Die ukrainische Flagge, gestern vor dem tschechischen Innenministerium.
Die ukrainische Flagge, gestern vor dem tschechischen Innenministerium. Credit: Ministerstvo vnitra

Auch in Tschechien wurde in den vergangenen Tagen an den Beginn des Ukraine-Kriegs vor vier Jahren erinnert. Premierminister Andrej Babiš kündigte für gestern an, die ukrainische Flagge am Regierungsgebäude aufhängen zu wollen. Bereits am Wochenende trafen sich tausende Menschen im Rahmen einer Kundgebung auf dem Altstädter Ring.

Auf verschiedene Weise wurde in den vergangenen Tagen des vierten Jahrestags der russischen Invasion in der Ukraine gedacht. Premierminister Andrej Babiš (ANO) hatte für gestern die Anbringung der ukrainischen Flagge am Regierungsgebäude, der Straka-Akademie, angekündigt. Daneben entschieden sich auch das Finanzministerium, das Innenministerium, das Ministerium für Bildung, Jugend und Sport, sowie das von den Motoristen geführte Kultur- und das Außenministerium dazu, die blau-gelbe ukrainische Flagge zu hissen.

Premierminister benennt russische Schuld

Zudem erinnerte Babiš im sozialen Netzwerk X an die Verantwortung Russlands am Krieg in der Ukraine: „Am 24. Februar 2022 begann die unentschuldbare Aggression Russlands gegen die Ukraine. Seit nunmehr vier Jahren dauert so ein sinnloser Krieg an. Man kann sich nichts anderes wünschen, als dass endlich aufgehört wird zu töten und der Krieg endet“, so Tschechiens Regierungschef auf dem Kurznachrichtendienst.

Babiš lobte außerdem die Entwicklung der Friedensverhandlungen seit dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump im Januar 2025: „Lange Zeit galt es, dass jeder, der zu diplomatischen Verhandlungen aufrief, sofort ein Etikett verpasst bekam. Über Frieden durfte man fast nicht sprechen. Das änderte sich erst mit dem Amtsantritt von Präsident Trump“, so Babiš.

Nicht alle Ministerien mit Ukraine-Beflaggung

Nicht alle Ministerien zogen bei der Beflaggung mit. Die Ministerien für Verkehr, Verteidigung und Landwirtschaft beteiligten sich nicht an der symbolischen Solidaritätsbekundung. SPD-Chef und Parlamentspräsident Tomio Okamura hatte im Vorfeld erklärt, dass in den von seiner Partei geführten Ressorts keine ukrainischen Flaggen angebracht würden. Aber selbst einige der ANO-geführten Ministerien verzichteten unter Verweis auf organisatorische oder technische Gründe auf eine Beflaggung, wie das Ministerium für regionale Entwicklung oder das Justizministerium. Auch vor dem Gebäude des tschechischen Abgeordnetenhauses wurde keine ukrainische Flagge gehisst.

Präsident Pavel gedenkt auf dem Altstädter Ring

In vielen Städten Tschechiens wurde bereits am letzten Wochenende mit Kundgebungen an den anhaltenden Ukrainekrieg und seine Opfer erinnert. Die größte Gedenkveranstaltung fand am vergangenen Samstag, den 21. Februar, auf dem Altstädter Ring in Prag statt. Präsident Petr Pavel rief dort in einer Rede dazu auf, dem Bösen keinen Raum zu geben. Mit der Unterstützung der Ukraine verteidige Tschechien auch Prinzipien, die kleinere Staaten wie Tschechien schützten. Er dankte Bürgern, Institutionen und Initiativen für ihre Hilfe und betonte, dass ein künftiger Frieden in der Ukraine langfristige Auswirkungen auf die Sicherheit Europas haben werde. Im Rahmen der Demonstration trat auch der ukrainische Botschafter Vasyl Zvarych auf. Zvarych dankte den Tschechen für zivile Solidarität und staatliche Hilfe, insbesondere für die Munitionsinitiative. Auf dem Platz wurde eine Schweigeminute abgehalten, zum Abschluss erklangen die tschechische und die ukrainische Nationalhymne.

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