Die neue „Böhmische Bank“ vor dem Johanneshaus der Dresdner evangelisch-lutherischen Kirchgemeinde erinnert an die Flucht böhmischer Protestanten nach Dresden im 30-jährigen Krieg.
Seit Ende November steht vor dem Johanneshaus der Dresdner evangelisch-lutherischen Kirchgemeinde Johannes-Kreuz-Lukas eine große Eckbank. Die Reliefs auf den Lehnen aus Eichenholz erzählen eine Geschichte sächsisch-böhmischer Beziehungen. Es geht um die evangelischen böhmischen Exulanten in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges, um die durch sie in Dresden gegründete Exulantengemeinde, die Dresdner Erlöserkirche und die heutige Gemeindepartnerschaft zweier Kirchengemeinden in Dresden und Prag.
Glaubensflucht und Neubeginn
In einer kurzen Zeit der Religionsfreiheit in Böhmen konnte in Prag von 1611 bis 1614 die evangelische Salvatorkirche (Kostel Svatého Salvátora) gebaut werden. 1618 begann der Dreißigjährige Krieg. Mit der Schlacht am Weißen Berg 1620 und der Niederlage der protestantischen Stände setzte die Rekatholisierung und die teilweise blutige Verfolgung der böhmischen Protestanten ein.
Während des Kriegs flohen etwa 36 000 Familien aus dem Land, davon wohl die Hälfte nach Sachsen. Eine Gruppe von Auswanderern, vor allem aus Prag, hielt sich zuerst in Pirna auf. 1628 bekamen sie von Kurfürst Johann Georg I. die Erlaubnis, evangelische Gottesdienste in tschechischer Sprache zu feiern. Später zogen viele von ihnen nach Dresden, der Kurfürst genehmigte 1650 die Gründung einer eigenen Gemeinde in der sächsischen Hauptstadt. Die Nachkommen der Exulanten ließen um 1880 im jetzigen Dresdner Stadtteil Striesen die Erlöserkirche bauen, bei den Luftangriffen im Februar 1945 wurde sie stark beschädigt und später abgerissen. Heute besteht zwischen der Prager Salvator-Kirchgemeinde – sie gehört zur Evangelischen Kirche der Böhmischen Brüder – und der Johannes-Kreuz-Lukas-Kirchgemeinde Dresden eine Partnerschaft.
Geschichte in Holz geschnitzt
An all dies erinnern die Motive auf den Banklehnen: Ein Zug von Flüchtlingen – mit Wagen und zu Fuß – und ihr Weg von Prag nach Dresden entlang von Moldau und Elbe ist zu sehen. Dazu die Wappen von Prag und Dresden sowie die Prager Salvatorkirche und die Dresdner Erlöserkirche. Entworfen und ausgeführt hat die Reliefs der tschechische Holzgestalter Ivo Švejnoha aus Kittlitz (Kytlice) im Lausitzer Gebirge. Die Bank und ihre Gestaltung wurden von der Landeshauptstadt Dresden finanziell gefördert.

Die Bank der Kirchgemeinde soll nicht nur den Besuchern des Johanneshauses dienen, sondern allen, die in der Umgebung wohnen oder auf dem Weg vorbeikommen. Mit ihrer Form als Eckbank lädt sie nicht nur zum Verweilen, sondern auch zum Gespräch ein.
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