Im Gedenken an die Opfer des gestrigen Anschlags an der Karls-Universität in Prag wird Samstag, der 23. Dezember 2023, als Tag der Staatstrauer begangen. Der Angriff am Donnerstagnachmittag forderte 14 Todesopfer und 25 Verletzte, der Schütze nahm sich nach der Tat das Leben.

Nach der gestrigen Bluttat an der Prager Karls-Universität steht Tschechien unter Schock. In einer kurzfristig anberaumten Sitzung beschloss die tschechische Regierung am Donnerstagabend, den Samstag im Gedenken an die Opfer des Anschlags als einen Tag der Staatstrauer zu begehen. Auch Tschechiens Präsident Petr Pavel nahm an der Sitzung teil.

Demnach sollen die Fahnen auf staatlichen und öffentlichen Gebäuden auf Halbmast gesetzt werden und um 12 Uhr mittags im ganzen Land die Glocken läuten. Premierminister Petr Fiala riet den Bürgern außerdem, eine Schweigeminute abzuhalten.

Präsident Petr Pavel drückte den Hinterbliebenen der Opfer sein tiefes Beileid aus. Er appellierte an Politiker, Medien und Bürger, die Tragödie nicht politisch zu nutzen, die Polizei anzugreifen oder Fehlinformationen zu verbreiten. Laut Pavel sei es wichtig, vernünftige Lösungen zu finden, um ähnliche Ereignisse in Zukunft nach Möglichkeit zu verhindern.

Internationale Anteilnahme

Nicht nur in Tschechien, auch international löste die Tragödie Trauer und Anteilnahme aus. Bundeskanzler Olaf Scholz schrieb auf X: „Die schrecklichen Nachrichten aus Prag haben mich tief bestürzt. Unsere Gedanken sind bei den Familien und Freunden der Opfer, unser Mitgefühl gilt unseren tschechischen Freundinnen und Freunden. Den Verletzten wünsche ich rasche Genesung.“

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ließ mitteilen: „Mit Entsetzen habe ich die Nachricht von den Schüssen an der Karls-Universität mitten in Prag gehört. Meine Gedanken sind bei den Opfern und deren Angehörigen, und meine Genesungswünsche gehen an alle Verletzten.“

Auch US-Präsident Joe Biden drückte seine Anteilnahme aus: „Mein Mitgefühl gilt den Menschen, die bei der heutigen sinnlosen Schießerei in Prag ihr Leben verloren haben, den Verletzten und dem tschechischen Volk. Unsere Behörden stehen in Kontakt mit den tschechischen Strafverfolgungsbehörden, und wir sind bereit, bei Bedarf zusätzliche Unterstützung anzubieten.“

Spendensammlung für Hinterbliebene

Um die Hinterbliebenen der Opfer zu unterstützen, haben Menschen inzwischen mehrere Millionen Tschechische Kronen gespendet. Unter anderem sammelte der Stiftungsfonds der Karls-Universität bis heute Morgen bereits über 4,6 Millionen Kronen (ca. 187.500 Euro). Eine weitere Spendensammlung läuft auf www.zesnaze.cz, dort wurden bereits etwa 2,3 Millionen Kronen (ca. 93.750 Euro) gesammelt. Die Summen wachsen fortlaufend an.

Die Karls-Universität bleibt am Freitag geschlossen, es findet kein Lehrbetrieb statt. Der Jan-Palach-Platz ist inzwischen nicht mehr abgesperrt, auch der Verkehr in der unmittelbaren Nähe wurde wiederhergestellt.

Anschlag ist größte Tragödie in der Geschichte der Tschechischen Republik

Es ist eine Tragödie, wie sie die Tschechische Republik noch nie in ihrer Geschichte erlebt hat. Am Donnerstagnachmittag gegen 15 Uhr eröffnet ein junger Mann – nach ersten Erkenntnissen ein 24-jähriger Student – das Feuer im Gebäude der Philosophischen Fakultät der Karls-Universität. Auf Videos, die in den sozialen Medien geteilt und auch im Fernsehen gezeigt werden, ist ein schwarz gekleideter und schwer bewaffneter Mann zu sehen, der auf dem Dach der Philosophischen Fakultät hin und her läuft. Immer wieder nimmt er Ziel und schießt vom Dach in Richtung Straße. Studenten und Lehrkräfte verbarrikadieren sich in den Hörsälen, einige klettern aus dem Fenster und verstecken sich auf der Balustrade des Gebäudes.

Ermittler prüfen Verbindung zu weiteren Verbrechen

14 Menschenleben hat der Schütze nach aktuellem Stand auf dem Gewissen. Nach Angaben des Polizeipräsidenten Martin Vondráček seien alle Opfer im Gebäude der Philosophischen Fakultät ums Leben gekommen, eine Leiche wurde jedoch auf der Straße vor der Philosophischen Fakultät vorgefunden. Nach bisher nicht bestätigten Medienberichten starb die junge Frau offenbar bei dem Versuch, vor dem Angreifer zu fliehen, und stürzte vom Gebäude auf die Straße.

Gegen 16 Uhr vermeldet die Polizei, dass der Schütze „eliminiert“ sei, er soll sich selbst das Leben genommen haben. Zuvor hatte der junge Mann im mittelböhmischen Ort Hostau (Hostouň) seinen Vater ermordet. Die Ermittler gehen inzwischen auch davon aus, dass der Schütze vergangenen Freitag im Klánovický-Wald im Osten von Prag einen 32-jährigen Mann und seine erst zwei Monate alte Tochter ermordete. In welchem Zusammenhang die Verbrechen stehen, ist aktuell noch Gegenstand der Ermittlungen.

Am Freitagvormittag teilte der tschechische Innenminister Vít Rakušan (STAN) in einer Radiosendung mit, dass inzwischen die Identität von 13 der 14 Todesopfer bestätigt ist. Unter den Verletzten seien drei Ausländer, davon ein Niederländer sowie zwei Bürger der Vereinigten Arabischen Emirate. Der Zustand der Schwerverletzten im Krankenhaus sei inzwischen stabil, berichteten tschechische Medien.

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