Zum Start ins neue Jahr lud die Ahmadiyya-Muslim-Gemeinde Ende Januar zu einem Empfang in Prag ein. Die Gemeinde kritisert die fehlende Wertschätzung des Islam in Tschechien – und berichtete, was sie dagegen tun will.

Zum Start ins neue Jahr organisierte die Ahmadiyya-Muslim-Gemeinde in Tschechien am 26. Januar 2026 einen Neujahrsempfang im Prager Stadtteil Žižkov. „Als landesweit aktive islamische Religionsgemeinschaft in Tschechien sind wir überzeugt, dass angesichts globaler Konflikte, der Auswirkungen des Klimawandels und zunehmenden Rassismus der friedliche Dialog besonders wichtig ist“, lud die Ahmadiyya-Muslim-Gemeinde zu ihrem Neujahrsempfang ein, der sich innerhalb Tschechiens erstmals explizit an ein deutschsprachiges Publikum richtete. Das Motto: „Liebe für alle, Hass für keinen.“

Ahmadiyya-Muslim-Gemeinde sucht den Dialog

„In unseren bewegten Zeiten ist es leider nicht mehr so selbstverständlich, über soziale, religiöse und politische Unterschiede hinweg gemeinsam für eine gute Sache zusammenzuarbeiten. Ich danke Ihnen, dass sie sich ihre Offenheit bewahrt haben und heute hier sind“, bedankte sich Kashif Janjua, der Vorsitzende der Ahmadiyya-Muslim-Gemeinde in Tschechien, beim anwesenden Publikum. Neben dem Vorsitzenden sprachen im Rahmen des Abends auch der Theologe und Philosoph Monsignore Tomáš Halík, der tschechische Sonderbeauftragte für Holocaust-, interreligiöse und Religionsfreiheitsfragen, Robert Řehák, sowie der Militärattaché der Deutschen Botschaft Prag, Rüdiger Heinrich. „Wir sind überzeugt, dass der Austausch von Ideen, Perspektiven, der Respekt vor Traditionen und Überzeugungen des anderen, der Weg zu einem besseren Verständnis und der Schlüssel zu einer friedlicheren Welt ist“, so Heinrich.

Der Neujahrsempfang der Ahmadiyya-Muslim-Gemeinde in Tschechien fand im Prager Stadtteil Žižkov, im Komunitní centrum Žižkostel statt. Der Gemeinde ist es wichtig, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen.
Der Neujahrsempfang der Ahmadiyya-Muslim-Gemeinde in Tschechien fand im Prager Stadtteil Žižkov, im Komunitní centrum Žižkostel statt. Der Gemeinde ist es wichtig, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Credit: Ahmadíja Muslimský Spolek Česká Republika

„Ich möchte Herrn Okamura persönlich sprechen“

Nach den Redebeiträgen stand beim anschließenden gemeinsamen Abendessen ein Rückblick auf das vergangene Jahr im Fokus. Wie auch in verschiedenen Städten in Deutschland hatte die international tätige Ahmadiyya-Muslim-Gemeinde 2025 auch hierzulande beispielsweise wieder zu ihrer jährlichen Neujahrsputz-Aktion aufgerufen, die – anders als in Deutschland – in der Tschechischen Republik eher wenig mediale Beachtung fand.  „Es gibt ein gewisses Narrativ, wo wir anscheinend nicht reinpassen: Muslime sind gleichzusetzen mit Terroristen“, kritisierte Kashif Janjua gegenüber dem LandesEcho. Für dieses Bild des Islams macht der Vorsitzende vor allem die Medien und die Politik verantwortlich: „Es sind leider die Politik und die Medien, die dieses Framing erschaffen“, so Janjua. Um dem entgegenzuwirken, plant Janjua in Zukunft, noch gezielter auf Islam-Skeptiker zuzugehen – auch auf die rechtsextreme SPD (Freiheit und direkte Demokratie), die seit vergangenem Jahr an der Regierung von Premierminister Andrej Babiš (ANO) beteilligt ist: „Ich möchte Herrn Okamura persönlich sprechen, um ihm den Islam zu zeigen. Anscheinend kennt er den Islam nicht“, richtete sich Janjua im Gespräch direkt an den SPD-Vorsitzenden, der sich in der Vergangenheit wiederholt dadurch hervortat, Angst gegenüber Muslimen zu schüren.

Nach den Begrüßungsworten erfolgte der weitere Austausch, sowie der Rückblick auf das vergangene Jahr 2025 bei einem gemeinsamen Abendessen.
Nach den Redebeiträgen klang der Abend bei einem gemeinsamen Abendessen aus – wo gemeinsam auf das vergangene Jahr 2025 zurückgeblickt wurde. Credit: Ahmadíja Muslimský Spolek Česká Republika

Janjua appelliert an deutschsprachige Bürgerinnen und Bürger

An die deutschsprachigen Bürgerinnen und Bürger Tschechiens, welche die Ahmadiyya-Muslim-Gemeinde mit ihrem Neujahrsempfang adressieren will, hat Janjua klare Erwartungen: „Wir hoffen auf ein Verständnis in der Gesellschaft, dass Muslime auch Menschen sind, die friedlich untereinander leben möchten und aktiv zum friedlichen Miteinander beitragen wollen. Jeder sollte in seinem Umkreis darüber sprechen.“ Mit Blick auf das neu begonnene Jahr 2026 sieht Janjua aber auch für die muslimischen Gemeinden im Land noch viel zu tun: „Wir müssen aus den Hinterhöfen rauskommen. Wir müssen uns präsentieren. Wir müssen zeigen, was der Islam wirklich ist“. In diesem Jahr steht für den Vorsitzenden der Ahmadiyya-Muslim-Gemeinde in Tschechien unter anderem ein interreligiöses Erasmus-Projekt zwischen Prag und Hamburg auf dem Programm, bei dem Schüler zwischen 16 und 18 Jahren die tschechische Hauptstadt besuchen, an verschiedenen Workshops teilnehmen und Kirchen, Synagogen, sowie muslimische Stätten und das Außenministerium besuchen werden.

das könnte sie auch interessieren

Kritik an Okamura: „Wir können in diesem Fall nicht schweigen“

Die tschechische Bischofskonferenz und der Ökumenische Rat der Kirchen kritisieren die anhaltenden Äußerungen von Parlamentspräsident Tomio Okamura (SPD) gegenüber Ukrainerinnen und Ukrainern. Sie sehen darin eine Gefährdung der Solidarität mit Schutzbedürftigen und warnen vor historischen Parallelen.

Mehr…

Werden Sie noch heute LandesECHO-Leser.

Mit einem Abo des LandesECHO sind Sie immer auf dem Laufenden, was sich in den deutsch-tschechischen Beziehungen tut - in Politik, Gesellschaft, Wirtschaft oder Kultur. Sie unterstützen eine unabhängige, nichtkommerzielle und meinungsfreudige Zeitschrift. Außerdem erfahren Sie mehr über die deutsche Minderheit, ihre Geschichte und ihr Leben in der Tschechischen Republik. Für weitere Informationen klicken Sie hier.