Auf dem Prager Wenzelsplatz (Václavské náměstí) demonstrierten am Sonntag Zehntausende Menschen gegen Angst und Hass und für die Unterstützung der Ukraine. Die Versammlung wurde von der Organisation Milion chvilek pro demokracii („Eine Million Augenblicke für die Demokratie“) einberufen.

Die Demonstration stand unter dem Motto „Wir schaffen das – Tschechien gegen die Angst“ und dauerte etwa anderthalb Stunden. Die angekündigte Kundgebung wurde von mehr als 100 Polizeibeamten überwacht. Neben den Polizisten waren auch Kollegen des Anti-Konflikt-Teams vor Ort.

Demonstration für Zusammenhalt

Bei der Veranstaltung wurde vor allem Solidarität mit der Ukraine zum Ausdruck gebracht. Zahlreiche Menschen schwenkten Nationalflaggen Tschechiens, der Ukraine sowie EU- und Nato-Fahnen. Darüber hinaus drückten die Organisatoren ihre Unterstützung für die LGBTQ*-Gemeinschaft aus, machten auf die Notwendigkeit aufmerksam, demokratische Werte zu schützen und unterstützten das Vorgehen der Regierung von Premierminister Petr Fiala. Die Organisatoren wollten nach eigenen Angaben zeigen, dass Tschechien stark genug sei, die aktuelle Krisen zu bewältigen, und daher keine Angst zu haben brauche.

Ansprachen hielten unter anderem der bekannte Ökonom Tomáš Sedláček, der Prager Weibischof Václav Malý sowie eine junge Ukrainerin aus dem Donbass, die seit 2014, als dort die Kämpfe mit den pro-russischen Separatisten ausbrachen, auf der Flucht ist. Die Redner nahmen in ihren Redebeiträgen neben der Unterstützung für die Ukraine auch Bezug auf die aktuellen Sorgen angesichts der Preiserhöhungen und drohender Energieknappheit.

Die Kundgebung war zudem als Reaktion auf mehrere regierungskritische Demonstrationen der letzten Wochen gedacht. So richtete sich eine andere Demonstration auf dem Prager Wenzelsplatz am vergangenen Freitag gegen die Unterstützung der Ukraine und gegen die tschechische Regierung, die von den Demonstranten zum Rücktritt aufgefordert wurde.

Videobotschaft von Olena Selenska

In einer Videobotschaft äußerte sich während der Kundgebung Olena Selenska, die Ehefrau des ukrainischen Präsidenten. Selenska dankte den Demonstranten für ihre Unterstützung der Ukraine und beschrieb, ihr Land würde derzeit die dunkelste Zeit seit seines Bestehens erleben. Die Menschen dürften die Augen nicht vor dem Krieg verschließen, so Selenska.