Mit der KI-Fabrik in Ostrau (Ostrava) wurde am 12. Mai 2026 der erste tschechische Knotenpunkt für künstliche Intelligenz und Supercomputing in Betrieb genommen. Das Rechenzentrum bietet Unternehmen der Wissenschaft und der öffentlichen Verwaltung die Möglichkeit, ohne eigenes Rechenzentrum komplexe KI-Anwendungen und Sprachmodelle zu trainieren.
Am vergangenen Dienstag, den 12. Mai 2026, wurde der erste tschechische Knotenpunkt der europäischen Infrastruktur für künstliche Intelligenz und Supercomputer (Czech AI-Factory) in Betrieb genommen. Das Projekt in Ostrau (Ostrava) umfasst einen Supercomputer sowie ein Dienstleistungszentrum, das KI-Infrastruktur- und Supportleistungen für Unternehmen, Universitäten und die öffentliche Verwaltung bereitstellt.
EU-weite Zusammenarbeit in der KI-Technologie
Das Rechenzentrum ist eine von 19 sogenannten KI-Fabriken innerhalb eines europäischen Netzwerks. Das Projekt ist Teil einer öffentlich-privaten Partnerschaft unter der Leitung der Europäischen Gemeinschaftsunternehmen für Hochleistungsrechner (EuroHPC JU). Finanziert werden die Kosten in Höhe von einer Milliarde Kronen (ca. 40 Millionen Euro) in gleichen Teilen aus EU-Geldern und des tschechischen Ministeriums für Bildung, Jugend und Sport.
Während große US-Konzerne eigene Infrastrukturen besitzen, ermöglicht die staatliche Finanzierung nun auch Startups und öffentliche Institutionen, komplexe Sprachmodelle und KI-Anwendungen zu trainieren, ohne selbst Milliarden investieren zu müssen. „Das Projekt hilft dabei, unabhängiger von ausländischen Anbietern zu werden, insbesondere in der aktuellen weltpolitischen Lage“, erklärte Lukáš Kačena, Regierungsbeauftragter für künstliche Intelligenz.
Offenes Ökosystem für Forschung und Wirtschaft
Unter Koordination der Technischen Universität Ostrau und des Supercomputing-Zentrums IT4Innovations vereint das Projekt die Kompetenzen der Karls-Universität Prag, der Technische Universitäten in Prag und Brünn (Brno) sowie des Internationalen Forschungszentrums für neurodegenerative Erkrankungen und des Instituts für Organische Chemie und Biochemie der Tschechischen Akademie der Wissenschaften.
Etwa die Hälfte der Investitionen fließen in die Anschaffung und den Betrieb des neuen Karolina-Supercomputers, der jedoch erst 2027 in Betrieb genommen werden soll. „Bis dahin werden wir unsere bestehenden Supercomputer und auch unsere Beteiligung am finnischen Supercomputer LUMI nutzen“, erklärte Projektkoordinator Vít Vondrák bei der Eröffnung.
Weitere 500 Millionen Kronen (ca. 20 Millionen Euro) fließen in den Ausbau der Dienstleistungen. Laut Vondrák erhalten Nutzer Zugang zu KI-optimierter Recheninfrastruktur, Expertenunterstützung, Datendiensten, KI-Testumgebungen und Weiterbildungsprogrammen. Ziel sei es nicht nur, Rechenleistung bereitzustellen, sondern ein offenes Ökosystem zu schaffen.

Zukunftsorientierte Anwendungen
„Das Zentrum wird dazu beitragen, fortschrittliche KI-Technologien und Supercomputing-Infrastruktur zur Lösung realer Herausforderungen in den Bereichen öffentliche Sicherheit, Krisenmanagement und öffentliche Dienstleistungen einzusetzen“, ergänzte Jan Černocký, Leiter des Fachbereichs Computergrafik und Multimedia an der Technischen Universität in Brünn.
Im Rahmen der Auftaktveranstaltung wurde zudem eine der ersten konkreten Anwendungen der KI-Fabrik vorgestellt: ein KI-Sprachbot für den Notruf 112, der von IT4Innovations und der Technischen Universität Brünn gemeinsam für die Feuerwehr entwickelt wurde. Das System kann automatisch mit Anrufern kommunizieren, grundlegende Informationen über Notfälle erfassen und diese an die Einsatzkräfte weiterleiten. Die Technologie wird bereits im Umfeld des Notrufs 112 getestet und soll mithilfe fortschrittlicher Sprachmodelle, Sprachtechnologien und Hochleistungsrechnern weiterentwickelt werden.
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