Die tschechische Hauptstadt stellt die Weichen für eine umfassende Erneuerung seines Metro-Systems. Künftig sollen auf den Linien C und D vollautomatische Züge verkehren – mit einziehbaren Bahnsteigplattformen, neuen Informationssystemen und Sitzen in Lederoptik. Der Stadtrat hat dafür neue Qualitätsstandards beschlossen und eine milliardenschwere Ausschreibung auf den Weg gebracht.
Prag reagiert damit auf veraltete Vorgaben aus dem Jahr 2016, die weder technische Fortschritte noch heutige Anforderungen an Barrierefreiheit und Gestaltung des öffentlichen Raums ausreichend berücksichtigten. Das neue Regelwerk schafft die Grundlage für die Inbetriebnahme der im Bau befindlichen Linie D und für die schrittweise Erneuerung der stark frequentierten Linie C. Auch bestehende Züge sollen schrittweise an höhere Komfort- und Sicherheitsanforderungen angepasst werden. Die aktualisierten Standards treten am 1. März 2026 in Kraft.
Neue Züge ohne Fahrer und mit mehr Komfort
Kernstück der Reform ist der vollautomatische Betrieb. Die neuen U-Bahn-Züge sollen ohne Fahrerstand auskommen und als durchgängige Einheiten verkehren, statt aus einzelnen, voneinander getrennten Wagen zu bestehen. Das soll den Fahrgastfluss verbessern und die Sicherheit erhöhen. Im Innenraum sind gepolsterte Sitze mit pflegeleichtem Kunstlederbezug, Haltestangen aus Edelstahl, moderne Kamerasysteme sowie digitale Informationsanzeigen mit Echtzeitdaten geplant.
Parallel zur Fahrzeugmodernisierung sollen auch die Metro-Stationen modernisiert werden. Vorgesehen sind beispielsweise ausfahrbare Trittplattformen, die den Spalt zwischen Zug und Bahnsteig überbrücken und so das Einsteigen für Menschen mit Kinderwagen, Rollstühlen oder Gepäck erleichtern. Außerdem sollen die Wegeleitsysteme in den Stationen und akustische Signalgeber für sehbehinderte Fahrgäste verbessert werden, um die Orientierung in Umsteigekorridoren und an Rolltreppen zu erleichtern.
Milliardenauftrag für Linien C und D
Bereits 2024 begann die Prager Verkehrsgesellschaft (DPP) mit der Suche nach einem Lieferanten für mehr als 50 automatische Züge, die auf der Linie C sowie auf der künftigen Linie D eingesetzt werden sollen. Das Gesamtvolumen des Projekts wird auf rund 86 Milliarden Kronen (ca. 3,5 Milliarden Euro) geschätzt. Darin enthalten sind neben der Lieferung der Züge auch Anpassungen an Bahnhöfen sowie Wartung und Betrieb über mehrere Jahrzehnte. Die ersten neuen Wagen werden laut Vizebürgermeister Jaromír Beránek (Piraten) frühestens Ende 2030 oder Anfang 2031 erwartet. Wegen Verzögerungen beim Bau der Linie D ist vorgesehen, die automatisierten Züge zunächst auf der Linie C einzusetzen.
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