Mit einer besonderen Februar-Aktion lädt die Initiative „Suchej Únor“ Menschen dazu ein, ihre Beziehung zu Alkohol zu reflektieren und Trinkgewohnheiten zu hinterfragen.
„Suchej Únor“ (dt. trockener Februar) ist eine Sensibilisierungskampagne, die Menschen in der Tschechischen Republik und der Slowakei dazu ermutigt, im Februar auf Alkohol zu verzichten. Die Initiative lädt dazu ein, die eigene Beziehung zu Alkohol zu reflektieren und Trinkgewohnheiten zu hinterfragen. Dazu hat sich die Organisation eine Verzichtsaktion ausgedacht: Sie ruft dazu auf, 28 Tage lang keinen Alkohol zu trinken. Ziel des Selbstversuchs soll sein, den eigenen Alkoholkonsum zu hinterfragen und einen bewussteren Umgang mit Alkohol zu entwickeln.
„Suchej Únor“-Kalender liefert Tipps für besseren Lebensstil
Wer an der Aktion teilnehmen möchte, kann sich einfach auf der Website www.suchejunor.cz registrieren. Nach der Anmeldung erhält man Zugang zu einem digitalen Kalender, der täglich neue und hilfreiche Tipps für den alkoholfreien Monat liefert. Die Aktion ist in vier Kategorien unterteilt – die täglichen Tipps sind jeweils einer Kategorie zugeordnet und zeigen, wie der Verzicht auf Alkohol und das Befolgen einfacher Tricks das Leben in diesem Bereich positiv verändern kann. Jede Februarwoche steht eine neue Kategorie im Fokus: In dieser ersten Februarwoche liegt der Schwerpunkt auf besserem Schlaf. Um diesen zu erreichen, empfiehlt die Initiative, 15 Minuten früher ins Bett zu gehen, digitale Geräte mindestens 30 Minuten vor dem Schlafengehen wegzulegen und für frische Luft im Schlafzimmer zusorgen. Die kommenden drei Wochen widmen sich dann – neben dem Schlaf – den Themen Liebe, Geld und Zeit. Die täglichen Tipps sollen Menschen helfen, mehr Energie zu gewinnen, intensivere Beziehungen zu pflegen, mehr finanzielle Freiheit zu erlangen und neue Freiräume im Alltag zu entdecken.
Jährlich 2000 Tote in Tschechien durch Alkoholmissbrauch
Der Alkoholkonsum in der Tschechischen Republik ist im Vergleich zu den anderen europäischen Ländern sehr hoch. Im Durchschnitt trinkt jeder Erwachsene etwa 10 Liter reinen Alkohol pro Jahr. Besonders junge Erwachsene trinken oft übermäßig. Mit dem Alter nimmt der exzessive Konsum ab, jedoch steigt der tägliche Konsum. Etwa 1,5 bis 1,7 Millionen Erwachsene in Tschechien haben ein riskantes Trinkverhalten und 800.000 bis 900.000 Menschen konsumieren schädlich. Jährlich sterben 6000 bis 7000 Menschen an den Folgen von Alkoholmissbrauch, davon etwa 2000 direkt durch den Konsum. Hinzu kommen Unfälle und Gewalt, die durch Alkohol bedingt sind, was erhebliche gesellschaftliche Probleme verursacht.
Herausforderung für tschechische Bierkultur?
„Suchej Únor“ stellt eine interessante Herausforderung für tschechische Brauereien und die Werbeindustrie dar, welche Bier als festen Bestandteil der tschechischen Lebensweise darstellen. Reduziert man den Konsum von Alkohol nicht nur auf seine gesundheitlichen Folgen, ist festzustellen, dass der Konsum von Bier tief in der tschechischen Gesellschaft verankert ist. Die tschechische Bierbraukunst ist Nationales Immaterielles Kulturerbe und steht auf der Kandidatenliste für das immaterielle UNESCO-Weltkulturerbe. Mit ihrer Kampagne öffnet die Initiative einen Raum für Dialog, in dem Tradition und Kultur mit der Gesundheit in Einklang gebracht werden können.
„Suchej Únor“
Die Initiative „Suchej Únor“ wurde 2013 unter dem Namen „Liga otevřených mužů“ gestartet, um Männer in der Tschechischen Republik, die überdurchschnittlich viel Alkohol konsumierten, zu einem bewussteren Umgang damit zu ermutigen. Im Laufe der Jahre hat sich die Kampagne weiterentwickelt und richtet sich heute auch an Frauen. 2021 wurde sie offiziell auch auf die Slowakei ausgeweitet. Außerdem ist sie aktiv auf Social-Media-Plattformen wie Facebook und Instagram, um Teilnehmer zu informieren, zu motivieren und Erfahrungen zu teilen. Die Erfolge der Kampagne sprechen für sich: 2025 nahmen rund 1,6 Millionen Menschen an „Suchej Únor“ teil, was das zunehmende Interesse und die wachsende Bedeutung der Initiative unterstreicht.
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