Kostenlose Busse und Straßenbahnen sind in mehreren tschechischen Städten längst Realität. Nun will auch die Stadt Klattau (Klatovy) im böhmisch-bayrischen Grenzgebiet den öffentlichen Nahverkehr für alle Fahrgäste gratis anbieten. Ziel ist dabei nicht nur eine Entlastung der Bürger, sondern vor allem ein schnellerer und attraktiverer Stadtverkehr.
Ab Juli fahren die Stadtbusse in Klattau (Klatovy) kostenlos. Bislang mussten Fahrgäste ihre Tickets direkt beim Fahrer kaufen, was nach Angaben der Stadt immer wieder zu Verzögerungen im Fahrplan führte. Künftig soll der Einstieg an allen Türen möglich sein, wodurch die Busse schneller durch die Stadt kommen sollen. Der Grundpreis für eine einfache Fahrt lag bisher bei acht Kronen (etwa 30 Cent).
Die Stadt rechnet durch die Umstellung mit höheren Kosten. Der jährliche Zuschuss für den Nahverkehr soll um rund 3,5 Millionen Kronen (etwa 140 Tausend Euro) steigen. Gleichzeitig erwartet die Verwaltung jedoch einen flüssigeren Betrieb des städtischen Verkehrsnetzes und insbesondere des öffentlichen Nahverkehrs mit seinen drei Buslinien.
Kostenlose Fahrten auch in anderen Städten
Klattau ist nicht die erste Stadt in Tschechien mit kostenlosem Nahverkehr. Bereits seit mehreren Jahren setzen etwa die Städte Kolin (Kolín), Friedeck-Mistek (Frýdek-Místek) oder Wallachisch Meseritsch (Valašské Meziříčí) auf ähnliche Modelle. Besonders im Verkehrsknotenpunkt Wallachisch Meseritsch, der täglich von mehr als 20.000 Fahrzeugen frequentiert wird, verweist die Stadtverwaltung auf deutlich steigende Fahrgastzahlen seit Einführung des kostenlosen Angebots. Nach Angaben des Bürgermeisters Robert Stržínek (ANO) habe sich die Zahl der Fahrgäste innerhalb weniger Jahre von rund 650.000 auf mehr als eine Million jährlich erhöht.
Auch Friedeck-Mistek meldet langfristig stark gestiegene Fahrgastzahlen. Dort kostet die Jahreskarte symbolisch eine Krone. Die Städte begründen ihre Modelle mit dem Ziel, den Autoverkehr zu reduzieren, die Umwelt zu entlasten und Busse für Einwohner und Besucher attraktiver zu machen.
Großstädte setzen auf Ermäßigungen
In den meisten tschechischen Großstädten existiert ein vollständig kostenloser Nahverkehr bislang nicht. Prag, Brünn (Brno) oder Ostrau (Ostrava) bieten jedoch bestimmten Bevölkerungsgruppen Vergünstigungen oder freie Fahrten an – meist für Kinder, Senioren oder Menschen mit Behinderung.
In Prag dürfen beispielsweise Senioren ab 65 Jahren und Kinder bis 15 Jahre kostenlos Busse, Straßenbahnen und Metro nutzen. Das gilt auch für Touristen und ausländische Bürger, sofern sie ihr Alter nachweisen können.
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