Der tschechische Präsident Petr Pavel besuchte am Montag den Papst im Vatikan. Im Fokus standen  aktuelle globale Herausforderungen sowie die Beziehung zwischen Tschechien und dem Vatikan.

Am Montag, dem 19. Januar 2026, besuchten Präsident Petr Pavel und seine Frau Eva Pavlová den Vatikan. Im Fokus des Gesprächs mit Papst Leo XIV. standen der Umgang mit aktuellen globalen Konflikten sowie die bilateralen Beziehungen zwischen Tschechien und dem Vatikan.  Zudem lud Pavel das Oberhaupt der katholischen Kirche zu einem Besuch nach Tschechien ein.

Pavel und Papst sprechen über den Umgang mit Konflikten

Im Fokus der Gespräche zwischen Pavel und Papst Leo XIV. standen aktuelle globale Herausforderungen wie der Grönland-Konflikt zwischen Dänemark und den USA. Nach dem Treffen erklärte Pavel gegenüber tschechischen Journalisten, er und Papst Leo seien sich einig, dass die Achtung der Regeln Vorrang vor Druckausübung haben müsse. Zudem betonte Pavel, dass man sich einig sei, dass noch nicht alle Optionen zur Lösung des Konflikts um Grönland sowie zur Rettung der Beziehungen zwischen den USA und Europa ausgeschöpft seien „Wir befinden uns in einer Phase, die die Zukunft Europas prägt und zeigen wird, ob es weiterhin eine Gruppe europäischer Länder geben wird, die an den Werten, Prinzipien und Grundsätzen festhalten, auf denen die Europäische Union gegründet wurde, oder ob es zu Spaltungen kommt, weil einige Staaten das Prinzip der Gewalt bevorzugen”, so Pavel in einer Pressemitteilung, die im Anschluss des Treffens veröffentlicht wurde. Vor dem Hintergrund des jüngsten Ukraine-Besuchs Pavels und dessen Treffen mit seinem ukrainischen Amtskollegen Wolodymyr Selenskij könnte auch der aktuelle Stand um die Friedensbemühungen in der Ukraine Thema der Unterredung im Vatikan gewesen sein.

Pavel dankt Papst für sein Engagement im Fall Darmovzal

Gegenstand des Treffens war zudem Papst Leos Engagements im Zusammenhang  mit der Freilassung des tschechischen Staatsbürgers Jan Darmovzal aus einem venezolanischen Gefängnis. Hier hatte die Tschechische Republik den Papst im Vorhinein um Hilfe gebeten. Präsident Pavel dankte Papst Leo XIV., der in der vergangenen Wochen mehrfach das Vorgehen der amerikanischen Regierung in Venezuela kritisiert hatte, für dessen Bemühungen.  „Die Kirche verfügt über einen außergewöhnlichen diplomatischen Einfluss”,  so Präsident Pavel nach der Audienz beim Papst, auf der Platform X.

Auch tschechisch-vatikanischer Vertrag auf der Agenda

Daneben scheute sich das tschechische Staatsoberhaupt auch nicht, schwierige Aspekte der tschechisch-vatikanischen Beziehungen anzusprechen, wie den Status des Grundlagenvertrags zwischen der Tschechischen Republik und dem Vatikan, der in Tschechien derzeit beim Verfassungsgericht liegt. Der Vertrag, welcher die rechtliche Stellung der katholischen Kirche in der tschechischen Republik regeln soll, ist umstritten: Kritiker fürchten, dass durch die Verankerung des Beichtgeheimnisses im geplanten Grundlagenvertrag kirchliche Interessen über den Schutz von Missbrauchsbetroffenen gestellt und die Aufarbeitung bzw. eine staatliche Strafverfolgung von Missbrauchsfällen erschwert wird. Pavel hatte von einer Unterzeichnung des Vertrags, der 2025 bereits vom Senat sowie vom Abgeordnetenhaus durchgewunken wurde, bisher abgesehen. Trotz der Differenzen betonte Pavel die guten tschechisch-vatikanischen Beziehungen:„Ich freue mich, dass die Beziehungen zwischen dem Heiligen Stuhl und uns auf einem so hohen Niveau sind“. Dabei lud der tschechische Präsident das Oberhaupt der katholischen Kirche nach Prag ein: Dieser nahm die Einladung an. Der bisher letzte Besuch eines Papstes in Tschechien erfolgte im Jahr 2009 durch Benedikt XVI.

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