Mit einer bewegenden Feier im Prager Veitsdom nahmen am Samstag Familienangehörige, Politiker und Diplomaten sowie Vertreter des heimischen und europäischen Adels Abschied vom ehemaligen Außenminister, Senator, Abgeordneten und nicht zuletzt Fürsten Karel Schwarzenberg.

Aus Kapazitäts- und Sicherheitsgründen waren bei der Zeremonie im Prager Veitsdom neben der Familie, Freunden und ehemaligen Mitarbeitern nur geladene Gäste anwesend. Allen voran Mitglieder der tschechischen Regierung mit Premier Petr Fiala (ODS) an der Spitze sowie Vertreter beider Parlamentskammern, Präsident Petr Pavel und auch Ex-Präsident Miloš Zeman. Daneben kamen die slowakische Präsidentin Zuzana Čaputová sowie Angehörige der heimischen wie europäischen Adelsfamilien nach Prag, um vom Oberhaupt des Adelshauses Schwarzenberg Abschied zu nehmen. Darunter Fürst Albert von Monaco, Henri von Nassau, Großherzog von Luxemburg, sowie Erbprinz Alois von und zu Liechtenstein. Die britische Königsfamilie wurde von Matt Field, dem britischen Botschafter in Prag, vertreten. Daneben waren Vertreter aus der Diplomatie sowie aus Kultur und Gesellschaft im Veitsdom anwesend. Etwa 1000 Plätze waren dort besetzt. Hunderte verfolgten die Totenmesse auf dem Hradschiner Platz (Hradčanské náměstí) auf einem großen Bildschirm.

“Schwarzenberg wird in diesem Land vermisst werden”

Die Zeremonie trug Elemente eines Staatsbegräbnisses, dazu zählten die Anwesenheit der tschechischen Flagge sowie die Teilnahme der Tschechischen Armee. Die Messe wurde vom Prager Erzbischof Jan Graubner geleitet. Die Predigt hielt auf Schwarzenbergs eigenen Wunsch hin der Priester Tomáš Halík. Darin würdigte dieser Schwarzenbergs politische wie auch gesellschaftliche Vorbildfunktion und bezeichnete ihn als einen “Erzieher” des öffentlichen Lebens, wobei er kein herablassender Mentor gewesen sei. “An Schwarzenbergs Beispiel konnte man sehen, was es bedeutet, ein Gentleman zu sein”, so Halík in seiner ergreifenden Predigt.

Die Trauerrede hielt Tschechiens Präsident Petr Pavel. “Mit Karel Schwarzenberg geht eine der bedeutendsten Persönlichkeiten der modernen Geschichte”, sagte Pavel. Sein Tod sei das Ende einer Epoche, als die Unfreiheit von einem neuen Staat abgelöst wurde, dem Schwarzenberg schließlich “seinen Stempel aufdrückte”. Der Präsident hob auch die Menschlichkeit, die Freundlichkeit und die Fähigkeit zur Einigung hervor, die Schwarzenberg verkörpert habe. Er sei ein außergewöhnlicher Intellektueller und ein geschickter Diplomat gewesen. „Karel Schwarzenberg wird in diesem Land vermisst werden“, schloss Pavel seine Rede.

Tschechiens Präsident Petr Pavel hielt die Trauerrede. Foto: Manuel Rommel

Schwarzenberg hatte Ablauf der Zeremonie selbst geplant

Auf Schwarzenbergs Wunsch hin wurde auch die tschechoslowakische Hymne gespielt. „Ich halte es nicht für besonders wichtig, dass sich jeder seine eigene Zeremonie ausdenkt, aber es zeigt, dass sich Karel Schwarzenberg auf das Ende vorbereitet hat“, sagte Erzbischof Graubner dem Tschechischen Fernsehen vor der Messe.

Passend zur Vorweihnachtszeit wurde auch Schwarzenbergs Lieblingslied „Narodil se Kristus Pán“ gesungen. „Er hatte ein ziemlich gutes Argument dafür. Er sagte: Es gibt nichts Größeres in der Geschichte als die Geburt Christi und nichts Bedeutenderes für mein Leben und für meine Ewigkeit“, erklärte Graubner.

Beisetzung auf Burg Worlik

Auf dem Weg vom Altar aus dem Dom machte die Prozession mit Schwarzenbergs Sarg an der Schwarzenberg-Kapelle Halt, wo 34 Schläge der Sigismundglocke an das 34-jährige Bestehen der Tschechischen Republik erinnerten. Der Sarg wurde mit einem Trauermarsch aus dem Dom geleitet, der einst für Marschall Schwarzenberg komponiert worden war, der Napoleon in der Völkerschlacht bei Leipzig besiegt hatte.

Beim Verlassen des Burggeländes hielt der Wagen mit Schwarzenbergs sterblichen Überresten kurz vor dem Palais Schwarzenberg auf dem Hradschiner Platz. Anschließend fuhr er am tschechischen Außenministerium vorbei und weiter zur Burg Worlik (Orlík). Dort werden die kremierten Überreste Schwarzenbergs in der Familiengruft im kleinen Familienkreis beigesetzt. Seine letzte Ruhestätte hatte Schwarzenberg selbst ausgewählt.

“Karel lebt weiter”

Schwarzenbergs Begräbnis wurde am Samstag mit einem Konzert im Prager Lucerna-Palast abgeschlossen. Die Gedenkveranstaltung unter dem Motto “Karel žije dál” (Karel lebt weiter) hatte Schwarzenbergs ehemaliges Wahlkampfteam bei den Präsidentschaftswahlen 2013 organisiert. Neben dem Auftritt mehrerer Musiker, darunter James Harries, Tornado Lue und Karpatské Chrbáty, ist in der Lucerna-Passage eine Ausstellung mit Fotos aus Schwarzenbergs Leben zu sehen, im Lucerna-Kino wurden Filme über den ehemaligen Außenminister und Fürsten gezeigt. Die Veranstaltung wurde unter anderem auch auf YouTube übertragen.

Ausstellung mit Fotos aus Schwarzenbergs Leben in der Lucerna-Passage. Foto: Manuel Rommel

Unterstützer der deutschen Minderheit in Tschechien

Besondere Verdienste machte sich Schwarzenberg auch um die deutsch-tschechische Versöhnung. Bei vielen innerhalb der deutschen Minderheit in Tschechien war er ein Sympathieträger. Martin Herbert Dzingel, Präsident der Landesversammlung der deutschen Vereine in der Tschechischen Republik, sagte gegenüber dem LandesEcho: “Fürst Karel zu Schwarzenberg habe ich sehr für seinen echten und aufrichtigen Patriotismus geschätzt. Er hat die Böhmischen Länder geliebt und sich stets für sie eingesetzt, egal, in welcher Sprache er gerade gesprochen hat. Karel Schwarzenberg war auch ein großer Unterstützer der deutschen Minderheit. Als Außenminister der Tschechischen Republik hat er es ermöglicht, dass die Landesversammlung zum ersten Mal ihre große Konferenz im Palais Czernin abhalten konnte. Als Mensch und Politiker wird er diesem Land und auch der deutschen Minderheiten fehlen. Ehre seinem Andenken.”  

Die Öffentlichkeit konnte sich zuvor bereits von Schwarzenberg verabschieden, als der Sarg mit Schwarzenbergs sterblichen Überresten vom 6. bis 8. Dezember in der Kirche St. Maria unter der Kette (Kostel Panny Marie pod řetězem) auf der Prager Kleinseite aufgebahrt wurde. Tausende hatten diese Möglichkeit genutzt.

Genauso wie während der Totenmesse im Prager Veitsdom wurde Schwarzenbergs Sarg mit der Fahne des Hauses Schwarzenberg bedeckt. Foto: Lena Pierskalla

Karel Schwarzenberg wurde am 10. Dezember 1937 in Prag geboren. Ende 1948 ging die Familie ins Exil nach Österreich, wo Schwarzenberg später auch seine politische Karriere begann. Nach der Samtenen Revolution 1989 kehrte Schwarzenberg in die Tschechoslowakei zurück und war zwischen 1990 und 1992 Václav Havels Büroleiter (Kanzler) auf der Prager Burg. Schwarzenberg war von 2007 bis 2009 und von 2010 bis 2013 Außenminister der Tschechischen Republik. Von 2009 bis 2015 war Schwarzenberg Vorsitzender der 2009 neu gegründeten Partei TOP 09. Bei den Präsidentschaftswahlen 2013 unterlag er nur knapp Miloš Zeman. Seit 1979 war er das Familienoberhaupt des Hauses Schwarzenberg, das 1670 durch Kaiser Leopold I. in den erblichen Reichsfürstenstand erhoben worden war. Karel Schwarzenberg war am 12. November im Alter von 85 Jahren in einem Wiener Krankenhaus verstorben.

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