Ölgemälde mit vielfarbigen Blumensträußen, grafische Blätter, Buchillustrationen, Porzellangeschirr oder Kinderspielzeuge. Das ist der breite künstlerische Bogen, den Minka (Vilemína) Podhajská (1881-1963) innerhalb ihres Schaffens spannte. Dieser bemerkenswerten, in Wien geborenen tschechischen Künstlerin, deren Geburtstag sich in diesem Jahr zum 140. mal jährt, widmet sich die erste monografische Ausstellung in den Räumlichkeiten der renommierten Prager Galerie Hejtmánek.

Bereits beim Betreten der Galerie zieht ein einzigartiger, mit stilisierten Mohnblüten besäter Holzschrank die Aufmerksamkeit auf sich. Es handelt sich um ein zeitloses Kunstwerk, das der namhafte Wiener Designer Koloman Moser 1905 kreierte. Minka Podhajská dekorierte es dann für die inzwischen legendäre Wiener Werkstätte. Zwei Glasvitrinen offenbaren weitere Betätigungen Podhajskás: ihre Entwürfe von Kaffee- und Teeporzellan sowie ihr späterer Triumph, das lustige kunterbunte Holzspielzeug. Nachdem sie als einstiges Mitglied des Künstlerkreises um Gustav Klimt 1919 von Wien nach Prag übersiedelte, wo sie der jungen tschechoslowakischen Künstlervereinigung Artěl beitrat, arbeitete sie intensiv an der Entwicklung des modernen tschechischen Spielzeugs. Dies suchte seit dem Umbruch des 19. und 20. Jahrhunderts seine neue Form, indem es sich von traditionellen Puppen und kuscheligen Schaukelpferden abgrenzte. Im Artěl freundete sich Podhajská mit Helena Johnová, einer der bedeutendsten tschechischen Keramikerin des 20. Jahrhunderts, an, die sie bereits während ihrer Wiener Studienzeit kennengelernt hatte. Gemeinsam unternahmen sie viele Reisen nach Frankreich, Italien und Holland, was man auf den in der Ausstellung installierten Landschaften verfolgen kann.

Podhajskás eigenartige Spielzeuge brachten ihr einige internationale Preise, vor allem die Silbermedaille auf der italienischen Kunstgewerbeschau Triennale in Mailand von 1940. Es sind niedliche, farbenfrohe Menschen- und Tierfiguren mit einer klaren Linie, von der Volkskunst geprägt, zu erkennen. Manche ihrer Spielzeuge dienten der Alltagsunterhaltung, die anderen, wie beispielsweise Holzbrettspiele, wurden im Schulunterricht eingesetzt. Auf die Erfindung von Podhajská griff das tschechoslowakische Ministerium für Schulwesen zurück, sodass man für sie eine Stelle als Spielzeuginstruktorin einrichtete. Darüber hinaus leitete sie volkstümliche Spielzeugherstellungskurse an vielen Orten der damaligen Tschechoslowakei.

Leidenschaft fürs Malen

Obwohl Podhajská in der Geschichte des tschechoslowakischen Spielzeuges eine tiefe Spur hinterlassen hat, war sie eine leidenschaftliche, vielbegabte Malerin. In der tschechoslowakischen Wochenzeitung „Právo lidu“ bestätigte sie dies folgendermaßen: „In meinem Inneren fühle ich mich wie eine Malerin, das ist eigentlich meine Profession. Aber meine Arbeit – und dorthin ordnet mich die Öffentlichkeit auch eher ein – sind Spielzeuge. Farben sind für mich wichtig, ich liebe Farben, ich brenne für sie. Ich bin nicht nur eine Malerin, ich bin auch eine Färberin [Tschechisch: „barvičkářka“, Anm. d. Red.], wie sie mich beschimpfen“. Und in der Tat strahlt aus ihren fröhlichen Bildern eine Leidenschaft fürs Malen aus, die man beim näheren Betrachten nachempfinden kann. Die meisten der Ölgemälde hängen an den Wänden eines zeitgenössischen Salons, der an das einstige Wohn- und Arbeitszimmer der Künstlerin erinnern soll. Sie zeigen heimische und fremde Landschaften, Blumen, Dorfszenerien mit Hennen sowie ihre Nächsten. Man findet hier aber auch ihre Buchillustrationen, Holzspielzeuge sowie kleinere Stofftiere nach ihren Entwürfen. Im langen Flur kann man etliche Grafikarbeiten mit Figuren und Tiermotiven anschauen. Die meisten Ausstellungsexponate entstammen dem Kunstgewerbemuseum in Prag, konkret seiner Spielzeugsammlung im Schloss Kamnitz an der Line (Kamenice nad Lipou). Andere entstammen von Privatsammlern.

Die Ausstellung im „Arthouse Hejtmánek“ ist zu sehen bis 10. Oktober 2021. Mehr auf www.arthousehejtmanek.cz