Die aufwendig restaurierten Kreuzwegstationen in Ober-Mohren (Javor) tragen wieder zweisprachige Inschriften.
Die aufwendig restaurierten Kreuzwegstationen in Ober-Mohren (Javor) tragen wieder zweisprachige Inschriften. Credit: Günter Reichert

Begegnung, Erinnerung und gelebte deutsch-tschechische Freundschaft: Bei den „Tagen der Begegnung“ im September kamen Vertreter des Heimatkreises Braunau und der Patenstadt Forchheim in Braunau (Broumov) zusammen.

Vom 8. bis 13. September 2026 trafen sich der Heimatkreis Braunau und die Gemeinden im Braunauer Ländchen (Broumovsko) unter Beteiligung der Patenstadt Forchheim zum zwölften Mal zu den „Tagen der Begegnung“ in Braunau.

Arnold Vodochodský, der Bürgermeister der Stadt Braunau in Nordböhmen, hieß die 30-köpfige Delegation des Heimatkreises Braunau willkommen und bedankte sich für ihre Verbundenheit und den Einsatz für die aktive Partnerschaft über Jahre hinweg. „Unsere gemeinsame Vergangenheit war nicht immer einfach. Umso wichtiger ist es, dass wir uns heute als Freunde treffen, offen und respektvoll miteinander sprechen und gemeinsam das bewahren, was uns frühere Generationen hinterlassen haben“, sagte der Bürgermeister bei seiner Willkommensansprache. Braunau sei jahrhundertelang ein Ort gewesen, an dem verschiedene Kulturen, Sprachen und Lebensgeschichten aufeinandertrafen. Er fuhr fort: „Wir können die Geschichte nicht ändern, aber wir können beeinflussen, wie wir heute damit umgehen.“

Der stellvertretende Vorsitzende des Heimatkreises Braunau, Günter Reichert, teilte seine persönliche Geschichte mit den Anwesenden: Er sei vor 80 Jahren mit seinen Eltern aus Braunau vertrieben, in Halbstadt (Meziměstí) in einen Transportzug verladen und nach Bayern ausgesiedelt worden. Es berühre ihn sehr, dass er nun als Vertreter der heimatvertriebenen Braunauer das eindrucksvolle Grußwort des Braunauer Bürgermeisters erwidern dürfe. Als Gastgeschenk überreichte er dem Bürgermeister Vodochodský ein historisches Braunauer Stadtwappen für das Muzeum Broumovska. Dieses Wappen hatte über Jahrzehnte hinweg der Braunauer Heimatgruppe Altötting als Dekoration bei ihren Veranstaltungen gedient.

Günter Reichert (links) überreicht Bürgermeister Arnold Vodochodský (rechts) ein historisches Stadtwappen von Braunau. Credit: Günter Reichert

Historisches Erbe wieder sichtbar machen

Höhepunkte des dichten Programms dieser „Tage der Begegnung“ waren die Präsentation der neu erschienenen tschechischen Übersetzung des Buches Die Gemeinde Barzdorf (Božanov) von Oswald Hofmann sowie die Einweihung des wiederhergestellten Kreuzwegs in Ober-Mohren (Javor). An beiden Veranstaltungen nahmen jeweils rund 100 Personen teil.

Alle Stationen des Kreuzwegs in Ober-Mohren, heute ein Teil der Stadt Wekelsdorf (Teplice nad Metují), waren nach der Vertreibung zerschlagen worden. Die einzelnen Elemente waren im Laufe der Jahrzehnte im Boden versunken oder überwuchert worden. Es ist vor allem dem Einsatz der Wekelsdorfer Bürgermeisterin Věra Prokopová zu verdanken, dass diese historischen Denkmale mit hohem materiellen Aufwand wiederhergestellt werden konnten.

Die ursprünglichen deutschen Inschriften der Kreuzwegstationen wurden restauriert und sind nun wieder deutlich lesbar. Die tschechischen Texte befinden sich auf der Innenseite der Metalltür, die dem Schutz der Gemälde auf den Stationen dient. Damit können deutsche wie tschechische Interessierte den Kreuzweg in ihrer jeweiligen Sprache erwandern.

Spuren der Vergangenheit

Die Delegation des Heimatkreises Braunau, deren Anreise und Aufenthalt vom Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds und der Sudetendeutschen Stiftung gefördert wurden, besuchte zudem das Muzeum Broumovska und das Muzeum Náchodska. Dort sind Gegenstände und Kunsthandwerk aus dem Besitz früherer deutscher Bewohner des Braunauer Ländchens ausgestellt.

Ein besonderes Ereignis war der virtuelle Rundgang über den historischen Braunauer Ringplatz (heute Mírové náměstí), den der 94-jährige Zeitzeuge Walter Hecht in der Stadtgalerie LokArt ermöglichte. Anschließend kamen die Delegation und interessierte Einwohner Braunaus bei Kaffee und Kolatschen im neu eröffneten Café Herzog zusammen, das wunderbar im Stil eines traditionellen Wiener Kaffeehauses gestaltet ist.

Ehrenmitgliedschaft und feierlicher Abschluss

Mit der Verleihung der Ehrenmitgliedschaft an den ehemaligen Forchheimer Oberbürgermeister Uwe Kirschstein wurde der protokollarische Höhepunkt der Begegnungstage eingeleitet. Heimatkreisbetreuer Erik Buchholz würdigte Kirschsteins Engagement für die Braunauer Patenkinder der Stadt Forchheim.

Der ehemalige Forchheimer Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (rechts) nimmt vom Heimatkreisbetreuer Erik Buchholz (links) die Urkunde über seine Ehrenmitgliedschaft im Heimatkreis Braunau entgegen. Credit: Günter Reichert

Den Abschluss der diesjährigen „Tage der Begegnung“ bildeten ein Konzert zur Einweihung der restaurierten Orgel in der ehemaligen Pfarrkirche zum Heiligen Kreuz in Ober-Adersbach (Horní Adršpach) sowie ein zweisprachiger Gottesdienst in der Braunauer Pfarrkirche St. Peter und Paul.

Werden Sie noch heute LandesECHO-Leser.

Mit einem Abo des LandesECHO sind Sie immer auf dem Laufenden, was sich in den deutsch-tschechischen Beziehungen tut - in Politik, Gesellschaft, Wirtschaft oder Kultur. Sie unterstützen eine unabhängige, nichtkommerzielle und meinungsfreudige Zeitschrift. Außerdem erfahren Sie mehr über die deutsche Minderheit, ihre Geschichte und ihr Leben in der Tschechischen Republik. Für weitere Informationen klicken Sie hier.