Unsere Landesbloggerin Magdalena hat sich dieses Mal auf den Weg gemacht, um die Sehenswürdigkeiten innerhalb des Prager Burggeländes zu besichtigen. Im berühmten Veitsdom (Katedrála sv. Víta) wurde sie vor allem von einem funkelnden Fenster und dessen Geschichte verzaubert.

Prag kann um das touristische Zentrum sehr laut und hektisch sein; die Menschenmassen drängen sich durch die Gassen. So habe ich den Eindruck, dass man die tolle Prager Kulisse manchmal gar nicht genießen kann. Trotzdem habe ich mich dazu entschieden, an einem besonders sonnigen Morgen die Fahrt zur Prager Burg auf mich zu nehmen. Dort stand ich wie erwartet schon nach wenigen Minuten in der Schlange für die Sicherheitskontrolle, bevor ich das Gelände betreten durfte.

Das gesamte Burggelände mit seiner tausendjährigen Geschichte ist atemberaubend schön und war einst Sitz von Königen und Kaisern. Das Areal ist 70.000 Quadratmeter groß und bietet ein Programm für mindestens einen halben Tag – damit wirkt dieser Ort wie ein Magnet für Touristen. Von allen Eingängen des Geländes strömen die Besuchergruppen herein, um sich vor und in den Bauten für ein gutes Foto abzulichten. Mitten im Trubel trohnt der Veitsdom auf dem Hradschin-Berg über der tschechischen Hauptstadt.

Mein Rundgang durch den Dom

Ich selbst bin nicht religiös, doch Kirchen hatten auf mich schon immer eine besondere Wirkung. Es ist vielleicht der kleine Funke Magie, dem sich auch der größte Atheist nicht entziehen kann, wenn er ein Haus Gottes betritt. Ich fühle an diesem Ort vor allem Respekt vor den Baumeistern und Künstlern, die diesen magischen Ort erbauten.

Der Veitsdom inmitten des Prager Burggeländes an einem sonnigen Vormittag. Foto: Magdalena Moser

Der Veitsdom inmitten des Prager Burggeländes an einem sonnigen Vormittag. Foto: Magdalena Moser

Der Veitsdom ist ein beeindruckendes Beispiel für spätgotische Architektur. Das geistige Symbol des Tschechischen Staates wurde im Jahre 1344 an der Stelle einer ursprünglich romanischen Rotunde errichtet. Der Bau dauerte beinahe 600 Jahre und wurde definitiv erst im Jahre 1929 fertiggestellt. Im überwältigenden Inneren der Kirche befinden sich unter anderem die mit Malereien und Halbedelsteinen ausgeschmückte Wenzelskapelle mit dem Grab des Heiligen Wenzel, im Souterrain die Gruft der böhmischen Könige sowie die Schatzkammer, in der die Krönungsinsignien aufbewahrt werden. Die Innenräume sind mit wundervollen Gestaltungselementen, geschnitzten Holztüren, und vor allem mit vielen kunstvollen Buntglasfenstern ausgestattet.

Magischer Lichtertanz in der Kathedrale

Mehrere tschechische Künstler, darunter der berühmte Maler Alfons Mucha, waren an der Herstellung einiger Glasfenster beteiligt. Das von mittelalterlichen Baumeistern gestaltete Kirchenschiff wird perfekt von Licht durchflutet, das sich den Weg durch die Kirchenfenster bahnt. Vergessen sind für einen kleinen Moment die Menschenmassen im Lichtspiel zwischen Sonne und der bunten Glaskunst. Minutenlang bleibe ich vor jedem Fenster stehen und lasse mich in den Bann ihres Detailreichtums ziehen.

Die Glasmalerei der Grabeskapelle lässt das Licht durch den Dom tanzen. Foto: Magdalena Moser

Die Glasmalerei der Grabeskapelle lässt das Licht durch den Dom tanzen. Foto: Magdalena Moser

Die Fensterrose „Die Erschaffung der Welt“

Doch nachhaltig berührt hat mich vor allem die Fensterrose „Die Erschaffung der Welt“, die mittig über dem Hauptportal auf der Westseite des Doms eingebaut ist. Beinahe monströs prangt die Fensterrose auf der neugotischen Stirnseite der Kathedrale und fesselt durch ihre bunten Glasfenster die Menschen im Dom.

Als Fensterrose wird in der Architektur ein kreisrundes verglastes Fenster mit Maßwerkfüllung bezeichnet. Das Maßwerk ist ein unabdingbarer Bestandteil der Fenster und bezeichnet die filigrane Arbeit von Steinmetzen in Form von flächigen Gestaltungen. Es besteht aus geometrischen Mustern, die als Steinprofile umgesetzt werden, wobei der Stein komplett durchbrochen wird. Maßwerkrosen haben zum Teil einen Durchmesser von über 13 Metern.

Die Fensterrose „Die Erschaffung der Welt“ wurde 1925 kreiert und hat einen Durchmesser von zehn Metern. Benannt ist sie nach der Schöpfungsgeschichte aus der Bibel. Die einzelnen Motive und Worte auf dem Fenster sind im Dom mit bloßem Auge trotz der Größe der Rosette kaum erkennbar. Jedoch hat mich die Frage nicht losgelassen, wie die Schöpfungsgeschichte in der Rosette verarbeitet wurde. Folgendes habe ich herausgefunden:

Gläserne Schöpfungsgeschichte

Im oberen Teil der Fensterrose ist Gott als alter Mann mit weißem, langen Bart abgebildet. In seiner rechten Hand hält er sieben Sterne (drei weiße, einen gelben, einen blauen, einen roten sowie einen grünen). Links und rechts im Glas ist folgender Satz auf Tschechisch eingraviert: „Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Und die Erde war wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe, der Geist Gottes schwebe über den Wassern.“ („Na počátku stvořil Bůh nebe a zemi, tma byla nad hlubinami, země však byla pustá a prázdná, Duch Boží vznášel se nad vodami.“)

Mit bloßem Auge lassen sich die künstlerischen Details der Schöpfungsgeschichte nur erahnen. Foto: Magdalena Moser

Mit bloßem Auge lassen sich die künstlerischen Details der Schöpfungsgeschichte nur erahnen. Foto: Magdalena Moser

Die Geschehnisse vom ersten bis zum sechsten Tag sind im Uhrzeigersinn mit den entsprechenden Worten aus der Bibel angeordnet. Zentral in der Mitte der Rose ist der siebte Tag dargestellt: „Am Abend des siebten Tages, Ruhe von aller Arbeit.“ („Dokončil Bůh dne sedmého své dílo a dni tomu požehnal, odpočinul ode vší práce.“) Links und rechts unten in jeweils drei kleinen Kreisen wird die Erzählung über die Erschaffung der Welt zum Abschluss gebracht: „Und Gott schaute, was er erschaffen; und siehe, es war sehr gut.“ („A viděl Bůh vše, co byl učinil a bylo to velmi dobré.”)

Atemberaubende Wirkung

Durch ihre zentrierte Lage hat die Fensterrose auf mich eine eindrucksvolle, fesselnde Wirkung. Das detaillierte Buntglas, welches in sämtlichen Variationen in der Rosette eingebaut ist, macht die Rosette für mich prächtig und machtvoll. Die Kreisform der Fensterrose soll in der christlichen Symbolik nicht nur für den Heiligenschein stehen, sondern auch für die Vollkommenheit und damit das Göttliche – den Übergang vom Irdischen zum Himmlischen. Die Form des Maßwerks ist sonnenähnlich. Dies in Verbindung mit den vielen bunten Farben hat mich beim Besuch des Doms so positiv gestimmt, dass ich den gesamten restlichen Tag noch gute Laune hatte.

Wer den Veitsdom besucht, der erlebt den Zauber der künstlerischen Highlights der Kirche, von denen die Fensterrose eindeutig zu den imposantesten gehört. Denn sie erzählt die Geschichte von Sehnsucht nach Heil und Segen der Menschen.


Magdalena Moser. Foto: Manuel Rommel

Servus und ahoj an alle Leserinnen und Leser des LandesEcho,

mein Name ist Magdalena Moser. Ich komme aus Niederbayern und studiere Governance and Public Policy an der Universität Passau. Im Rahmen meines Studiums mache ich für drei Monate ein Praktikum in der Redaktion von LandesEcho in Prag – in der Hauptstadt bin ich nun zum ersten Mal und werde deshalb in meiner Zeit hier ausgiebig alle Ecken von Prag erkunden.

Ich freue mich schon sehr darauf, in die für mich unbekannte Welt des Journalismus reinschnuppern und meine Erlebnisse im LandesBlog verarbeiten zu dürfen. Darüber hinaus ist mein Praktikum beim LandesEcho eine echte Gelegenheit, die Gesellschaft und Kultur Tschechiens kennenzulernen und mich auf die Spuren der deutschen Minderheit zu begeben. Dabei hoffe ich, zusätzlich meine dürftigen Tschechischkenntnisse aufbessern zu können. Ich bin schon sehr auf die vielen neuen Eindrücke gespannt, die mich in den nächsten Monaten hier erwarten.