Das Winterwetter der letzten Tage sorgte am vergangenen Wochenende für vielerorts geöffnete Skigebiete. Schlittschuhläufer am Lipno-Stausee müssen sich derweil jedoch noch gedulden: Das Eis ist noch zu dünn.
Die beiden Sturmtiefs Goretti und Elli zogen in den vergangenen Tagen durch Europa und sorgten auch in Tschechien für eisige Temperaturen. Die Kälte zeigte sich dabei von ihrer extremen Seite: An der Wetterstation in Kvilda-Perla im Böhmerwald (Šumava) wurden Tiefstwerte von bis zu -30,6 Grad Celsius gemessen – die niedrigsten Werte in Zentraleuropa. Weitere Extremwerte von -25 Grad wurden zudem auch im Iser- und Erzgebirge registriert. Trotz des nun wieder einsetzenden Tauwetters befinden sich die Temperaturen der letzten Tage rund 15 Grad unter dem langjährigen Durchschnitt für diese Jahreszeit.
Skigebiete profitieren vom Wintereinbruch
Die stabilen Minustemperaturen und ausreichend Schnee boten die perfekten Voraussetzungen für den Start in die Skisaison.Vor allem rund um Pilsen (Plzeň) und die Region Karlsbad (Karlovy Vary) strömten am Wochenende zahlreiche Wintersportler in die Skigebiete, um den Neuschnee und die kalten Temperaturen zu nutzen. Am Spitzberg (Špičák) im Böhmerwald fielen rund 30 Zentimeter Neuschnee, wodurch zusätzliche Pisten geöffnet werden konnten.
Die guten Bedingungen sorgten auch am Keilberg (Klínovec) für mehr als 18 Kilometer verfügbare Pisten, und auch in Spindlermühle (Špindlerův Mlýn) lockten mehr als 50 Zentimeter Schnee zahlreiche Besucher an – das Skigebiet ist derzeit nahezu vollständig geöffnet und bietet verschiedenste Wintersportmöglichkeiten auf rund 29 Kilometern Pisten. Trotz der hohen Besucherzahlen blieben lange Wartezeiten an den Sessel- und Skiliften weitgehend aus. Zudem kamen bei bestem Winterwetter auch abends viele Skifahrer beim Nachtskifahren in Tannenstein (Hromovka) auf ihre Kosten.
Auch für Langläufer sind die Bedingungen derzeit ideal. Das Langlaufgebiet Pasečná nahe Österreich hat derzeit ebenfalls geöffnet und bietet Langlauffans auf beiden Seiten der Grenze insgesamt 51 Kilometer präparierte Loipen in allen Schwierigkeitsstufen mit Blick auf die österreichischen Alpen. Und auch die Loipen im böhmischen Erzgebirge und im Altvatergebirge werden dank guter Schneebedingungen regelmäßig gespurt.
Noch Geduld am Lipno-Stausee
Weniger Glück mit dem Wetter haben derzeit Schlittschuhläufer. Das Eislaufen auf der größten natürlich gefrorenen Eislaufbahn der Welt am Lipno-Stausee (Vodní nádrž Lipno) ist momentan noch nicht möglich. Die fast elf Kilometer lange Strecke, die von Lippen (Lipno nad Vltavou) nach Friedberg (Frymburk) führt, ist aufgrund der zu geringen Eisdicke von unter 18 Zentimetern noch nicht ausreichend tragfähig – zudem sorgt das seit Anfang der Woche wieder eingesetzte Tauwetter für stellenweise matschiges und tauendes Eis. Vollständig geöffnet war die Eislaufbahn zuletzt 2021 – in den vergangenen Jahren mussten sich Schlittschuhläufer mit kürzeren freigegebenen Abschnitten zufriedengeben. Ein wenig Geduld und kältere Temperaturen sind also noch gefragt.
Es ist Vorsicht geboten
Doch mit den Wintersportmöglichkeiten steigt auch das Gefahrenrisiko. Denn viele Menschen unterschätzen die Lebensgefahr, die von zugefrorenen Gewässern ausgehen kann. Auch der tschechische Feuerwehrverband warnt davor, Eisflächen ohne vorausgegangene Prüfung nicht zu betreten und vorsichtig zu sein. In den vergangenen Tagen kam es bereits zu mehreren brenzligen Situationen. Nahe Brünn (Brno) brach am Sonntag eine Frau durch das Eis, konnte sich jedoch noch selbst aus dem Wasser ziehen. Auch am Vranov-Stausee (Vodní nádrž Vranov) kam es zu einem schweren Unfall. Ein Mann war dort allein Schlittschuhlaufen gegangen und stürzte ins Wasser. Er konnte sich nicht mehr selbst befreien.
„Besonders über dem fließenden Wasser ist das Eis vielleicht nicht dick genug und es besteht die Gefahr, dass es bricht. Es ist auch immer ratsam, beim Schlittschuhlaufen nicht allein zu sein, nicht nur wegen möglichem Eisbruch, sondern auch wegen des Verletzungsrisikos“, sagte der Pressesprecher der Polizei Brünn, David Chaloupka. Die Rettungskräfte rufen dazu auf, im Notfall umgehend den Notruf 112 zu wählen und sich grundsätzlich an die Sicherheitsempfehlungen der Feuerwehr zu halten.
Wann kann man sicher aufs Eis?
Damit Eis als sicher gilt, müssen die Temperaturen über mehrere Tage hinweg deutlich unter dem Gefrierpunkt liegen – und selbst dann ist Vorsicht geboten. Nicht immer erreicht das Eis die notwendige Mindestdicke von mindestens zehn Zentimetern für Einzelpersonen beziehungsweise 18 Zentimetern für größere Gruppen. Besonders tauendes, rissiges oder matschiges Eis und Bereiche in der Nähe von Zu-, Neben- und Abflüssen bilden eine ernstzunehmende Gefahr.




