Der Musiker Jonas Holland alias AfterCooking begeistert auf Social Media Hunderttausende mit seiner Musik. Seine Instrumente: Alltagsgegenstände und Müll. Das LandesEcho hat mit ihm über seine anstehende Tour gesprochen, die ihn diese Woche auch nach Prag führt.

LE: Bald gehen Sie wieder auf Tour und  spielen ein Konzert in Prag. Wie würden Sie jemandem, der noch nie von Ihnen und Ihrer Musik gehört hat, erklären, was die Musik von AfterCooking ist?

Meistens sage ich den Leuten, dass AfterCooking aus der Straßenmusik entstanden ist. Ein bisschen so wie ein Mülltrommler, nur dass ich heutzutage in Locations unterwegs bin, wo die Leute eher elektronische Musik hören. Ich habe quasi die zwei Welten kombiniert, mir viele Mikrofone und eine Looping Station geholt. Jetzt mache ich elektronische Musik aus Müll, damit das Auge auf der Bühne auch was zu gucken hat. Ich sage den Leuten immer, schaut es euch einfach an.

LE: Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Musik aus Müll und Alltagsgegenständen zu machen?

Ich bin schon seit Ewigkeiten Schlagzeuger und habe dann irgendwann Straßenmusik für mich entdeckt, ein paar alte Pfannen und Töpfe mit auf die Straße genommen und in der Einkaufsstraße getrommelt. Dann habe ich schnell gemerkt, dass die Leute sich sehr dafür begeistern können. Ich dachte mir irgendwann, dass es auch cool wäre, auf der Bühne zu performen. Aber für die Bühne braucht man viel mehr als einfach nur ein paar Töpfe und Pfannen. Man braucht Instrumente, die Melodien erschaffen können. Also habe ich mir meine eigenen Instrumente gebaut. Dann braucht man Sachen, die das Ganze loopen, weil ich nur zwei Hände habe. Letztendlich hat sich mein Setup Stück für Stück weiterentwickelt und jetzt habe ich ein Rieseninstrument aus allen möglichen Dingen.

LE: Sie haben auch ein ganz großes Rohrinstrument – wie ist das entstanden und wie lange hat es gedauert, bis wirklich alles perfekt funktioniert hat? 

Also es gab verschiedene Durchläufe. Das Rohrinstrument Nr. 3 ist mittlerweile zu einem Riesenprojekt geworden. Dahinter steckt sehr, sehr viel Technik, mit einem 3D-Modell, mit Stücken, die von einer Maschine ausgesägt worden sind und sehr, sehr viel Elektronik, die in dem Instrument verbaut ist. Und an Prototyp Nr. 3 haben wir bestimmt einen oder anderthalb Monate in Vollzeit gearbeitet. Mittlerweile wird das immer größer und nimmt ein Ausmaß an, sodass es viel mehr ist als einfach nur noch ein altes Rohrinstrument. Richtig Hightech.

LE: Wie erleben Sie die Reaktionen Ihres Publikums bei Konzerten und Festivals im Vergleich zu Straßenauftritten?

Es ist schon sehr anders, in manchen Fällen aber auch sehr gleich. Das Schöne an der Straßenmusik ist, dass die Leute es nicht erwarten. Man sieht dann wirklich so eine Begeisterung, ganz nach dem Motto: „Wo kommt das denn jetzt her?”. Es ist eine natürliche und sehr schöne Art von Begeisterung, die man dann sieht. Und bei Festivals oder bei Auftritten ist die Begeisterung nochmal anders. Zum einen sind da Leute, die meine Musik schon über einen längeren Zeitraum verfolgen, und da merke ich, dass das wirklich richtige Fans sind. Aber da fehlt der Überraschungseffekt und ich muss gucken, dass ich liefere. Bei der Straßenmusik sind die Leute eher überrascht und sehr geflasht. Bei den Auftritten ist es eher so, dass die Leute sehr happy sind, das mal in echt zu sehen und es dann auch oft nicht fassen können, dass das wirklich live funktioniert.

AfterCookings Setup ist ein richtiger Hingucker. Credit: Pascal Strassenburg

LE: Ihre Tour startete im Oktober, inzwischen haben Sie drei Stopps in Deutschland und Österreich hinter sich– haben Sie schon ein Tourhighlight?

Für mich war der erste Auftritt sehr besonders, weil ich noch nie so viele Leute gleichzeitig habe jubeln hören. Das war schon ein sehr cooler Endorphin-Kick. Aber letztendlich fand ich eigentlich alle drei gleich geil. Alle Locations waren voll und die Leute waren richtig gut drauf. Ich habe sehr, sehr viele tolle Gespräche gehabt und gute Rückmeldungen bekommen. Aber natürlich ist der erste Auftritt immer der spannendste und hinterlässt einen extra starken Eindruck.

LE: Haben Sie ein eigenes Ritual vor Ihrer Show, bevor Sie auf die Bühne gehen?

Noch nicht so wirklich. Ich tendiere immer dazu, kurz vor dem Auftritt noch Sachen machen zu wollen und mit den Leuten zu quatschen. Aber ich merke, dass es mir gut tut, wenn ich mich vor dem Auftritt etwas zurückziehe. Ich würde mir gerne als Ritual aneignen, dass ich eine halbe Stunde vor dem Auftritt einfach kurz gar nichts mache. Nur tief durchatmen, damit ich danach auf die Bühne gehen und mit voller Energie alles geben kann und dann auch komplett fokussiert bin. Was auch noch zum Ritual gehört, ist ein sehr guter Soundcheck. Es ist super wichtig, dass ich vorher weiß, dass auf jeden Fall alles funktioniert. Sonst mache ich mir die ganze Zeit Sorgen, dass irgendein Mikrofon spinnt oder ein Kabel locker ist.

LE: Wie entstehen neue Songs für Sie – eher spontan oder ganz gezielt?

Es kommt darauf an, was gerade mein Ziel ist. Wenn ich live spiele, dann improvisiere ich das meiste. Ich habe ein paar Sachen, an denen ich mich orientiere. Aber sonst möchte ich eigentlich immer einfach das spielen, was mir gerade in den Sinn kommt und was ich gerade fühle. Ich spiele dann einfach drauf los und mache in dem Sinne Songs. Manchmal entstehen dadurch auch neue Ideen für Sachen, die ich ausarbeite. Und wenn ich dann Ideen habe, dann setze ich mich an den PC, überlege nochmal richtig, wie das genau aussehen soll und nehme die Sachen neu auf. Ich platziere dann alles genau so, bis ich komplett happy damit bin.

Es gibt also einmal die Variante, dass ich live spiele, improvisiere und es einfach fühle. Im Studio setze ich mich hin und konzentriere mich sehr darauf, den Song so gut oder perfekt wie möglich zu machen. Dass die Melodie so catchy wie möglich wird.

LE: Gibt es gerade noch andere Dinge, die anstehen – neue Projekte oder neue Musik, an der Sie gerade arbeiten?

Ja, ich bin aktuell dabei Songs zu schreiben und würde endlich sehr gerne mein erstes Album veröffentlichen. Das wollte ich schon vor den Auftritten geschafft haben, aber das ist dann doch immer mehr Arbeit als man denkt.  

Ich hätte auch Interesse, neue spannende Instrumente zu bauen. Ich habe schon ein paar Ideen, wie man noch neue Sachen bauen kann, die die Leute noch nie gesehen haben. Ansonsten hoffe ich, dass ich dieses Jahr auch noch ein paar Kooperationen möglich machen kann. Vielleicht nochmal mit der Blue Man Group, aber mal sehen, bisher ist noch nichts festgelegt.

LE: Auf Instagram haben Sie fast eine Million Follower. Wie fühlt sich das an, wenn so viele die eigene Musik toll finden und unterstützen?

Das fühlt sich sehr surreal an. Manchmal verstehe oder glaube ich das noch gar nicht, dass doch so viele Leute dahinterstecken. Wenn ich durch meinen Alltag gehe, dann denke ich eigentlich gar nicht daran, dass es so viele Leute sind, die sich für meine Musik interessieren. Ich glaube, das würde mich auch viel zu sehr überfordern. Was mir aber immer sehr viel Energie gibt, ist, wenn ich die Leute dann auch persönlich kennenlerne. Klar ist Social Media ein Segen, weil man dadurch sehr viel Reichweite bekommt. Aber es ist immer noch tausendmal spannender, wenn man die Leute in Person trifft und zusammen quatschen kann. Das ist immer sehr besonders.

Der nächste Tourstopp führt AfterCooking am 16.01.26  in die MeetFactory nach Prag. Tickets gibt es hier.

Das Gespräch führte Alina Seitz

AfterCooking, geboren 1998 als Jonas Holland, ist ein Straßenmusiker aus Aachen. Durch seine Musik mit unkonventionellen Instrumenten aus Alltagsgegenständen und Müll – alten Töpfen, Eimern und Rohren – erlangte er vor allem durch Social Media Bekanntheit, wo er unter dem Namen @after_cooking hundertausende Fans begeistert.

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