Der Entwurf des Bauunternehmens HSF System visualisiert die Vision für die entstehende Kirche aus dem 3D-Drucker.
Der Entwurf des Bauunternehmens HSF System visualisiert die Vision für die entstehende Kirche aus dem 3D-Drucker. Credit: HSF System

In der Stadt Neratowitz (Neratovice) nördlich von Prag entsteht ein Kirchengebäude, bei dessen Bau in bislang einzigartigem Umfang 3D-Drucktechnik eingesetzt wird. Nicht nur einzelne Bauteile, sondern auch das Kirchenschiff, der Turm und das Pfarrhaus werden mithilfe des Verfahrens hergestellt. Ende 2028 soll der rund 250 Millionen Kronen (ca. 10 Millionen Euro) teure Komplex eröffnet werden.

Auf der Baustelle der künftigen Dreifaltigkeitskirche sind die Arbeiten unter der Erde bereits weitgehend abgeschlossen. Das Fundament, das erste Untergeschoss und Teile des Turms stehen. Nun beginnt der oberirdische Bau des Gotteshauses, dessen ungewöhnliche Architektur besondere Anforderungen an die Herstellung der einzelnen Elemente stellt. Entworfen hat das Gebäude der tschechische Architekt Zdeněk Fránek.

Rund 870 Bauteile aus dem Drucker

Charakteristisch für die neue Kirche sind ihre geschwungenen Wände und fließenden Formen. Diese lassen sich mit herkömmlichen Baumethoden nur aufwendig umsetzen. Statt für jede Rundung eigene Schalungen anzufertigen, werden die benötigten Elemente anhand digitaler Modelle hergestellt. Für das Kirchenschiff sind etwa 870 individuell geformte Komponenten vorgesehen, die anschließend zu einer Konstruktion zusammengefügt und mit Stahlbeton verstärkt werden.

Dabei kommen gleich drei unterschiedliche Druckverfahren zum Einsatz. Während die Teile des Kirchenschiffs vorgefertigt und anschließend montiert werden, erhalten die gedruckten Turmelemente eine vollständige Betonfüllung. Der Grund dafür ist eine Besonderheit des Entwurfs: An der Außenseite des Turms soll später eine öffentlich zugängliche Kletterwand entstehen. Das Pfarrhaus wiederum wird ein Bauroboter direkt vor Ort Schicht für Schicht errichten.

Visualisierung des Innenraums der 3D-Kirche: der Altar ist minimalistisch gehalten. Credits: HSF System

Mehr als ein Ort für Gottesdienste

Mit dem Neubau möchte die örtliche katholische Pfarrei, die für 13 Gemeinden zuständig ist, zugleich einen Treffpunkt für die Bevölkerung schaffen. Neben den kirchlichen Räumen sind unter anderem ein Café, Unterrichts- und Gruppenräume, Ausstellungsbereiche sowie ein Veranstaltungssaal vorgesehen. Dort sollen künftig unter anderem Konzerte, Vorträge und Bildungsangebote stattfinden. Der gesamte Komplex trägt neben dem Namen der Dreifaltigkeitskirche auch den Namen des Kardinals Josef Beran. Verantwortlich für das Vorhaben ist eine vom Prager Erzbistum gegründete Stiftung.  

Fertigstellung für 2028 geplant

Der Bau erfolgt in mehreren Schritten. Bis Mitte 2027 soll zunächst der Rohbau des zentralen Kirchengebäudes abgeschlossen werden. Danach folgen die übrigen Gebäudeteile sowie die Arbeiten an Innenräumen und Außenfassaden. Die Eröffnung ist nach derzeitigem Planungsstand für Ende 2028 vorgesehen. Für das Projekt sind rund 250 Millionen Kronen veranschlagt. Davon sind bislang etwa 115 Millionen Kronen (ca. 4,7 Millionen Euro) finanziell abgesichert. Die Neratowitzer Gemeindezentrum-Stiftung setzt unter anderem auf Einnahmen aus kirchlichem Grundbesitz sowie auf private Zuwendungen. Um die verbleibenden Kosten zu decken, werden auch Spenden gesammelt.

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