Jan Masaryk war Außenminister der Tschechoslowakei und eine der bekanntesten politischen Persönlichkeiten des Landes nach dem Zweiten Weltkrieg. 1948 starb er nach einem Sturz aus dem Fenster seiner Dienstwohnung im Prager Palais Czernin. Ob Selbstmord, Mord oder ein Unfall, ist bis heute ungeklärt. Nun sollen seine sterblichen Überreste untersucht werden.
Jan Masaryk, Sohn des ersten Präsidenten der Tschechoslowakischen Republik Tomáš Garrigue Masaryk, hatte während des Zweiten Weltkriegs als Botschafter in Großbritannien gearbeitet und war Außenminister der tschechoslowakischen Exilregierung in London. Nach Kriegsende kehrte er in die Tschechoslowakei zurück und blieb auch nach der kommunistischen Machtübernahme im Februar 1948 Außenminister. Er gehörte allerdings nicht der Kommunistischen Partei an. Nur rund zwei Wochen nach dem Staatsstreich wurde er tot aufgefunden.
Drei Theorien über seinen Tod
Masaryk starb in der Nacht zum 10. März 1948, nachdem er aus dem Fenster seiner Dienstwohnung gestürzt war. Noch am selben Tag verkündete der damalige Innenminister Václav Nosek in der Nationalversammlung die offizielle Version des kommunistischen Regimes: Masaryk habe sich freiwillig das Leben genommen. Schon bald entstanden jedoch Zweifel an dieser Darstellung. Neben der Selbstmordthese entwickelte sich die Vermutung, Masaryk sei aus dem Fenster gestoßen und damit ermordet worden. Andere Forscher gehen von einem tragischen Unfall aus.
Eine eindeutige Klärung ist bis heute nicht gelungen. Die Prager Stadtstaatsanwaltschaft nahm die Ermittlungen im Januar dieses Jahres erneut auf. „Derzeit werden weitere notwendige Maßnahmen durchgeführt, die dem Erfordernis der Aufklärung entsprechen, d. h. der Bestätigung oder Widerlegung neuer Erkenntnisse, Theorien oder Hypothesen, die den Strafverfolgungsbehörden bekannt sind und die zu einer detaillierteren Ermittlung und einem besseren Verständnis des Sachverhalts führen könnten“, erklärte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Aleš Cimbala, gegenüber dem Tschechischen Rundfunk.
Exhumierung nach fast 80 Jahren
Experten wollen Masaryks sterbliche Überreste nun nach fast 80 Jahren aus dem Familiengrab in Lana (Lány) exhumieren. Die Untersuchung könnte nach Einschätzung der Forscherin und Autorin Václava Jandečková neue Hinweise auf die Todesumstände liefern. Sie beschäftigt sich seit Langem mit dem Fall und geht von Mord aus.
„Man könnte überprüfen, ob es ein Einschussloch oder ein anderweitig seltsames Loch hinter dem rechten Ohr gab. Dort befand sich auch eine Verletzung – eine Platzwunde an der rechten Schläfe. Sollte es sich hinter dem rechten Ohr also um ein Einschussloch oder eine andere Verletzung handeln, könnte sich möglicherweise noch eine Kugel im Kopf befinden“, sagte sie gegenüber dem Tschechischen Rundfunk.
Die Untersuchung der Überreste könnte damit neue Anhaltspunkte für die seit Jahrzehnten umstrittene Frage liefern, wie Jan Masaryk tatsächlich starb.
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