120 Jahre Bohemians, feierliche Reden und ein symbolischer Hammerschlag – doch auf dem Rasen lief es zuletzt alles andere als rund.
Am 16. Dezember 2025, es war ein Dienstag, feierte der FC Bohemians Praha 1905 sein 120-jähriges Jubiläum. Weil aber der letzte Spieltag vor der Winterpause auf Sonntag, den 14. Dezember, fiel, musste hier etwas improvisiert werden. Denn große Dinge standen zum Jubiläum an: Die Grundsteinlegung des neuen Dolíček! Großer Bahnhof vor dem Anstoß um 13 Uhr: Die Klubspitze versammelte sich zu diesem feierlichen Akt vollzählig: Neben der Besitzerfamilie Jakubowicz schwang auch Präsident Panenka den symbolischen Hammer. Nach den staatstragenden Reden, die angenehm kurz ausfielen, kam es zum Absingen der Nationalhymne. Ein einzelner Sänger, das ganze Stadion fiel ein. Wie herzlich und unverkrampft das in Tschechien geht!
Zwischen Hoffnung und Absturz
Leider wurde die feierliche Stimmung von der Mannschaft nicht aufgenommen: Es setzte die vierte Niederlage in Folge gegen den Städtischen Fußballklub Karvína, noch dazu ein klares 0:3, das leider nicht einmal unverdient war. Nach einem unglücklichen Elfer gegen uns nach einem sehr streitbaren angeblichen Handspiel in der 70. Minute in Rückstand geraten, wurden wir danach zweimal klassisch ausgekontert. Leider war das der Schlusspunkt eines immer schwächer werdenden Herbstes. In der hier aufzuarbeitenden Phase vom 14. bis 19. Spieltag ab Anfang November mussten wir in sechs Spielen fünf Niederlagen schlucken, davon drei daheim!
Aber der Reihe nach: Am 2. November empfingen wir den FC Königgrätz im Dolíček bei herbstlichen Temperaturen und Dauerregen. Ein eigentlich ansprechendes Spiel, wir erarbeiteten uns Chancen, Yussuf köpfte an den Pfosten, in der 55. Minute gehen wir in Führung. Kaum fünf Minuten danach kassieren wir den Ausgleich nach einem Konter und kurz darauf das 1:2, ebenso nach schnellem Gegenangriff. Die Krone setzten wir uns auf, als Eric Ramírez in der Nachspielzeit einen Elfer ziemlich kläglich vergab. Der Sommerneuzugang Ramírez, ein kolumbianischer Stürmer, den wir von Dynamo Kiew ausgeliehen haben, sucht noch nach seiner Rolle. Die Woche drauf in Zlin (Zlín) landeten wir den einzigen Sieg dieser Wochen. Auswärts spielen wir ohnehin befreiter auf. Müssen das Spiel nicht machen und können reagieren… Unser Benson Sakala schoss das einzige Tor in Zlin. Der Kapitän der sambischen Nationalelf ist zu einer soliden Größe in unserem Mittelfeld geworden. Nach der Länderspielpause mussten wir zum V-Derby ins Eden, wo wir 3:1 unterlagen. Gegen Slavia darf man aber verlieren. Nicht aber gegen Teplitz (Teplice), wie eine Woche drauf am 30. November. Ein schreckliches Spiel, das 0:1 endete. In der 77. Minute gelang den Teplitzern ein schön herausgespieltes Tor. Trotzdem ein glücklicher Sieg. Denn unsere Männer ließen zahlreiche Chancen liegen, es war kaum auszuhalten. Selbst in der Schlussviertelstunde hätten die Chancen noch gereicht, das Spiel zu drehen. Aber es sollte nicht sein. Auch am 7. Dezember in Gablonz (Jablonec nad Nisou) bei winterlichen Temperaturen im Isergebirge war unsere Leistung ganz ansprechend. Aber wieder wurden die Chancen nicht genutzt. Ein Tor wurde uns aberkannt, es war aber ein ganz knappes Abseits. Und der Pfosten stand auch wieder im Weg. Unterm Strich schoss dann Jan Chramosta das 1:0 für Gablonz. Der Mann, der auch zwei Jahre bei uns verbracht hat. Ein solider Vollstrecker. Und schon haben wir uns an jenen denkwürdigen 14. Dezember im Dolíček herangearbeitet.
Sorgen um die Zukunft
Die Hinrundenbilanz fällt damit einigermaßen bitter aus. Vor allem die Tendenz ist beunruhigend. Schlimm ist zudem, dass wir unseren besten Mann, den erst im Sommer aus Slovácko gekommenen estnischen Außenverteidiger Vlasij Siňavskij schon jetzt wieder abgeben mussten. Er hat sich Baník Ostrava angeschlossen. Und auch Kapitän Hulka wird uns im Sommer Richtung Reichenberg (Liberec) verlassen. So kann man zwar konstatieren, dass der Klub langfristig klug handelt mit dem Ausbau der Infrastruktur. Aber kurzfristig sportlich muss man sich Sorgen machen. Wir werden froh sein, wenn wir dem Abstieg entrinnen können.
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