Im Rahmen des InterBridge-Projekts besuchten Schülerinnen und Schüler aus Tschechien und Deutschland gemeinsam Museen und Ausstellungen. Auch der Austausch zwischen den Kindern über Grenzen hinweg stand im Fokus.
Im Dezember dieses Jahres fanden zwei gemeinsame Exkursionen tschechischer und deutscher Schülerinnen und Schüler zu den Themen Technologie, Glas und Mineralien statt. Sie brachten Kinder aus Grundschulen in Reichenberg (Liberec) und Haida (Nový Bor) mit Schülerinnen und Schülern des Christian-Weise-Gymnasiums in Zittau zusammen. Die Exkursionen wurden im Rahmen des InterBridge-Projekts organisiert und thematisch mit der zweiten Gruppenausstellung des Projekts in der Galerie N der Universität in Gablonz an der Neiße (Jablonec nad Nisou) verknüpft. Ziel dieser Treffen war es nicht nur, interessante Orte zu besuchen, sondern vor allem persönliche Begegnungen zu ermöglichen, Erfahrungen auszutauschen und ganz natürlich Kontakte zwischen den Kindern beiderseits der Grenze zu knüpfen.
Das InterBridge-Projekt ist ein tschechisch-deutsches Projekt der Technischen Universität Reichenberg (Technická univerzita v Liberci) und der Technischen Universität Chemnitz, das mit Unterstützung des Interreg-Programms Sachsen-Tschechien durchgeführt wird. Es verbindet Wissenschaft, Technologie und Kunst und legt besonderen Wert auf die Arbeit mit der jungen Generation, Schulen und der tschechisch-sächsischen Grenzregion. Das Projekt wird auf tschechischer Seite von Dr. Hana Křížová von der Technischen Universität Reichenberg und auf deutscher Seite von Prof. Daisy Nestler von der Technischen Universität Chemnitz geleitet.
Erste Exkursion: Tschechisch-deutsche Reise in die Welt der Technik
Am Freitag, den 12. Dezember, unternahmen Schülerinnen und Schüler der Grundschule U Lesa in Haida (Nový Bor) – in Begleitung der deutschen Lehrerinnen Krista Šrámková und Katrin Hetfleisch – und des Christian-Weise-Gymnasiums in Zittau (in Begleitung der beiden tschechischen Lehrerinnen Markéta Barth und Katrin Heinze) einen gemeinsamen Ausflug. Schon die Busfahrt selbst war Teil des Programms: Die tschechischen und deutschen Kinder saßen bewusst nebeneinander und erhielten einfache Gesprächsaufgaben. Die deutschen Kinder stellten Fragen auf Tschechisch, die tschechischen Kinder antworteten auf Deutsch. Das ungezwungene Gespräch, mal schüchtern, mal humorvoll, half, die ersten Barrieren schon vor Beginn des Programms abzubauen.
Als Teil der Exkursion besuchten wir das Ferdinand-Porsche-Museum in Maffersdorf (Vratislavice nad Nisou), wo die Kinder etwas über die Technikgeschichte der Region erfuhren, und anschließend eine Führung durch die InterBridge-Ausstellung in der Galerie N in Gablonz an der Neiße. Hier konnten tschechische und deutsche Kinder ihre eigenen Werke sowie die von Studierenden des Fachbereichs Design der Technischen Universität Reichenberg in den Ausstellungsräumen bewundern – von Perlenarbeiten bis hin zu Bekleidungsexperimenten mit 3D-Druck.

Zweite Exkursion: Tschechisches Glas und Mineralien
Das zweite Treffen fand am Montag, den 15. Dezember, statt. Teilgenommen haben Schüler der Sokolovská-Grundschule in Reichenberg (unter der Leitung von Kunst- und Deutschlehrer Pavel Červinka und Schulleiterin Pavlína Roudná) sowie eine Klasse des Christian-Weise-Gymnasiums in Zittau, die unter der Leitung von Lehrer Barth systematisch Tschechisch lernt.
Dieses Mal knüpfte das Programm thematisch an den Ausflug zu Terra Mineralia im sächsischen Freiberg an, der diesen Sommer von den deutschen Projektpartnern der Technischen Universität Chemnitz für Kinder der IPS Stollberg organisiert wurde. Im Mittelpunkt des Ausflugs standen vor allem Mineralien, aber auch Glas und dessen Verwendung in Kunst und Handwerk. Diese Exkursion wird nun durch die künstlerischen Aktivitäten tschechischer und deutscher Kinder mit einem Besuch in Terra Mineralia verknüpft. Die deutschen Partner besorgten daher Bruchstücke von Marmor und Acrylmarker für die Kinder, die nun im Rahmen ihres Kunstunterrichts Dekorationen – bemalte Steine – gestalten. Diese werden fotografiert und in sogenannten Pixelmosaiken verwendet. Dabei handelt es sich um Fotografien verschiedener Objekte und Gebäude, wobei jedes Pixel ein verkleinertes Foto darstellt. Diese Bilder werden Teil der nächsten gemeinsamen Ausstellung des InterBridge-Projekts sein.
Glaskunst in der Kristallkirche
Auf dem Weg nach Reichenberg besuchten die Kinder aus Zittau die Kristallkirche in Kunratitz bei Zwickau (Kunratice u Cvikova). Dort schaffen Glaselemente und Licht eine außergewöhnliche Verbindung zwischen spirituellem Raum und moderner Materie. Die Glasmanufaktur Pačinek schmückte die Kirche mit wunderschönen Glasobjekten. Besonders fasziniert waren die Kinder von den Nachbildungen der tschechischen Kronjuwelen aus Uranglas, die unter UV-Licht grün leuchten. Auch die Glasmonstranz mit einem versiegelten Knochen der Heiligen Zdislava begeisterte die Kinder.

Nach der Abholung der Kinder aus Reichenberg ging der gemeinsame Ausflug weiter zur Galerie Granát in Turnau (Turnov). Dort erfuhren die Kinder mehr über die Geschichte des Abbaus und der Verarbeitung von tschechischem Granat. Auch während dieses Ausflugs wurde der sprachliche Aspekt nicht vernachlässigt: Tschechische und deutsche Kinder unterhielten sich, stellten Fragen und lernten ganz nebenbei. Zurück in Reichenberg bestellten die deutschen Schüler selbstständig und auf Tschechisch ihr Mittagessen in einem Restaurant – ein kleiner, aber wichtiger Moment, in dem Sprache von einer theoretischen Übung zu einem echten Erlebnis wird. Es war daher keine Überraschung, dass die Kinder neben panierten Schnitzeln vor allem eine typisch tschechische Spezialität bestellten – frittierten Käse mit Pommes frites.
Die Galerie als Treffpunkt
Beide Exkursionen umfassten auch einen Besuch der Ausstellung InterBridge – Wissenschaft, Technologie und Kunst in der Galerie N in Gablonz an der Neiße. Präsentiert wurden dort unter anderem Schmuck, Objekte und Dekorationen von Kindern aus Schulen in Reichenberg, Zittau und Haida. Ihre Werke entstanden in Workshops, die dieses Jahr vom InterBridge-Projekt organisiert wurden. Die Perlen und Glaskomponenten, die die Kinder verwendeten, wurden den Schulen von Preciosa, einem Partner des InterBridge-Projekts, gespendet. Die Schüler hatten Preciosa bereits bei früheren Exkursionen in die Produktionsstätte kennengelernt.
Die Kinder hatten somit die Gelegenheit, ihre eigenen Arbeiten in einer echten Kunstgalerie ausgestellt zu sehen – genau wie ihnen bei früheren Exkursionen und Treffen versprochen worden war. Dieser Moment war für viele von ihnen sehr bedeutsam und bestätigte ihnen, dass ihre Arbeit wertvoll und wichtig ist. Als Erinnerung an ihre Arbeit, das Treffen und die Ausstellung entstand im Rahmen des InterBridge-Projekts ein kleines Taschenpuzzle – eine farbenfrohe, zweisprachige Publikation mit dem Titel Perlen in den Werken tschechischer und sächsischer Kinder, die die Kinder bei ihrem Galeriebesuch erhielten.
Das InterBridge-Projekt wird fortgesetzt
Die beiden Exkursionen im Dezember zeigten, dass die deutsch-tschechische Zusammenarbeit bereits bei Kindern beginnen kann – in der Sprache, im kreativen Schaffen und in gemeinsamen Erlebnissen. Das tschechisch-sächsische InterBridge-Projekt geht somit in sein drittes und letztes Jahr, in dem der Fokus verstärkt auf technischen Bereichen, insbesondere Maschinenbau und Elektrotechnik, sowie auf der Zusammenarbeit mit neuen Industriepartnern liegt. Erfahrungen aus den Bereichen Optik, Textilien, Glas, Schmuck und 3D-Druck fließen so nahtlos in andere technische Herausforderungen ein. Doch das Wichtigste bleibt: die Begegnung von Tschechen und Deutschen, der Aufbau von Vertrauen und das natürliche Überwinden von Grenzen – sprachlicher, kultureller und mentaler Art.




