Posted inGesellschaft

Karlsbrückenreiniger stellt sich, Entschädigung gefordert

An der Karlsbrücke sind noch immer Rückstände des Graffitis zu sehen - Foto: Isabelle Wolf, Collage: LE/tra

Mitte Juli hatten zwei deutsche Touristen einen Pfeiler der Prager Karlsbrücke mit einem Graffiti versehen. Vor wenigen Tagen hatten dann die Reinigungsarbeiten an dem historischen Bauwerk begonnen. Über Nacht jedoch war das Graffiti in einer Guerilla-Aktion entfernt worden. Nun hat sich der mysteriöse nächtliche Reiniger zu seiner Tat bekannt.

 

Erst gestern stellte sich heraus, wer hinter der Reinigung der Karlsbrücke steckt. In der Nacht auf Sonntag (28. Juli) hatte der Prager Reinigungsfachmann Miloslav Černý mithilfe der ihm zur Verfügung stehenden Technik eines Hochdruckreinigers und lediglich mit Wasser und Wasserdampf den Schriftzug an der Karlsbrücke entfernt.

In einem Interview mit dem Tschechischen Fernsehen sprach Černý, welcher bereits unzählige Graffitis innerhalb der Landeshauptstadt von Gebäuden und Denkmälern entfernt hat, von seiner Motivation, die Brücke zu reinigen. Laut seiner Aussage könne man Graffitis nur während eines Zeitraums von 14 Tagen ohne Chemie wirkungsvoll entfernen. Geplant war die vollständige Entfernung des Graffitis durch Experten aber bis Mitte August und der Zeitpunkt wäre somit überschritten gewesen. Der zeitlichen Knappheit wegen habe der Prager Reinigungsfachmann schließlich beschlossen einzuschreiten. Außerdem habe er der Karlsbrücke so schnell wie möglich ihre ursprüngliche Gestalt wiedergeben wollen.

Die Restauratoren und Denkmalschützer hatten zuvor von einer nicht fachgerechten Reinigung gesprochen – es waren Farbreste in den Fugen und auch auf den Steinen selbst verblieben. Da die Aktion in einer Nacht- und Nebelaktion stattgefunden hatte, wären laut Černý einige Überreste nicht zu sehen gewesen, zudem hätte er unter Zeitdruck gestanden. Noch am Montag wurde geprüft, ob das berühmte Bauwerk aus dem 15. Jahrhundert bei der Aktion Schaden genommen hatte. Das sei jedoch nicht der Fall gewesen.

Nun hat sich auch der Prager Oberbürgermeister Zdeněk Hřib zu der Angelegenheit geäußert. Er, der selbst der tschechischen Piratenpartei angehört, bezeichnete Černýs Vorgehen als ein wahrhaft „piratisches“ und schlug vor, dem Reinigungsfachmann eine entsprechende Entschädigung für die Reinigung auszuzahlen. Weiterhin wünscht sich Hřib für die Zukunft in solchen Fällen einen systematischen Ansatz, damit solche Guerilla-Aktionen nicht mehr stattfinden müssten. Zunächst ist dafür ein Workshop zur Entfernung von Graffitis geplant.


Das könnte Sie auch interessieren:

Graffiti von der Karlsbrücke verschwunden

Mitte Juli berichtete das LandesEcho von einem rund fünf mal zwei Meter großen Graffiti an der Prager Karlsbrücke, welches für Aufsehen in der Tschechischen Republik gesorgt hatte. Nach diesem Vorfall hatten sich die Restauratoren zum Ziel gesetzt, den Schriftzug so schnell wie möglich zu entfernen. Das konnte aber scheinbar nicht schnell genug gehen – jemand kam den Experten mit der Reinigung zuvor.

Werden Sie noch heute LandesECHO-Leser.

Mit einem Abo des LandesECHO sind Sie immer auf dem Laufenden, was sich in den deutsch-tschechischen Beziehungen tut - in Politik, Gesellschaft, Wirtschaft oder Kultur. Sie unterstützen eine unabhängige, nichtkommerzielle und meinungsfreudige Zeitschrift. Außerdem erfahren Sie mehr über die deutsche Minderheit, ihre Geschichte und ihr Leben in der Tschechischen Republik. Für weitere Informationen klicken SIe hier.

Weitere Artikel in dieser Kategorie


Bayern und Böhmen verbindet weit mehr als die Biertradition - Foto: Tomáš Randýsek

Neues Bayern-Studium in Pilsen

Bayern ist für viele Ausländer das Klischee-Deutschland: Stichwort Oktoberfest mit seinem Bier, den Trachten und der Volksmusik. Für Deutsche jenseits des Weißwurst-Äquators gehört Bayern oft gar nicht so richtig zur Bundesrepublik. Für Tschechien ist der Freistaat aber vor allem ein wichtiger Handelspartner. 30 Jahre nach der Grenzöffnung startet in Pilsen (Plzeň) nun ein Studiengang rund […]
Karlsbrücke fast wieder unbeschmiert - Foto: Isabelle Wolf

Graffiti von der Karlsbrücke verschwunden

Mitte Juli berichtete das LandesEcho von einem rund fünf mal zwei Meter großen Graffiti an der Prager Karlsbrücke, welches für Aufsehen in der Tschechischen Republik gesorgt hatte. Nach diesem Vorfall hatten sich die Restauratoren zum Ziel gesetzt, den Schriftzug so schnell wie möglich zu entfernen. Das konnte aber scheinbar nicht schnell genug gehen – jemand […]
E-Scooter in Prag - Foto: Friederike Aschhoff

E-Scooter: Überall-Mobilität mit Unfallrisiko

Einige wirken, als hätten sie keine Kontrolle, andere sind zu schnell, manche zu zweit unterwegs. Aber natürlich gibt es auch die Rücksichtsvollen. Die Rede ist von E-Scooterfahrern. In Deutschland gibt es sie erst seit wenigen Wochen, dafür aber bereits in fast 60 Städten, in Tschechien sind sie seit Herbst 2018 in Prag unterwegs.   1,6 […]