Wie wurden die Minderheiten der Deutschen und der Roma in Tschechien seit 1918 geschützt? Und wie ist die Lage heute? Eine Online-Veranstaltung lädt heute ein.

Nach der Gründung der ersten Tschechoslowakischen Republik 1918 wurde die deutschsprachige Bevölkerung zur größten nationalen Minderheit in Tschechien, bevor sie in Folge des Zweiten Weltkrieges zu großen Teilen vertrieben und den Verbliebenen die Pflege ihrer Sprache und Kultur untersagt wurde. Auch die Roma-Minderheit musste sich sowohl während des habsburgischen Regimes als auch unter der tschechoslowakischen Regierung unter Zwang anpassen. Während der Besetzung durch das nationalsozialistische Deutschland wurden sie systematisch verfolgt und ermordet.

Vertrieben, zerstreut, zwangsassimiliert

Im Rahmen der staatlichen Politik der „Zerstreuung“ des kommunistischen Regimes fand schließlich eine Zwangsumsiedlung der Roma aus der Ostslowakei in die von den Deutschen verlassenen Grenzgebiete statt. Die verbliebenen Deutschen wurden wiederum in andere Gebiet umgesiedelt.

In Folge der Friedensverhandlungen nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde der „kleine Vertrag von Versailles“ als Minderheitenvertrag zwischen den Alliierten und Polen geschlossen und fortan zur Vorlage für weitere Minderheitenschutzverträge. Wie wurden diese Verträge gegenüber der deutschen Minderheit und der Roma umgesetzt? Welche Parallelen und Unterschiede gibt es im Bezug auf deren historische Entwicklung und wie stellt sich die aktuelle Lage in der Tschechischen Republik dar?

Diesen Fragen werden die tschechische Soziologin und Übersetzerin Veronika Patočková, sowie der Historiker und Politikwissenschaftler Dr. Wolfgang Schwarz nachgehen. Moderiert wird die Veranstaltung von Tanja Krombach, stellvertretende Direktorin des Deutschen Kulturforums Östliches Europas. Im Anschluss wird es die Möglichkeit geben, im Live-Chat Fragen zu stellen. Organisatoren sind das Deutsche Kulturforum Östliches Europa und das Zentrum für Historische Forschung Berlin der polnischen Akademie der Wissenschaften.

Die Online-Veranstaltung findet am 29. Oktober um 18.15 Uhr in deutscher Sprache statt und wird auf YouTube im Live-Stream veröffentlicht. Den Link zum Vortrag finden Sie hier.

Im Rahmen des sechsteiligen Veranstaltungszyklus „Klaus Zernack Colloquium“ widmen sich die Referentinnen und Referenten in ihren Vorträgen dem Jahresmotto „Mittendrin und Anders. Minderheiten im östlichen Europa.“