Renate von Babka fand in Peterswald den Gedenkstein ihres Vorfahren.

Viel hat Renate von Babka in Petrovice, dem ehemaligen Peterswald, schon erreicht. Aus dem Grenzort stammten ihre Vorfahren. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs vor 75 Jahren wurden drei Millionen Deutschstämmige aus der Tschechoslowakei vertrieben, darunter auch die Familie Beil, so der Mädchenname von Renate von Babka. Seit 15 Jahren schon bringt sie durch Ahnenforschung Licht ins Dunkel nicht nur ihrer Familiengeschichte. Sie hat die Ortschronik in heutiges Deutsch übersetzt und mitgeholfen, dass die Kirche in dem Grenzort ein neues Dach bekommt.

Doch was vor etwas mehr als zwei Jahren in der Nähe von Peterswald zum Vorschein kam, bewegte sie ganz persönlich. „Ein junger Mann entdeckte einen Stein mit dem Namen meines Ururopas Karl Beil bei einem Spaziergang.“ Der Stein lag am Weg, der gegenüber der Schule Richtung Raiza (Rájec) führt. Dort war er völlig von Gestrüpp überwuchert und teils schon in der Erde versunken. Der Name Beil ist in Peterswald kein unbekannter. Immer noch leben hier Nachfahren von Deutschen, die damals nicht vertrieben wurden. Außerdem ist der Geburtsname der rührigen Renate von Babka dank ihrer Aktivitäten inzwischen ein Begriff. So kam es, dass die Information über den Fund schnell zu ihr gelangte, die heute in der Nähe von Stuttgart lebt. Von da macht sie sich mehrere Male im Jahr auf in die alte Heimat ihrer Vorfahren. Bei einer dieser Reisen wurde ihr der Stein gezeigt. „Zuerst dachte ich, es wäre der Grabstein meines Ururopas“, sagt sie.

Doch den Stein zierte zwar Karl Beils Name, es fehlten aber Geburts- und Sterbedatum. Alsbald stellte sich der wuchtige Stein als Sockel eines eisernen Wegkreuzes heraus, das Karl Beil 1871 aufstellen ließ. Die Inschrift verriet, dass er für das Seelenheil der Wanderer gedacht war. „Wanderer schau mich an, was ich für deine Seel’ tun kann. Betrachte mein im Schweiß, dann geh’ und richte deine Reis“, lauten die wieder gut erkennbaren Zeilen. „Mein Ururopa war von Beruf Landwirt, vielleicht war er ja selbst auch ein begeisterter Wanderer“, freute sich Renate von Babka über den neuen Puzzlestein in der Geschichte ihrer Familie.

Rückkehr an den Weg

Schnell keimte in ihr der Wunsch, den Stein bergen und wieder aufstellen zu lassen. Dabei kam ihr zugute, dass sie viele Vertriebenenfamilien im nahen Sachsen kennt, die ihr bei der Bergung halfen. Aber auch die Gemeinde Peterswald trug ihren Teil bei. „Bürgermeister Zdeněk Kutina hatte den Baum fällen lassen, dessen Wurzeln sich um den Stein geschlungen hatten“, erzählt die inzwischen 66-Jährige. Unterstützt von vielen Helfern und einem Traktor konnte der Stein letztendlich geborgen und 20 Meter weiter am Wegrand wieder aufgestellt werden. Dort dient er inzwischen wieder seinem ursprünglichen Zweck: als Gruß den Wanderern.

Für Renate von Babka war die Errichtung des Gedenksteins „einer der bewegendsten Momente meiner ‚Peterswalder Historie’“, wie sie sagt. Mit ihrem Ururopa fühlt sie sich besonders verbunden. Er starb am 9. Juni 1876, also fünf Jahre nach der Steinaufrichtung. An genau dem gleichen Tag wurde 77 Jahre später Renate von Babka geboren. Jetzt ist der Gedenkstein als neue Verbindung zwischen beiden hinzugekommen. Umso mehr, da sie die alte Heimat aufgrund der geschlossenen Grenze gerade nur aus der Ferne erleben kann. „Wir hoffen, dass sie bald wieder öffnet und unser nächstes Heimatkreistreffen stattfinden kann.“ Das ist zwar am 11. Oktober in Bad Gottleuba geplant. Doch die obligatorische Fahrt über die Grenze nach Peterswald soll natürlich nicht fehlen.