Schon traditionell zeigt das Festival des deutschsprachigen Films im Herbst aktuelle Produktionen aus drei Ländern. Wir geben einige Empfehlungen.

Oktober und November gehören in Tschechien dem deutschsprachigen Film. DAS FILMFEST zeigt in drei Städten eine Auswahl von Filmen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. In Prag, Brünn (Brno) und in diesem Jahr auch in Olmütz (Olomouc) können sich Filmfreunde bereits zum 16. Mal ein kompaktes Bild über das aktuelle Filmschaffen in den drei Ländern machen. DAS FILMFEST zeigt nicht die international bekannten Streifen, sondern legt Wert auf Filme, die sonst nicht den Weg in tschechische Kinos finden würden. Start ist am 20. Oktober in Prag. Ab 1. November gastiert das Festival für zehn Tage in Olmütz und parallel zwischen dem 2. und 6. November in Brünn. 

Emanzipierte Kaiserin

Das Filmfest wird im Prager Kinosaal von Lucerna vom österreichisch-deutsch-luxemburgischen Emanzipationsdrama „Corsage“ (Das Korsett) eröffnet. Die österreichische Regisseurin Marie Kreutzer legt ein fiktives, reinterpretiertes Portrait der Kaiserin Elisabeth von Österreich vor, deren Leben sprichwörtlich ins Mieder zusammengeschnürt wurde. Die Geschichte setzt 1877 nach Sissis 40. Geburtstag an, als sie dem von ihr selbstinszenierten Bild der jugendlichen Schönheit zu trotzen beginnt. Kreutzers Monarchin strebt nach Freiheit und Emanzipation, womit sie sich vom romantischen Vorbild Romy Schneiders aus dem berühmten Opus von Ernst Marischka aus den 1950er Jahren diametral unterscheidet. Denn Kreutzer zeigt Sissi als eine launische, impulsive, offene und unkonventionelle Frau. Sie treibt Sport und raucht, ist eine aufmerksame und liebevolle Mutter sowie Rebellin, die symbolisch ihre knielangen Haare abschneiden lässt. Um sich von der verhassten Hofburg zu befreien, lässt sie sich bei gesellschaftlichen Anlässen von einer Doppelgängerin vertreten. Die Kaiserin wird überzeugend von der Luxemburgerin Vicki Krieps dargestellt, die für ihre Rolle in dem Kostümdrama auf dem diesjährigen Filmfestival von Cannes den Preis der besten Darstellerin erhielt.

Die deutsche Filmemacherin und Fotokünstlerin Franziska Stünkel kommt mit ihrem Film „Nahschuss“ nach Prag. Das Werk basiert auf der Lebensgeschichte des Stasi-Offiziers Werner Teske, der nach dem Todesurteil des Obersten Gerichts der DDR als der letzte Häftling in der ehemaligen DDR für schuldig befunden und am 26. Juni 1981 durch Nahschuss in den Hinterkopf hingerichtet wurde. Die Regisseurin verfolgt Taskes Lebensweg von seiner Kindheit in Berlin über die Studienzeit, seine Tätigkeit als Führungsoffizier für Westspione im Bereich Wissenschaft und Technik bis hin zum Prozess gegen ihn.

Lars Eidinger wird in „Nahschuss” zu sehen sein. Foto: Das Filmfest

Lars Eidinger wird in „Nahschuss” zu sehen sein. Foto: DAS FILMFEST

Gefangen im Netz und ein Vater-Tochter-Portrait

Die Dokumentarfilm-Riege wird auf dem FILMFEST vom Schweizer Streifen „Girl Gang“ vertreten, in dem Susanne Regina Meures Blicke ins Leben einer Influencerin gewährt, die sich seit der Kindheit den sozialen Netzwerken verschrieben hat.

Ein anderes Thema, das komplizierte Vater-Tochter-Verhältnis, verarbeitet der Titel „Mein Vater, der Fürst“. Lukas Sturm und Lila Schwarzenberg, die leibliche Tochter von Karel Schwarzenberg, erzählen über die komplizierte Beziehung zum übermächtigen Vater, die trotz gegenseitiger Liebe und Bemühungen keinesfalls einfach verläuft. Mit diesem intimen Portrait ehrt die Filmemacherin Morgan-Schwarzenberg den 85. Geburtstag ihres Vaters und zugleich eines Politikers, der als der tschechische Außenminister tätig war und schon heute legendär ist.

Lila Schwarzenberg hat ein Portrait ihres Vaters, des früheren tschechischen Außenministers Karel Schwarzenberg, gedreht. Foto: DAS FILMFEST

Lila Schwarzenberg hat ein Portrait ihres Vaters, des früheren tschechischen Außenministers Karel Schwarzenberg, gedreht. Foto: DAS FILMFEST

In Zusammenarbeit mit dem Prager Kino „Ponrepo“ wird auf dem diesjährigen FILMFEST-Jahrgang zudem eines der wichtigsten Repräsentanten der deutschen Kinematografie gedacht. Die Rede ist vom Regisseur Rainer Werner Fassbinder, seit dessen vorzeitigen Tod 40 Jahre vergangen sind. Ihm ist eine Retrospektive mit Filmen wie „Berlin Alexanderplatz“, „Die Ehe der Maria Braun“ und „Deutscher Herbst“ gewidmet.

DAS FILMFEST findet in Kooperation des Goethe-Instituts, des Österreichischen Kulturforums und der Schweizer Botschaft in Prag statt. Alle Filme werden mit tschechischen oder englischen Untertiteln gezeigt.

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