Raus aus Prag und auf in die Bergbaustadt! Unsere Landesbloggerin Elena hat einen Ausflug nach Kladen (Kladno) genutzt, um ein wenig über die Geschichte der mittelböhmischen Industriestadt in Erfahrung zu bringen.

Eine Stadt, geprägt durch wirtschaftlichen Aufschwung, Industrie und Krieg: Willkommen in Kladen. Die Industriestadt liegt nur 25 Kilometer nordwestlich und eine etwa 40-minütige Busfahrt von Prag entfernt. Bekannt ist die Stadt besonders für ihren ab Mitte des 19. Jahrhunderts florierenden Kohlebergbau und die Stahlindustrie. Dieser Aspekt der Geschichte zieht sich auch wie ein roter Faden durch die einzelnen Sehenswürdigkeiten, die Kladen zu bieten hat. Es ist deutlich: Auf den Bergbau ist die Gemeinde stolz.

Vom Dorf zur königlichen Bergbaustadt

Das Kladener Schloss liegt zentral direkt am angrenzenden Marktplatz gelegen, inmitten des überschaubaren Stadtkerns. Das Schloss ist teilweise für Besucher zugängig und bietet verschiedene Ausstellungen und Führungen an. Auch ich nutzte meinen Aufenthalt in Kladen, um an einer Führung durch das kleine und recht schlichte Schloss teilzunehmen. Dabei wurde mir die wesentliche Entstehungsgeschichte der Stadt erläutert. 

Die Eisenwerke in Kladen um 1930. Foto: wikimedia commons

Die Eisenwerke in Kladen um 1930. Foto: wikimedia commons

Zum ersten Mal wurde Kladno Anfang des 14. Jahrhunderts schriftlich erwähnt. Zu dieser Zeit war das Dorf im Besitz der Familie Kladenský, die 1543 ausstarb, woraufhin Kladen an die Familie Sahrer von Saar (Žďárští ze Žďáru) überging. Erst im Jahr 1561 wurde Kladen dann zur Marktgemeinde („městys“) erhoben und erhielt das erste Wappen – ein blauer Schild mit einem silbernen Adler und einem Luchs. Im Jahr 1701 ging Kladen an die Großherzogin der Toskana, Anna Maria Franziska, über, die das Schloss von den Nachkommen der Familie von Saar erwarb. Bereits vier Jahre später verkaufte sie es jedoch wieder an den Benediktinerorden aus dem Kloster Breunau (Břevnov). Die Stadt hat einige bedeutende Barockdenkmäler zu bieten, welche vor allem aus der Herrschaft des Benediktinerordens hervorgingen.

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts setzte schließlich der Wandel von vorwiegend Ackerbau zum Ausbau des Kohlebergbaus und der Metallurgie ein, woraufhin sich Kladen zu einem der bedeutendsten Industriegebiete Böhmens entwickelte. Die Zeit um 1850 war geprägt von raschem Wachstum und einem Zustrom von Arbeitskräften. Der wirtschaftliche Aufschwung reichte so weit, dass Kladno im Jahr 1898 sogar der Ehrentitel „Königliche Bergbaustadt“ verliehen wurde.

Heute ist das Wappen der Stadt um zwei gekreuzte Bergmannshämmer ergänzt, welche dem ursprünglichen Familienwappen der Familie von Saar am Vorabend des Ersten Weltkriegs im Jahr 1914 von Kaiser Franz Joseph I. hinzugefügt wurden, um die industrielle Geschichte der Stadt zu symbolisieren.

Das heutige Wappen der Stadt besteht aus dem halben Adler der Familie von Žďár und dem Luchs, der wohl auf die reichen Wälder, von denen die heutige Stadt ursprünglich umgeben war, verweisen soll. Die gekreuzten Silberhämmer symbolisieren das Vermächtnis des Bergbaus. Foto: wikimedia commons

Das heutige Wappen der Stadt besteht aus dem halben Adler der Familie von Žďár und dem Luchs, der wohl auf die reichen Wälder, von denen die heutige Stadt ursprünglich umgeben war, verweisen soll. Die gekreuzten Silberhämmer symbolisieren das Vermächtnis des Bergbaus. Foto: wikimedia commons

Der letzte Arbeitstag im Bergbau-Museum

Ebenfalls Teil meiner Stadtbesichtigung war ein Ausflug in das etwas abseits gelegene Bergbau-Freilichtmuseum an der Grube Mayrau in Vinařice. Die Anlage ist heute vollständig stillgelegt und wird seit 1994 zu Ausstellungszwecken genutzt – seit Einstellung des Bergbaus im Jahr 1997 ausschließlich zu diesem Zweck. Die Führungen dort werden von ehemaligen Bergarbeitern durchgeführt, die selbst entweder in der Grube Mayrau oder anderen Kohlebergwerken in der Umgebung gearbeitet haben. 

Über 200 Jahre lang wurde das Kohlebecken von Kladen abgebaut und die Grube Mayrau ist als Museum die einzige zugängliche Bergbaustätte in der Region. Im Jahr 1874 begann der Aushub der Grube, zehn Jahre später folgte eine weitere nur 50 Meter entfernt – die Grube Robert. Beide Gruben wurden nach dem letzten Arbeitstag – was im Übrigen das Thema des Freilichtmuseums ist – vollständig zugeschüttet. Insgesamt wurden an diesem Ort rund 34 Million Tonnen Kohle abgebaut.

Ein persönliches Highlight war für mich ein Spaziergang durch den Homole-Stollen, welcher zu Besichtigungszwecken erhalten blieb und einen Arbeitstag im Bergbau abbildet, inklusive Gerätschaften und Abbautechniken. Auch die ausgestellte und immer noch funktionsfähige Ringhoffer-Dampfmaschine aus dem Jahr 1905 ist sehr beeindruckend und ein interessanter Teil der Führung.
Foto: wikimedia commons/Honza Groh CC BY-SA 3.0

Der noch erhaltene und für Besichtigungen zugängliche Homole-Stollen. Foto: wikimedia commons/Honza Groh CC BY-SA 3.0

Industrie, soweit das Auge reicht

Heute sind die markanten Industrien zwar weitestgehend stillgelegt, man sieht der Stadt ihre Geschichte jedoch unverkennbar an. Bereits bei der Busfahrt durch weite Teile von Kladen wirkte die Atmosphäre eher karg und trostlos. Eben ein völliger Kontrast zu Prag und nicht miteinander zu vergleichen.

Der Wohlstand, zu dem die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt einst verhalf, ist Kladen heute jedenfalls nicht mehr anzusehen. Die jahrhundertelange Industrie hat ihre Spuren hinterlassen und ihren Zoll von der Umwelt und Infrastruktur verlangt. 

Dennoch hat der Ausflug mein Interesse daran geweckt, auch andere Teile Tschechiens kennenzulernen und ich werde meine verbleibende Zeit nutzen, um weitere Städte der Tschechischen Republik zu besuchen.


Falls Sie sich mehr für Bergbau in Tschechien interessieren, empfehlen wir Ihnen unsere aktuelle Bergbau-Serie in der LandesECHO-Printausgabe, in der wir uns monatlich auf bergmännische Spuren in den Ländern der böhmischen Krone begeben. In der letzten Folge in der Oktober-Ausgabe 2022 ging es um den Silber- und Uranbergbau in Joachimsthal. Schauen Sie rein!


 Dobrý den an alle Leserinnen und Leser,

mein Name ist Elena Hormann und ich darf die Redaktion des LandesEcho von Anfang Oktober bis zum Jahresende unterstützen. Als Bachelorabsolventin der Germanistik schlägt mein Herz besonders für Literatur und Wörter im Allgemeinen. Darüber hinaus beschäftige ich mich gerne mit Kunst und Fotografie. Ich sehe meine Zeit beim LandesEcho als einmalige Gelegenheit, um vertiefende Einblicke in den Journalismus zu erhalten und praktische Erfahrungen zu sammeln. Darüber hinaus bin ich gespannt darauf, die Stadt in den nächsten Monaten auch fernab des Tourismus zu erkunden und mehr über die deutsch-tschechischen Verbindungen und die Kultur des Landes zu erfahren. Die Erlebnisse meines ersten Aufenthalts in der tschechischen Metropole werde ich unter anderem im „LandesBlog“ verarbeiten. Ich freue mich auf alle Herausforderungen und unerzählten Geschichten, die die Stadt für mich bereithält.