Im Sommer soll über eine Änderung des Verpackungsgesetzes beratschlagt werden. Das hat Umweltminister Petr Hladík (KDU-CSL) Anfang der Woche angekündigt. Der Gesetzesentwurf sieht demnach die Einführung eines Pfands für PET-Flaschen und Dosen vor.

Mit der Novelle würde in Tschechien ein Pfand in Höhe von etwa vier Kronen erhoben. Zur Pfandrückgabe sollen rund 11.000 Sammelstellen in Geschäften eingerichtet werden, auch an Tankstellen. Das Umweltministerium verspricht sich davon mehr finanzielle Verantwortung von Seiten der Verbraucher und mehr Effizienz für die Sortieranlagen von Verpackungsabfällen. Mit der Gesetzesänderung soll die Grundlage für eine Kreislaufwirtschaft geschaffen werden. Hladík rechnet mit der Unterstützung der Koalition und will den Entwurf im Sommer dem Kabinett vorlegen.

Experiment zeigt mangelnde Effizienz der Mülltrennung

Alle Arten von Plastik werden in Tschechien im Hausmüll in der gelben Tonne entsorgt. PET-Flaschen und Dosen werden anschließend in Sortieranlagen vom übrigen Plastik getrennt und recycelt – so die Theorie. Ein vom Umweltministerium und dem Unternehmen Adastra Lab vorgestelltes Experiment hat gezeigt, dass rund 40 Prozent der PET-Flaschen erst drei Monate nach der Entsorgung in einer Müllsortierungsanlage landen. Dabei gelangen nur 19 Prozent der sortierten Flaschen auf einen Wertstoffhof, der Rest wird auf die Mülldeponie gebracht. Fast jede zehnte recycelte PET-Flasche gelangt ins Ausland, um dort aufbereitet zu werden.

ANO meldet Zweifel an Pfandsystem

Laut dem ehemaligen Umweltminister Richard Brabec (ANO) könnte die Einführung eines Pfandsystems die sonstige Mülltrennung gefährden. Zwar könne so vielleicht der Recyclinganteil von PET-Flaschen erhöht werden, andere Plastikabfälle würden jedoch gleichzeitig freier entsorgt werden, so Brabec. Wie er anregte, sind die Menschen daran gewöhnt, sämtlichen Plastikmüll in den gelben Behältern zu entsorgen und wenn sie einen Teil davon zu Sammelstellen bringen müssten, würde das restliche Plastik im gemischten Müll landen. 

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Tschechien und sein Pfandsystem

Unsere Landesbloggerin Helene lebt seit 3 Monaten in Prag. Bis heute ist es für sie ein befremdliches Gefühl, Cola-Dosen oder Wasserflaschen in den Mülleimer statt in den Pfandautomaten zu werfen. Nun hat sie sich nun mit der Frage beschäftigt, warum es in Tschechien kein einheitliches Pfandsystem gibt und ob die Regierung in den kommenden Jahren…

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