Neue archäologische Untersuchungen zeigen, dass die Burg Elbogen (Loket) in der Region Karlsbad vermutlich rund ein Jahrhundert früher entstanden ist als bislang vermutet. Moderne Methoden lieferten erstmals konkrete Hinweise auf ihre tatsächliche Entstehung.
Die steinerne Burg über dem Fluss Eger (Ohře) gehört zu den ältesten Anlagen ihrer Art in Tschechien. Lange ging die Forschung davon aus, dass sie im frühen 13. Jahrhundert errichtet wurde. Neue Analysen des Archäologen Filip Prekop vom Nationalen Institut für Denkmalpflege deuten nun darauf hin, dass bereits um die Wende vom 11. zum 12. Jahrhundert eine steinerne Festung an dieser Stelle stand.
Funde belegen frühere Bauphase
Die erste schriftliche Erwähnung der Burg stammt zwar erst aus dem Jahr 1227, doch die jüngsten Funde sprechen dafür, dass sie deutlich älter ist. Archäologen konnten Teile der ältesten Steinmauer sowie Spuren späterer Umbauten freilegen. In den untersuchten Schichten fanden sie Überreste, die auf verschiedene Bauphasen hinweisen. Demnach stand über der Eger schon um 1100 eine vollständig aus Stein und Mörtel errichtete Burg.
Diese Bauweise war im damaligen Böhmen noch selten, während sie in benachbarten Regionen wie Bayern bereits verbreitet war. Die Funde ermöglichen damit auch Rückschlüsse auf die Herkunft der Baumeister der Burg Elbogen.
Neue Methode ermöglicht genaue Datierung
Entscheidend für die neue Datierung waren moderne Untersuchungsverfahren. Archäologen analysierten organische Rückstände in Keramikgefäßen und bestimmten deren Alter mithilfe der Radiokarbonmethode – ein Ansatz, der in Tschechien erstmals auf mittelalterliche Keramik angewendet wurde. Zusätzliche Hinweise lieferten auch Proben von Holz- und Pflanzenresten aus verschiedenen Bodenschichten. Die Kombination dieser Methoden ermöglichte eine deutlich präzisere Datierung der frühen Bauphase.
Die Burg ist bereits seit 1983 Gegenstand archäologischer Untersuchungen, doch bislang fehlten eindeutige Belege für ihre früheste Entwicklung. Die aktuellen Arbeiten sind Teil eines größeren Forschungsprojekts zur Dokumentation der Bauentwicklung der Burg. Ein Teil der Anlage bleibt auch weiterhin zugänglich, um künftige Forschungen zu ermöglichen.
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