Dadurch soll der steigenden Inflationsrate entgegengewirkt werden. Die tschechische Regierung zeigt sich von der Entscheidung wenig begeistert.

Der Vorstand der Tschechischen Nationalbank (ČNB) hat einen historischen Schritt getätigt. Um der steigenden Inflationsrate entgegenzuwirken, die im August bei über vier Prozent lag, haben die Verantwortlichen den nationalen Leitzins von 0,75 Prozent auf 1,5 Prozent verdoppelt. Seit 1997 wurde der Zinssatz ansonsten stets schrittweise und nie mehr als um einen Viertelprozentpunkt erhöht. Je nach weiterer Entwicklung bis zum Ende des Jahres könnte der Leitzins sogar noch auf bis zu zwei Prozent steigen, das wäre das Niveau vom Beginn des Jahres 2020, vor Ausbruch der Corona-Pandemie.

Die steigende Inflationsrate macht sich durch eine Verteuerung vieler Produkte bemerkbar. Mit der Anhebung des Leitzinses erhoffen sich die wichtigsten Bänker des Landes, dem Preisdruck in der tschechischen Wirtschaft nun entgegensteuern zu können. Konkret bedeutet dies, dass Investitionen und Kreditaufnahmen zukünftig einen höheren Zinssatz nach sich ziehen und somit weniger Geld in Umlauf gerät. Gleichzeitig profitieren Inhaber von Sparguthaben von der höheren Verzinsung. Zudem dürfte die Anhebung des Leitzinses und die damit einhergehende Aufwertung der Tschechischen Krone wohl zu veränderten Konditionen beim Währungsumtausch führen.

Kritik seitens der Regierung

Die tschechische Regierung zeigte sich von der Entscheidung der Tschechischen Nationalbank wenig angetan. Finanzministerin Alena Schillerová (ANO) teilte über Twitter mit, dass unter anderem der Mangel an Rohstoffen und Arbeitskräften für die momentane Situation verantwortlich sei. „Somit stellt die Erhöhung des Leitzinses keine Lösung dar“, so Schillerová. Vielmehr erschwere man es der tschechischen Wirtschaft damit eher. Bereits vergangene Woche hatte die tschechische Finanzministerin verlautbart, dass die erwartete Zinserhöhung keine gelungene Entscheidung sei, weil im kommenden Jahr die öffentlichen Finanzen wieder konsolidiert werden sollen. Dies führe dazu, dass die Kosten für die Bedienung der Staatsschulden stiegen.

Auch Ministerpräsident Andrej Babiš (ANO) kritisierte die CNB heftig für ihre Entscheidung. Der nun getätigte Schritt werde der tschechischen Wirtschaft und vielen tschechischen Haushalten, die Kredite aufgenommen haben, schaden, so Babiš. Der Ministerpräsident sah sich infolgedessen ebenfalls Anwürfen von den Oppositionsparteien ausgesetzt. Ivan Bartoš, Parteivorsitzender der Piraten und Spitzenkandidat bei der anstehenden Abgeordneten-hauswahl, verurteilte Babiš und Schillerová auf Twitter für ihre Äußerungen. Obwohl die Inflationsrate steige, versuchten der Ministerpräsident und seine Finanzministerin die ČNB davon zu überzeugen, die Zinsen nicht zu erhöhen. Doch dies sei den beiden nicht gelungen. „Heute hat sich die ČNB als wirklich unabhängige Institution behauptet“, so Bartoš.