Die aufgrund des Nahostkriegs gestiegenen Preise für Kraftstoffe und Asphalt belasten den Straßenbau in Tschechien. Bauunternehmen warnen vor höheren Ausgaben und damit verbundenen, möglichen Verzögerungen. Der Staat und die Regionen beraten über den Umgang mit der Situation.

Nicht nur die Krafstoffpreise, auch die Preise für Asphalt sind in den letzten Wochen – bedingt durch den Krieg im Nahen Osten – gestiegen. Aufgrund der jüngsten Entwicklungen melden Bauunternehmen nach Angaben der Straßen- und Autobahndirektion (ŘSD) deshalb wachsende Unsicherheiten bei der Kalkulation ihrer Kosten. Denn während langfristige Bauvorhaben – dank vertraglich festgelegter Inflationsklauseln – in Teilen gegen Preissteigerungen abgesichert sind, ist das bei kurzfristigen Reparaturen und Sanierungen meist nicht der Fall. Die ŘSD befürchtet daher eine Verteuerung entsprechender Straßenbauprojekte, sowie Verzögerungen im Zeitplan. „Wenn es sich um ein einmaliges und kurzfristiges Problem handelt, wird der Markt damit umgehen müssen“, prognostiziert ŘSD-Chef Mátl gegenüber CT24.

Bauwirtschaft fordert Lösungen

Vertreter der Branche verweisen gegenüber dem Tschechischen Fernsehen darauf, dass sich die Preise für Asphalt innerhalb kurzer Zeit nahezu verdoppelt hätten. Das verteuere sowohl die Instandsetzung als auch den Neubau von Straßen erheblich. Hinzu kämen die steigenden Treibstoffkosten, die sich auch auf Transport, Subunternehmen und Produktion auswirkten. Viele Unternehmen sehen sich dadurch mit sinkenden Gewinnmargen konfrontiert und drängen auf Gespräche mit öffentlichen Auftraggebern über mögliche Anpassungen. Vertreter von Staat und Regionen betonen jedoch, dass bestehende Verträge grundsätzlich gelten würden: „Die bisherigen Verträge sind gültig“, wird Martin Půta (SLK/STAN), Gouverneur der Region Liberec und Vorsitzender der Verkehrskommission des Verbandes der Regionen der Tschechischen Republik vom Tschechischen Fernsehen zitiert. Ob es zu einem Entgegenkommen der Politik kommt, dürfte, wie bereits von ŘSD-Chef Mátl angesprochen, von der weiteren Preisentwicklung abhängen. Politisch wird tschechischen Medienberichten zufolge bereits über mögliche Maßnahmen diskutiert, etwa über steuerliche Entlastungen oder alternative Bezugsquellen für Rohstoffe. Konkrete Entscheidungen stehen jedoch noch aus.

ŘSD hält an geplanten Straßenbauprojekten fest

Trotz der aktuellen Unsicherheiten hält der Staat an seinen Ausbauplänen fest und plant weiterhin neue Autobahn- und Straßenprojekte. Für die Verkehrsinfrastruktur stehen in diesem Jahr mehr als 81 Milliarden Kronen (etwa 3,3 Milliarden Euro) zur Verfügung. Deutlich angespannter ist die Lage auf regionaler Ebene. Für die Instandhaltung von Straßen niedrigerer Kategorien sind CT24 zufolge bis dato noch keine staatlichen Mittel freigegeben. Mehrere Regionen warnen vor Finanzierungslücken und erhöhen ihre Eigeninvestitionen, sehen darin jedoch keine dauerhafte Lösung. Die weitere Entwicklung hängt nach Einschätzung von Experten vor allem davon ab, ob sich die Preise für zentrale Rohstoffe stabilisieren. Die ŘSD hält dennoch daran fest, den Ausbau der Infrastruktur möglichst ohne größere Verzögerungen fortzuführen.

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