €) kostet.


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