Letztes Jahr wurde der Wettbewerb „Unsere Wurzeln“ erstmals ins Leben gerufen. Auch in diesem Jahr organisierte das Sprachenzentrum ProLingua an der Schlesischen Universität in Troppau (Opava) gemeinsam mit dem Heimatkreis Jägerndorf e.V. den Schülerwettbewerb „Unsere Wurzeln“.

Insgesamt 21 Schülerinnen und Schüler setzten sich mit der Vergangenheit ihrer Familien und der Region Troppau auseinander. Im Fokus der Recherchen stand vor allem die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, aber auch die Emigration aus der damaligen Tschechoslowakei. Ihre Ergebnisse präsentierten sie am 25. Juni 2026 in der Synagoge von Jägerndorf (Krnov) in Form von Plakaten, Präsentationen und Videos.

Wettbewerb an historischem Ort

Th ema, Ort und Zeitpunkt der Vorstellung waren bewusst gewählt: Unter den Gästen waren auch Vereinsmitglieder des Heimatkreises Jägerndorf, die zu ihrer traditionellen Kultur- und Wanderwoche „Wanderfahrt ins Altvatergebirge 2026“ nach Jägerndorf gekommen waren.

Die Synagoge in Jägerndorf ist eine der wenigen in Mähren, die während der Reichspogromnacht im November 1938 nicht zerstört wurden – dank des damaligen, aus Deutschen bestehenden Stadtrats. Derzeit gehört sie dem Verband jüdischer Gemeinden an. Um ihren Betrieb kümmern sich jedoch engagierte Mitglieder des Synagogenvereins. Die Synagoge dient heute als Ausstellungs-, Konzert- und Vortragssaal. Dieser wunderschöne Raum unterstrich das Thema des Wettbewerbs – „Wurzeln“ – perfekt. Das Gebäude, das die nationalsozialistischen Verwüstungen überstanden hat, diente als Ort der Begegnung zwischen der jüngsten tschechischen Generation und den ursprünglichen deutschen Einwohnern. Diese hörten aufmerksam zu und beobachteten, wie die Kinder und Jugendlichen von heute über die Geschichte des Ortes reflektieren, aus dem ihre Vorfahren einst vertrieben wurden.

Auf dem Gelände der Synagoge befindet sich ein Gedenkstein, der an die Opfer der Vertreibung aus der Stadt und des Hungermarsches von Jägerndorf nach Grulich (Králíky)
erinnert. Dabei sind im Juni 1946 etwa 300 Kinder, Frauen und ältere Menschen ums Leben gekommen.

Gewinner des 2. Platzes: „Das Schicksal in einem Buchstaben“ von Elisabeth Široká, Denisa Pomianovská und Martin Blinka (Grundschule Jägerndorf). Credit: Jana Nálepová

Auseinandersetzung mit (Familien)Geschichte erfolgreich

Bereits im vergangenen Jahr hat sich gezeigt, dass das Ziel des Schülerwettbewerbs Früchte trägt: Junge Menschen, die in und um Troppau leben, konnten sich für die Geschichte ihrer Familien und der Region begeistern. Sie wurden dazu bewegt, sich intensiv mit diesem Teil der eigenen Geschichte auseinanderzusetzen, vor allem aber mit Familienangehörigen und Menschen aus ihrem Umfeld zu sprechen. Die Recherchen der Kinder und Jugendlichen aus dem letzten Herbst, die gemeinsam mit dem Schlesisch-Deutschen Verein in Krawarn (Kravaře) durchgeführt wurden, zeigten, dass der Wettbewerb zu einer echten Auseinandersetzung mit den eigenen Wurzeln und der regionalen Identität führt.

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