Ostern in Tschechien vereint zahlreiche lebendige Bräuche, vom grünen Bier über die geflochtene Osterrute bis hin zu traditionellen Festspeisen und zeigt auf vielfältige Weise, wie diese Zeit gefeiert wird.

Ostern (auf Tschechisch Velikonoce) ist auch in Tschechien eine Zeit lebendiger Traditionen und besonderer Bräuche. Wie in vielen europäischen Ländern erinnern die Osterfeiertage in Tschechien an die Auferstehung Jesu Christi. Gleichzeitig spiegeln sie jedoch auch alte Traditionen wider, die den Winter vertreiben und den Frühling willkommen heißen.

Gründonnerstag (Zelený čtvrtek)

Ein besonders auffälliger Brauch ist das sogenannte grüne Bier. Ab Gründonnerstag wird in vielen Kneipen und Brauereien grünes Bier ausgeschenkt. Was zunächst ungewöhnlich klingt, ist längst ein fester Bestandteil der tschechischen Osterkultur. Die grüne Farbe des Bieres entsteht durch die Zugabe von speziellen Zutaten während des Brauprozesses, häufig ist dies Spirulina oder grüne Lebensmittelfarbe.

In Tschechien trinkt man zur Osterzeit grünes Bier
In Tschechien trinkt man zur Osterzeit grünes Bier. Credit: Manuel Rommel

Karfreitag und Karsamstag  (Velký pátek a Velká sobota)

Der Karfreitag ist in Tschechien ein ruhiger und besinnlicher Tag. Viele Menschen besuchen Gottesdienste oder verbringen Zeit in der Natur bei Spaziergängen und Ausflügen. Anders als in Deutschland gibt es jedoch kein striktes Tanzverbot. Der Tag verbindet religiöse Bedeutung mit einer entspannten und familiären Atmosphäre.

Eine weitere alte Tradition, die vor allem in ländlichen Regionen bis heute gepflegt wird, sind die sogenannten Osterratschen (Velikonoční řehtačky), die insbesondere am Karfreitag und Karsamstag zum Einsatz kommen. In dieser Zeit erklingen die Kirchenglocken nicht, und der Volksglaube erzählt, sie seien „nach Rom geflogen“, um dort geweiht zu werden. Stattdessen ziehen Kinder mit hölzernen Ratschen durch die Straßen und erzeugen laute Geräusche, als Ersatz für die fehlenden Kirchenglocken.

Rumpelkasten und Osterratsche
Rumpelkasten und Osterratsche. Credit: Günther Wohlrab/ Eghaland Bladl

Palmsonntag (Květná neděle)

Am Palmsonntag findet an der Karlsbrücke die sogenannte Eierparade statt. Dabei zieht eine Gruppe mit hunderten hartgekochten Eiern von Welwarn (Velar) nach Prag. Dieser ungewöhnliche Lauf erinnert an eine alte Legende, die ihren Ursprung im 14. Jahrhundert hat: Damals soll das Volk mit (rohen) Eiern ⎼ die in den Mörtel gemischt wurden ⎼ zum Bau der Karlsbrücke beigetragen haben. Die Bewohner von Welwarn (Velvary), einem Örtchen 25 Kilometer nordwestlich von Prag, machten sich aber zum Gespött, als sie die Eier kochten, damit sie auf dem Weg nach Prag nicht kaputt gingen. So waren diese natürlich nicht mehr zum Bau zu gebrauchen. 

Aus dem Malheur wurde eine Tradition: Seit 2015 wird diese gepflegt und hat sich inzwischen zu einem festen Bestandteil der Osterzeit entwickelt. In diesem Jahr fand die Eierparade bereits zum zwölften Mal statt: Am 29. März zog die Gruppe durch Prag und überquerte gegen 13 Uhr die Karlsbrücke.

Eine Gruppe von Menschen bei der Eier-Prozession auf der Karlsbrücke, einige in historischer Kleidung mit Hüten, steht vor dem Prager Altstädter Brückenturm. Ein Mann im beigen Anzug spricht in ein Mikrofon, während Fotografen und Kameraleute die Szene aufnehmen. Im Hintergrund sind Schilder mit Aufschriften wie „VELVARY“ und „VELVARY SE VALÍ DO PRAHY“ zu sehen.
Der Bürgermeister von Welwarn hielt eine Ansprache, bevor die Eier im vergangenen Jahr an die Bürgermeisterin von Prag 1 überreicht wurden. Credit: Lucie Bruchhold

Ostermontag (Velikonoční pondělí)

Der wohl bekannteste und zugleich umstrittenste Brauch bezieht sich auf die Osterrute (Pomlázka). Am Ostermontag gehen Jungen und Männer von Haus zu Haus und schlagen Frauen und Mädchen symbolisch mit geflochtenen Weidenruten. Was für Außenstehende befremdlich wirken mag, hat eine positive Bedeutung: Die Ruten sollen Gesundheit und Jugend bringen. Die Frauen bedanken sich traditionell mit bunt bemalten Ostereiern, Süßigkeiten oder auch einem Schnaps. In manchen Regionen wird der Brauch durch das Übergießen mit Osterwasser ergänzt, wobei Frauen mit Wasser besprengt werden. Was einst Gesundheit und Fruchtbarkeit symbolisieren sollte, ist heute vor allem ein fröhliches Ritual, bei dem der Spaß im Mittelpunkt steht.

Die Osterrute wird traditionell aus frischen Weidenzweigen geflochten, meist aus vier bis acht Ruten. Am oberen Ende werden bunte Bänder befestigt. Heute kann man die kunstvollen Ruten auch auf Ostermärkten kaufen oder in Workshops selbst herstellen.

Kleine Osterruten stehen zum Verkauf.
Kleine Osterruten stehen zum Verkauf. Credit: Saray Kourouma

Was man in Tschechien an Ostern isst

Auch kulinarisch hat Ostern in Tschechien einiges zu bieten. Traditionell kommen dabei zahlreiche süße Spezialitäten auf den Tisch: Der Mazanec, ein Osterbrot mit Rosinen und Mandeln, gehört ebenso dazu wie der Beránek, ein Kuchen in Lammform, der den Frühling symbolisiert. Ergänzt wird das Festgebäck durch die Velikonoční štola, eine Art Osterstollen mit kandierten Früchten. 

In vielen Familien gehört Mazanec zum traditionellen Osteressen dazu.
In vielen Familien gehört Mazanec zum traditionellen Osteressen dazu. Credit: slevomat.cz

Daneben kommen auch viele herzhafte Spezialitäten auf den Tisch. Typisch sind Gerichte wie Nádivka, eine würzige Kräuter-Fleisch-Füllung mit Eiern und Brennnesseln, oder Šmigrustovka, eine herzhafte Ostersuppe aus geräucherter Fleischbrühe, Wurst und gekochten Eiern, verfeinert mit Kräutern wie Schnittlauch und oft einem Hauch Meerrettich.

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