Weizen, Gas und Öl werden durch den Krieg in der Ukraine auch in Tschechien teurer. Die Regierung beschloss erste Maßnahmen, die diese Entwicklung ausbremsen sollen, und sucht nach Versorgungsmöglichkeiten, die unabhängig von Russland sind.

Die europäische Wirtschaft bekommt den Krieg Russlands gegen die Ukraine langsam zu spüren. Die beiden Länder liefern ein Viertel des weltweiten Weizens und Erdöl aus Russland deckt 70 Prozent des Verbrauchs in Tschechien ab. Wie zahlreiche andere europäische Staaten ist auch Tschechien vom russischen Erdgas abhängig. Die tschechischen Behörden sind allerdings optimistisch, Lösungen abseits der Versorgung aus Russland zu finden.

Teures Brot trotz ausreichender Weizenproduktion

Auf dem Weltmarkt spielt die Nahrungsmittelproduktion aus Russland und der Ukraine eine große Rolle, alleine der Weizen macht ein Viertel der weltweiten Produktion aus. Dies spiegelt sich auch in den aktuellen Preisen für Backwaren und Mehl. Weizen ist in Tschechien in der letzten Woche um ein Drittel teurer geworden. Das hat direkte Auswirkungen auf den Brotpreis, Mehl macht etwa 25 Prozent des Gesamtpreises aus. Diese Kostensteigerungen spürt der Verbraucher also direkt an der Ladentheke, auch die steigenden Öl- und Gaspreise haben Auswirkungen auf die Produktionskosten von Backwaren. Dabei könnte Tschechien gut von seinem eigenen Weizen leben.

Die Tschechische Republik ist beim Weizen autark, allerdings geht die Hälfte der Produktion in den Export. Dadurch basiert der Preis auf dem, der auf dem Weltmarkt verhandelt wird. An der Börse von Chicago ist der Weizenpreis auf dem höchsten Stand seit 2008. Auf dem Weizenmarkt ist die größte wöchentliche Steigerung der Geschichte verzeichnet worden, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters. Trotz hoher Weizenproduktion ist Tschechien also nicht vollkommen unabhängig von der russischen und ukrainischen Agrarindustrie. Auch die Preise für Mais und Sojaöl sind auf einem Zehnjahreshoch.

Öl- und Gaspreise steigen, Reserven sind gefüllt

Die Kraftstoffpreise in Tschechien steigen aufgrund der russischen Invasion auf historische Höchststände. Benzin kostet inzwischen im Schnitt 46,64 Kronen (1,84 Euro) und Diesel 49 Kronen (1,94 Euro). Die Preissteigerung der letzten Tage schreitet stetig voran, am Dienstag stieg der Preis für Benzin um 1,70 Kronen und für Diesel um 2,15 Kronen. Am Mittwoch wurde Benzin 1,43 Kronen und Diesel 1,56 Kronen teurer. In einem normalen Jahr deckt das Erdöl aus Russland über 70 Prozent des tschechischen Verbrauchs ab, die größte Raffinerie Tschechiens ist ausschließlich auf die Verarbeitung von russischem Öl ausgelegt.

Mit einem jährlichen Import von fünfeinhalb Millionen Tonnen Erdöl aus Russland ist Tschechien also direkt von den Lieferungen aus Russland abhängig. Deshalb bereitet sich Tschechien nun auf eine größere Unabhängigkeit von Russlands fossilen Energieträgern vor und begibt sich auf die Suche nach einem Ersatz.

Der Sonderbeauftragte für Energiesicherheit Václav Bartuška gab sich gegenüber dem tschechischen Rundfunk optimistisch, für die Preissteigerungen sah er eher psychologische Gründe. „Beim Öl habe ich keine Bedenken. Schon vor sieben Jahren haben wir erkannt, dass wir ohne russisches Öl auskommen können, nämlich als die Druschba-Pipeline ausfiel“, so Bartuška. Die Ölvorräte der Republik sind gut gefüllt und reichen für 94 Tage, außerdem verfügt das Land über Öl aus Deutschland und Verbindungen zu Adriahäfen.

Die größte Herausforderung wäre allerdings ein Wegfall des russischen Gases. „Falls das russische Gas ausfällt – und das sind immerhin 40 Prozent der Lieferungen in Europa –, brauchen wir neue Lösungen. Aber ich bin absolut überzeugt, dass wir diese finden werden“, so Bartuška. Die tschechische Regierung befindet sich bereits in Beratungen mit der EU und Großbritanniens Premier Boris Johnson, wie eine Unabhängigkeit von den Lieferungen aus Russland bewerkstelligt werden könnte. „Dies lässt sich natürlich nicht von einem Tag auf den anderen umsetzten“, erklärte der tschechische Premierminister Petr Fiala (ODS).

Regierung versucht steigende Benzinpreise zu verlangsamen

Um die Preissteigerung zu entschärfen, beschloss die Regierung zudem einige Maßnahmen. So soll die verpflichtende Beimischung von Biokomponenten zu den Kraftstoffen abgeschafft werden. Die Regierung verhofft sich dadurch eine Preiseinsparung um zwei Kronen pro Liter Diesel. Die Agrargewerkschaft erklärte allerdings bereits, dass die Abschaffung der Beimischung von Biokomponenten in Kraftstoffe ein schlechter Schritt sei, der sich nicht auf die Kraftstoffpreise auswirken werde.

Zudem wurde eine teilweise Abschaffung der Kfz-Steuer beschlossen. Uneinig ist sich die Regierung allerdings, was eine Deckelung von Kraftstoffpreisen angeht. Sollte sich die Situation wie erwartet weiter verschärfen, stehen wohl eher weitere Steuerentlastungen an. Mehrere Minister kündigten bereits unabhängig voneinander an, dass eine Senkung oder Abschaffung der Mehrwertsteuer auf Benzin und Diesel eine weitere Option sei. Die kommenden Preissteigerungen können auch zu einer Verteuerung des ÖPNV und der Logistik führen, warnen Experten.