Die Nationalgalerie zeigt erstmals ihre Bestände buddhistischer Kunst. Ergänzt werden sie durch Leihgaben aus der Schweiz.

Wer derzeit die Ausstellungssäle der Wallenstein-Reithalle (Valdštejnská jízdárna) in Prag betritt, wird das Gefühl nicht los, nach Asien geraten zu sein. Die Besucher treffen hier auf 200 Kunstwerke aus 18 Jahrhunderten buddhistischer Kunst. Die ältesten stammen aus dem 2. Jahrhundert, die jüngsten aus dem 20. Jahrhundert. Es ist das erste Mal, dass die Geschichte buddhistischer Kunst so komplex in Tschechien gezeigt wird. Die Werke sind eine Auswahl aus den Sammlungen der Nationalgalerie Prag und des Züricher Museums Rietberg.

Raum zum Meditieren

„Die Exposition umfasst die multikulturelle Wesensart des Buddhismus quer durch die asiatischen Kulturen und thematisiert gleichzeitig grundlegende Gedanken der Buddha-Lehre, die über 2500 Jahre alt ist“, erklärt Markéta Hánová, Direktorin der Sammlung asiatische Kunst der Nationalgalerie Prag. Die Auswahl der Kunstwerke umfasst Statuen, Reliefs, Altäre, Handschriften und Druckstöcke. Dazu kommen audiovisuelle und interaktive Elemente. Für die Besucher wurde sogar ein Meditationsraum eingerichtet.

Von Asien nach Tschechien

Die einfühlsame Installation in anthrazitfarbenen Vitrinen und Glasnischen soll den Besucher zu den Grundgedanken der buddhistischen Lehre führen. Sie zeigt zunächst seine Verbreitung von Indien aus auf dem asiatischen Kontinent und später nach Europa. Letzteres erfolgt durch eine audiovisuelle Landkarte aus den Sammlungen des Züricher Museums, die in Prag um ein tschechisches Kapitel erweitert wurde. Ein gesonderter Teil der Ausstellung befasst sich mit den tschechischen Sammlern buddhistischer Kunst und einigen vom Buddhismus inspirierten Künstlern wie František Kupka, Jan Zrzavý, Josef  Váchal, Emil Orlik oder František Drtikol.

Ein Bodhisattva mit Vajra aus Japan, 17. Jahrhundert. Foto: Nationalgalerie Prag, Katarína Hudačinová

Ein Bodhisattva mit Vajra aus Japan, 17. Jahrhundert. Foto: Nationalgalerie Prag, Katarína Hudačinová

Von Buddha bewacht

Den Ausstellungseingang bewacht der Gründer des Buddhismus, der Buddha Shakyamuni (etwa 480-400 v. Ch.). Die anmutige Statue stammt aus dem 3. Jahrhundert. Sie behütete im Gebiet von Ghandara im heutigen Pakistan den dortigen Tempel. „Zwar trägt sie ikonografische Merkmale von Buddha, wie den Haarknoten, den Punkt auf der Stirn und die länglichen Ohrmuscheln, im Ganzen jedoch ähnelt sie dem antiken Stil, so dass sie an einen gut gewachsenen jungen Mann erinnert“, beschreibt Markéta Hánová die Skulptur.

Der Weg des Siddharta

Im Einführungsteil „Wer ist Buddha?“ sind unterschiedlichste Buddha-Statuen versammelt, die die jeweilige Vorstellung über seine Gestalt an verschiedenen Orten belegen. Zu den eindrucksvollsten Ausstellungsobjekten zählt zweifellos die farbige Rolle der Buddha-Legende an der Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert aus Japan, die sich ganze 15 Meter horizontal in den Raum erstreckt, und die in ihrer Gesamtheit zum ersten Mal präsentiert wird. Dieser Beitrag aus der Sammlung der Prager Nationalgalerie schildert die Geburt von Siddharta und seine Begegnung mit vier wichtigen Personen – dem alten, kranken und toten Menschen sowie einem bettelnden Mönch. Danach beschreibt sie seine Flucht aus dem Königspalast und sein asketisches Leben in den Bergen. Nach der Rückkehr ins Tal kommt es zur geistigen Erweckung. So konnte der zukünftige Buddha das Nirwana betreten.

Gigantischer Buddhakopf

Die größte Schweizer Leihgabe ist ein gigantischer Steinkopf Buddhas. Einst gehörte er zu einer 60 Meter hohen Statue in einem Felsenkomplex in der chinesischen Provinz Che-Pei. Die Skulptur wurde von Mönchen in der Mitte des 6. Jahrhunderts ausgemeißelt. Die Art der Installation in Prag verleiht dem Besucher das Gefühl, das Buddha-Haupt direkt in einer authentischen Grotte anzuschauen. In der Schau sind auch Zen-Malerei und japanische Kalligraphie zu sehen. Dazu gehören auch Tusche-Arbeiten, die häufig mit kalligraphischen Texten in Hängerollen gewickelt wurden. Ihre Autoren waren nicht etwa professionelle Künstler, sondern Mönche, die sie als Meditationsmittel oder als eine Form von Geistesübungen verstanden.

Die Ausstellung umfasst auch ein breites Begleitprogramm. Sie endet am 24. April 2022.

www.ngprague.cz