Die Abgeordnetenkammer in Prag soll sich nach dem Willen der Regierungskoalition gegen den geplanten Sudetendeutschen Tag in Brünn (Brno) positionieren. Ein entsprechender Resolutionsentwurf sieht vor, die Organisatoren aufzufordern, die Veranstaltung in Tschechien nicht stattfinden zu lassen.
Nach Angaben der Nachrichtenagentur ČTK stellte Parlamentspräsident Tomio Okamura (SPD) den Vorschlag am Dienstag vor. „Wir lehnen die Abhaltung des Sudetendeutschen Tags auf dem Gebiet der Tschechischen Republik ab“, sagte Okamura. „Wir fordern die Organisatoren dieser Veranstaltung auf, von ihrer Durchführung auf dem Gebiet der Tschechischen Republik abzusehen.“
Der 76. Sudetendeutsche Tag ist vom 22. bis 25. Mai in Brünn geplant und würde erstmals in der Geschichte des Treffens auf tschechischem Boden stattfinden. Veranstalter ist die Sudetendeutsche Landsmannschaft, eingeladen wurde sie von der Initiative Meeting Brno.
Kritik: „Öffnet alte Wunden“
Die geplante Resolution argumentiert vor allem mit der historischen Sensibilität des Themas. Laut der ANO-Fraktionsvorsitzenden Taťána Malá – gleichzeitig Regierungsbeauftragte für Menschenrechte und nationale Minderheiten – löse das Treffen „unnötige Emotionen“ aus und öffne alte gesellschaftliche Wunden, statt zur Versöhnung beizutragen. Malá zufolge stehe eine Mehrheit der ANO-Abgeordneten hinter der Resolution.
Das Papier verweist zudem auf die Deutsch-Tschechische Erklärung von 1997, die darauf abzielt, die bilateralen Beziehungen nicht durch historische Streitfragen zu belasten. Gleichzeitig soll die Abgeordnetenkammer die aktuellen guten Beziehungen zwischen beiden Ländern ausdrücklich würdigen.
Darüber hinaus betont der Entwurf, dass Teile der sudetendeutschen Bewegung in Tschechien weiterhin mit den Folgen der nationalsozialistischen Besatzung und der Nachkriegsordnung verknüpft würden. Dies mache das Thema bis heute besonders sensibel.
Die Resolution verurteilt ausdrücklich „jegliche Formen historischen Revisionismus“ sowie eine Relativierung nationalsozialistischer Verbrechen und stellt den Schutz des historischen Gedächtnisses in den Mittelpunkt.
Opposition warnt vor Belastung der deutsch-tschechischen Beziehungen
Aus der Opposition kommt Kritik an dem Vorstoß. Vertreter mehrerer Parteien warnen davor, dass eine solche Resolution die deutsch-tschechischen Beziehungen belasten könnte. Zudem werfen sie der Koalition vor, das Thema aus innenpolitischen Gründen zu instrumentalisieren.
Der Vorsitzende der Fraktion TOP 09, Jan Jakob, verwies darauf, dass der Vorsitzende der Sudetendeutschen Landsmannschaft Bernd Posselt sich über Jahre für die Verständigung zwischen Deutschen und Tschechen eingesetzt habe.
Politisch aufgeladenes Thema
Der Sudetendeutsche Tag gilt seit Jahrzehnten als wichtigstes Treffen der aus der ehemaligen Tschechoslowakei vertriebenen Deutschen und ihrer Nachkommen. Dass die Veranstaltung 2026 erstmals in Brünn stattfinden soll, wird in Tschechien kontrovers diskutiert.
Bereits im Vorfeld hatte es Proteste sowie politische Vorstöße gegen die Austragung gegeben. Kritiker sehen in dem Treffen eine mögliche Infragestellung der Nachkriegsordnung, während Befürworter es als Zeichen der Verständigung und Annäherung bewerten.
Mit der geplanten Parlamentsresolution erreicht die Debatte nun eine neue politische Ebene – wenige Wochen vor dem angesetzten Termin der Veranstaltung.
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