Eine bedeutende Rolle im früheren Volksleben spielten Wassermannmythen. Besonders verbreitet sind Sagen vom Wassermann an Orten mit vielen Gewässern, so wie im Kuhländchen, wo die Menschen stark vom Wasser beeinflusst waren und sich so Erklärungen für unglückliche Naturereignisse suchten.

Die Wassermänner liebten Gegenden mit großen Fischteichen, Seen und Flüssen. Oft wird der Wassermann auch für Überschwemmungen verantwortlich gemacht. Aber nicht jeder Wassermann ist böse. Manchmal treibt der Wassermann in den Sagen auch nur harmlosen Schabernack.

Von den anderen Landesbewohnern unterschieden sie sich dadurch, dass sie von kleiner Körpergestalt, ungefähr in der Größe eines vierzehnjährigen Kindes waren. An ihren Kleidern hatten sie einen drei Finger breiten, nassen Saum. Der älteste von ihnen zeichnet sich überdies noch durch ein grünes Röckchen, eine gelbe Hose und ein rotes Käppchen mit grüner Bräme aus.

Ihre Wohnungen am Grunde der Teiche waren groß und schön. In die Wohnungen hinab führten Stiegen und wollte einer der Wassermänner hinein, so schlug er mit einer Rute dreimal auf das Wasser, worauf die Stiegen sichtbar wurden.

Auf den Wiesen um die Teiche herum breiteten sie nicht selten ihre Wäsche zum Trocknen oder zum Bleichen aus.

Das größte Vergnügen des Wassermannes ist, im Wipfel einer Weide, Erle oder Pappel zu sitzen und sich zu schaukeln. Beim Herannahen von Menschen springt er mit einem großen Plumpser ins Wasser. Mitunter kommt er auch in die bei den Teichen gelegenen Mühlen und mischt sich unter die Mahlgäste.

Der Wassermann und der Knecht

Bei Dittersdorf (Dětřichov), ungefähr eine Stunde von Wigstadtl (Vítkov) entfernt, hielt sich auf der sogenannten Hutweide vor etwa hundert Jahren ein Wassermann auf, der schon mehrere Knechte getötet hatte, wenn sie in der Nähe des Wasserhalters ihre Pferde weideten.

Ein Bauer hatte einen neuen Knecht bekommen und trug ihm auf, samstagabends die Pferde auf die Hutung zu treiben. Nur sollte er sich in Acht nehmen, dass er dem Gebiete des Wassermanns nicht zu nahe trete, sonst komme er ums Leben. Zweien seiner Knechte sei es schon so gegangen. „Da wird der dritte sich vorzusehen wissen“, entgegnete der Knecht. Er flocht einen Strick aus Bast, band drei Knoten hinein und machte eine Schlinge bereit. Sodann nahm er seine Pferde und trieb sie gerade an den verhängnisvollen Ort. Daselbst kroch er in einen Sack und hielt ein scharfes Messer zur Hand.

Die früheren Knechte hatten, um vor dem Nachtfroste geschützt zu sein, sich ebenfalls in einen Sack gesteckt. Da der Wassermann jedes Mal die Säcke zugebunden und so die darin Befindlichen wehrlos gemacht hatte, waren sie in seine Gewalt gekommen. Nach elf Uhr nachts kam der Wassermann heran, band, wie er es bei den anderen getan hatte, den Sack zu und lud ihn auf seinen Rücken. Der Knecht aber schlitzte das Gefängnis mit seinem Messer auf, sprang heraus, warf rasch dem Wassermann den Baststrick um den Hals und zog die Schlinge zu.

Der Wassermann versuchte zuerst, sich dadurch zu befreien, dass er die verschiedenen Gestalten annahm und bald Hund, bald Katze, bald Hahn wurde. Der Knecht aber kehrte sich nicht daran. Da versuchte der Wassermann durch Bitten seine Befreiung zu erlangen. Diese wurden umso inständiger, je näher die Mitternachtsstunde herankam. Endlich, nachdem er hoch und heilig versprochen hatte, sich nicht wieder in dieser Gegend blicken zu lassen, machte der Knecht die Schlinge auf und entließ ihn. Von dieser Stunde an war kein Wassermann mehr auf der Hutung von Dittersdorf zu sehen.

Der Wassermann in der Murzkamühle

Im Murzkatale bei Wagstadt (Bílovec) stand früher eine Wassermühle. Im Teiche, an dem sie lag, lebte ein Wassermann, der sich nahezu jeden Abend in der Mühle einstellte, um auf dem Herde Fische auszubacken. Das Fett und die übrigen Zutaten, die er zum Zubereiten benötigte, musste der Müller bereitstellen. Den Müller verdross gar bald diese Belästigung, und er sann auf Mittel und Wege, um den Plagegeist loszuwerden.

Da traf es sich einmal, dass ein Bärentreiber in die Mühle kam und um ein Nachtlager bat. Der Müller nahm ihn freundlich auf, und als die beiden beim Abendbrote über dies und jenes sprachen, erzählte der Müller auch von dem lästigen Gaste und bat um einen Rat, wie er sich seiner entledigen könnte. Der Bärenführer empfahl, den Bären in die Küche zu sperren und den Wassermann, wenn er kommen werde, hinein zu schicken. Der Müller tat, wie ihm geraten wurde: Er wies den Wassermann, als er wieder erschien, in die Küche. Doch kaum hatte der die Tür geöffnet, sprang der Bär auf ihn los, ergriff ihn beim Kragen und rüttelte und schüttelte ihn, dass ihm Hören und Sehen verging. Dann ließ er ihn los. Als der Kleine, dem der Schreck in die Glieder gefahren war, merkte dass er frei war, machte er sich schleunigst aus der Stube.

Doch schon am nächsten Tage klopfte er wieder an die Tür der Mühle: Er trat aber nicht ein, sondern wartete, bis der Müller erschien. Den fragte er, ob er noch den Bären habe. „O ja“, lautete die Antwort: „Der Bär ist noch da und hat sogar sieben Junge.“ Da schlug der Wassermann die Tür zu, eilte mit einigen Sätzen zum Teiche und stürzte sich kopfüber ins Wasser. Von dieser Zeit ließ er sich nicht mehr sehen, und der Müller hatte Ruh.

Der Wassermann bei Kobers Brücke

Bei „Kobers Kapell“ an der Brosdorfer (Bravantická) Straße unweit von Wagstadt zweigt ein Feldweg ab. Sanft bergab führend durchquert er die flache Mulde des Gamblichbaches und führt über eine kleine Brücke über den Bach.

Einst fuhr ein Bäuerlein mit seinem Fuhrwerke diesen Weg hinab. Nicht mehr weit von der Brücke fiel ihm auf, dass die Pferde sich gar so abplagten und mühten, den Wagen fortzubringen, der doch leer war. Nach der Ursache dieser sonderbaren Erscheinung forschend, gewahrte er hinter dem Fuhrwerk ein Männlein, das sich emsig mühte, den Wagen einzuschleifen und sich von dieser Beschäftigung auch durch die drohenden Blicke des Bauern nicht abhalten ließ. Doch jetzt wurde es zu arg: Knapp am Bachrande blieb der Wagen ganz stehen. Zornig schickte sich der Bauer an, den unverschämten Wicht fortzujagen – da war er spurlos verschwunden.

Weil es gerade Mittag war und der Wagen schon stand, entschloss sich der Bauer, gleich eine kurze Rast zu halten und die Pferde abzufüttern. Doch siehe! Kaum hatte er ihnen das Futter vorgesetzt, stand auf einmal neben ihnen eine braune Hirschkuh und fraß, unbekümmert um das verwunderte Gesicht des Bauern, mit, als ob das ganz selbstverständlich sei und immer so gewesen wäre. Der Mann war kein Geizhals, sagte sich: „Es wird auch für dreie reichen“, und ließ sie ungestört fressen.  Als die Tiere gesättigt und ausgeruht waren, schickte er sich an, weiterzufahren. Wer beschreibt aber sein Erstaunen, als die Hirschkuh wie vom Erdboden verschwunden war und neben ihm das kleine Männlein stand, das zuvor den Wagen zum Stehen gebracht hatte. Es trug viele Bänder und forderte den Bauern auf, sich davon zu nehmen. Doch dem war es unheimlich zumute geworden, und er suchte so schnell als möglich weiterzukommen. Er brauchte den bunten Kram nicht, rief er dem Männlein zu und fuhr davon – Plumps, machte es da im Wasser – und weg war das Männlein. Es war der Wassermann, der nach seinen vergeblichen Lockungen ärgerlich ins Wasser gesprungen war.