Metro-Station Náměstí Míru (Friedensplatz) - Foto: Friederike Aschhoff

Grün, Gelb, Rot und jetzt Blau sind die Farben der Prager Metro. Drei von ihnen gibt es schon, die blaue Linie wird auch bald den Metroplan zieren. Die Pläne für ihren Bau wurden nach langem Streit um die Streckenführung und Grundstücksnutzung nun endlich konkret.

Bisher durchziehen drei U-Bahnlinien Prag. In den letzten Jahrzehnten gab es auf ihnen immer wieder Erweiterungen. Als letztes wurde die A-Linie (grün) hinter der Station Dejvická bis zur Krankenhausstation Nemocnice Motol erweitert. Sie sollte auch den Flughafen an das Metronetz anbinden, aber von diesen Plänen hat man sich inzwischen verabschiedet. Die Baumaßnahmen sind durch die geologischen Verhältnisse zu kompliziert, würden also viel Zeit und Geld kosten. Nun wird über eine überirdische Zuganbindung nachgedacht, denn bisher ist der Flughafen nur mit dem Bus erreichbar.

Doch blicken wir zurück, zu den bewegten Anfängen der Metro in Tschechiens Hauptstadt. Ende des 19. Jahrhunderts wurden in Europa die ersten Metros gebaut. Auch in Prag gab es bereits 1898 erste Pläne. Aber es dauerte bis 1939, ehe diese konkret wurden. Dann machten der Einmarsch der Nazis und der Zweite Weltkrieg dieser Idee einen Strich durch die Rechnung. Nach der kommunistischen Machtübernahme in Tschechien 1948, wurden komplett neue Entwürfe angefertigt. Inzwischen gab es ja bessere Techniken und eine andere Ideologie herrschte vor.

1974 wurde der erste Streckenabschnitt einer Metro eröffnet. Es war ein Abschnitt auf der C-Linie (rot). Vier Jahre später folgte die grüne A-Linie und 1985 schloss sich die B-Linie (gelb) an. Nach der Wende 1990 wurden einige Stationen umbenannt. Zum Beispiel Moskevská zu Anděl und Gottwaldova zu Vyšehrad und eine Erweiterung wurde in Angriff genommen.

Inzwischen hat das Schienennetz eine Länge von 65 Kilometern. Im Jahr hat die Metro bis zu 600 Millionen Passagiere. Die letzte große Neuerung gab es vor zwei Jahren, als auf fünf Stationen der roten Linie W-Lan eingeführt. In einigen Trams, sowie an fast dreißig Bus- und Bahnhaltestellen gibt es das bereits. Eine Erweiterung ist geplant.

Erweitert werden soll auch das Farbspektrum der Metro. 2022 soll der erste Streckenabschnitt der blauen D-Linie in Betrieb gehen. Insbesondere der Prager Süden soll mit der neuen U-Bahn besser angebunden werden. Nach bisherigen Plänen, soll sie von dem noch zu bauenden Depo Písnice bis Náměstí Míru führen. Dort wäre sie mit der grünen Linie verbunden, die Strecke soll auch über die Station Pankrác führen, womit sie an die C-Linie angebunden wäre.

Die D-Linie hat noch andere Neuerungen. So soll sie barrierefrei zugänglich sein, in den anderen Metrolinien ist es nur teilweise umgesetzt. Die Bahnsteigkante soll auch durch Wände abgesichert werden und automatische Türen haben, die sich öffnen, wenn eine Bahn am Gleis steht. Die Bahnen selbst sollen führerlos fahren können.

Nun gab es einen Durchbruch in den Baumaßnahmen. Es wurde ein Vertrag mit einem Landbesitzer unterzeichnet, dem Land im Prager Stadtteil Krč gehört, wo die neue Linie entlang laufen soll. Laut Vertrag bekommt er nun in der Bauphase jedes Jahr 10 Millionen Kronen dafür, dass auf seinem Gelände gebaut wird. Aufgrund dieser Einigung zog der Grundstückseigner seine Klage gegen die Baumaßnahmen zurück.

Der Ankauf von Baugrundstücken, beziehungsweise Baugenehmigungen für solche, haben die Baupläne signifikant verzögert. Eigentlich sollte der erste Teilabschnitt der D-Linie schon 2020 zu benutzen sein.

Unkonkret blieben dagegen Pläne für eine Ringbahn-Linie. Die Überlegungen für diese Linie E begannen, als Tschechien sich in den frühen 2000er Jahren Gedanken machte, ob man sich für 2016 oder 2020 nicht als Ausrichter der Olympischen Sommerspiele bewerben sollte. Inzwischen wurden sowohl die sportlichen, als auch diese infrastrukturellen Pläne auf Eis gelegt.


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